Neue Klangwelten

Im Laufe der Jahre hört man viel Musik, sehr viel Musik. Irgendwann glaubt man schon alles zu kennen, hat längst seine Favoriten, seine Vorlieben, seinen Stil gefunden. Doch dann kommt auf einmal so ein magischer Moment, wo man plötzlich etwas ganz Neues, ganz neue Töne entdeckt. Einer dieser seltenen Augenblicke ereignete sich am Wochenende in der katholischen Pfarrkirche Christus Kirche in Bergheim. Als der Duisburger Pianist Marius Furche im Rahmen der Konzertreihe „FreitagsMusik“ das Tor zu neuen Klangwelten aufstieß...

Melancholie

„Piano Solo & Mehr“ - mit dem einstündigen Auftritt des virtuosen Klavierspielers gelang Ludger Morck, dem „hauseigenen“ Organisten und Initiator der „Freitagsmusik“, ein weiterer Glücksgriff. Denn Marius Furche, der 41-jährige Tastenkünstler aus dem Dellviertel, zog seine rund 120 Zuhörer rasch in seinen Bann, sowohl mit Eigen- als auch mit Fremdkompositionen, zu hören auch auf diversen Soloalben.

So hörte es sich an: Mal donnerten ausufernde, minutenlange Improvisationen mächtig durch das Kirchenschiff. So wie in dem Stück „Das Piano“ , geschrieben vom Komponist Michel Nyman oder bei der Improvisation über den barocken Choral „Befiehl du deine Wege“ aus der Feder von Georg Philipp Telemann (1681-1767). Mal flogen filigrane Akkorde leicht und schwebend durch das Chor, pfeilschnell oder verhalten, meist mit einem Anflug von Melancholie oder Sentimentalität. Die geschickten Arrangements oft sphärisch, aber nie kitschig - so wie bei der eindrucksvollen Eigenkomposition „Hope“.

Auch bei der klassisch beeinflussten Eigenimprovisation „La Folie“ verdoppelten Weite und Hall des Kirchenschiffs die akustischen Effekte von Marius Fuche. Ergriffen spendeten die Zuhörer langen Applaus. Dagegen kam bei dem selbst verfassten „Homecoming“ und bei der „Hymn to freedom“ des amerikanischen Jazz-Pianisten Oscar Peterson gefälliger Rhythm`n Blues zu Gehör. Der eingängige Boogie-Woogie dieser eher traditionellen Stücke gefielen dem Publikum besonders gut.

Der Zuspruch von den Kirchenbänken steigerte sich noch, als die schwarze Duisburger Sängerin Patricia Belesi neben Marius Furche auf der Bühne stand und mit „You raise me up“ und „Beautiful“ Gänsehaut-Hits von Westlife und Christina Aguilera gefühlvoll intonierte. Verspielt fiel dann wieder das reine Klavierstück „Comptine d`un autre été“ aus, die dezente, transzendente Melodie eines endlosen Sommers, komponiert von Yann Tiersen.

Marius Furche studierte das Klavierspiel an der Musikhochschule Detmold. Patricia Belesi wurde mit ihren Auftritten mit den Kopernikus-Gospel-Singers aus Walsum bekannt. Zusammen gewannen sie auch das Finale des Konzerts - mit Klassikern, wie dem Soul-Evergreen „Lean on me“ des US-Sängers Bill Withers sowie den geistlichen Traditionals „Abide with me“ und „Amazing Grace“.

 
 

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