Nervige Schrottsammler oder freundliche Helfer in Duisburg

Daniel Cnotka
Mit einem solchen Pritschenwagen fahren etliche Klüngelskerle durch das Ruhrgebiet. Einige sollen inzwischen ihre Fahrzeugflotte um geschlossene Transporter erweitert haben, damit nicht mehr jeder sehen kann, was der Verwerter so alles auf seiner Tour mitgenommen hat.
Mit einem solchen Pritschenwagen fahren etliche Klüngelskerle durch das Ruhrgebiet. Einige sollen inzwischen ihre Fahrzeugflotte um geschlossene Transporter erweitert haben, damit nicht mehr jeder sehen kann, was der Verwerter so alles auf seiner Tour mitgenommen hat.
Foto: Cornelia Fischer
Der Motor des Pritschenwagens ist aus, die Glocke auch. Ein Lkw steht an der Eberhardstraße in Hochemmerich, Grenze Asterlagen: Der Fahrer macht Pause vom Schrottsammeln im Duisburger Westen. Ein mobiler Schrottsammler spricht über sein Geschäft.

Duisburg-West. Etliche sogenannte „Klüngelkerle“- die Melodie dieser fahrenden Händler hat sich ins Gedächtnis der Menschen inzwischen so etwas wie eingebrannt – scheinen hier ein lukratives Geschäft zu wittern. Was sind das für Menschen, die anderer Leute alte Waschmaschine wollen? Und warum sind es so viele? Welche Melodie spielen sie? Und was sagen Stadt und Bürger zu den rollenden Schrottverwertern?

Fragen über Fragen. Zuerst zur Meinung der Bürger: Viele ärgern sich über die Klüngelskerle und deren Gedudel vom Band. Als die Redaktion – es war eher scherzhaft gemeint – eine Bürgerinitiative gegen Klüngelskerl-Lärm gründen wollte, hatte ein Leser aus Bergheim sofort mitmachen wollen. Bis zu fünf Sammler täglich auf ein und der selben Straße, dazu verschiedenste Melodien, das sorgt bei den Menschen für schlechte Laune, „man kann nicht mal mehr in Ruhe auf der Terrasse sitzen.“

„Ich will nicht ins Fernsehen“

Was zudem auffällt, die Wagen sind stets gut gefüllt mit allerlei Metallschrott und Geräten. So auch bei dem pausierenden Mann von der Eberhardstraße, seinen Namen möchte er lieber nicht in der Zeitung lesen. Ebenso lehnt er ab, dass ihn einmal jemand begleitet, „ich will nicht ins Fernsehen.“ Ein klassischer Klüngelskerl sei er ohnehin nicht, er würde auf Bestellung Schrott abholen, habe viele Stammkunden in der Gegend.

Die Aussage des offenbar aus dem Duisburger Norden stammenden Klüngelskerls deckt sich mit der Recherche der Redaktion. Man würde lediglich Stammkunden anfahren, und um auch noch weitere potenzielle Kunden zu gewinnen, auf dem Weg die Glocke bimmeln lassen, heißt es am Telefon. Silke Kersken, Sprecherin der städtischen Wirtschaftsbetriebe, bezweifelt die Geschichten der Kerle. „Ich habe beobachtet, dass sie viele Gebiete gleich mehrfach am Tag anfahren.“

Wer Sperrmüll mitnimmt, ist ein Dieb 

Zudem seien manchen Händler inzwischen mit geschlossenen Wagen unterwegs. Der Grund scheint klar: die „Beute“es soll nicht mehr für jedermann sichtbar sein. Denn seit 1. Juni besteht für gewerbliche wie für privat genutzte Alt-Elektrogeräte eine Abgabepflicht an die öffentlich-rechtlichen Entsorger. Das heißt, Klüngelskerle dürfen Geräte nicht mehr annehmen. Zudem dürften sie sich ohnehin nicht am Sperrmüll auf der Straße bedienen. Der gehört sobald er draußen steht, den Wirtschaftsbetrieben. Wer ihn einfach mitnimmt, ist ein Dieb. Der eine oder andere bestellt den Schrotthändler also nach Hause? „Das ist gut möglich“, sagt Kersken, die empfiehlt, E-Schrott und Co. bei den Wirtschaftsbetrieben anzumelden. Anruf und Abholung an der Straße sind kostenlos.

Die Vorteile würden auf der Hand liegen. Die Stadt könne Metallschrott weiterverkaufen, durch die Erlöse könnten die Müllgebühren konstant gehalten werden. Am Ende gewinne der Bürger. 2,7 Kilo Metallschrott hat im vergangenen Jahr durchschnittlich jeder Duisburger bei den Wirtschaftsbetrieben abgegeben, insgesamt 1351 Tonnen. Kersken: „Diese Zahl war in den vergangenen Jahren konstant.“

Die Wirtschaftsbetriebe schauen sich alte Waschmaschinen übrigens nicht genauer an, es werde alles verschrottet. Wer ein noch funktionierendes Gerät abgeben möchte, sei bei Sozialkaufhäusern wie dem Kaufhaus der Diakonie (Moerser Straße 32, Rheinhausen) richtig. Von dort aus würden Geräte an Bedürftige abgegeben.

Die Melodie gibt’s im Internet zu hören

Bleibt die Frage nach der Melodie. Die Bonner Komponistin Dorothee Hahne hat Noten zur Melodie auf ihre Internetseite gestellt, www.dorothee-hahne.de, „zum kopieren, von den Dächern pfeifen oder eben mal eine einfache Melodie auf der Blockflöte spielen lernen“.

Ein letztes Mal zurück auf die Eberhardstraße: Der Fahrer hat seine Pause beendet. Weitere Auskünfte über sein Gewerbe möchte er nicht geben. Nur soviel, „das Geschäft lohnt sich. Für alle.“