Nachts durch den Chempark

Bis zu 27 Meter ragen die Silos des Compoundier-Betriebes gen Himmel
Bis zu 27 Meter ragen die Silos des Compoundier-Betriebes gen Himmel
Foto: Dirk Hansen
Rund 100 Besucher machten sich auf den Weg durch die Produktionsstätten und staunten über die vielseitige Verwendung des Kunststoffs Makrolon in der Autoindustrie und in den Dingen des Alltags

Duisburg/Krefeld..  Der Chempark in Krefeld-Uerdingen leuchtet. Gerade steigt der Vollmond aus einer Wolke am Nachthimmel über dem Werksgelände auf. Der Erdtrabant taucht den Industriestandort am Rheinufer in ein silbriges Licht. Es ist 20.15 Uhr in der „Langen Nacht der Industrie“ und die Führungen durch den Chempark sind gerade beendet. Rund hundert Besucher aus dem Ruhrgebiet und vom Niederrhein verarbeiten die zahlreichen Eindrücke und Informationen aus den vergangenen gut zwei Stunden. Besonders nachhaltig wirkt der Rundgang durch die große Produktionsanlage für den vielseitigen Kunststoff Makrolon. Die meisten nächtlichen Besucher zeigen sich überrascht bis beeindruckt, in wie vielen Produkten des täglichen Bedarfs dieses Makrolon steckt: CDs, DVDs, Schutzbrillen, Linsen für Brillen, Pinzetten, Autoarmaturen oder Fahrrad- und Feuerwehrhelmen. In Gehäusen von Computern, Laptops, Flachbildschirmen findet sich der Kunststoff genauso wie in Fensterrahmen, Wintergärten, Trennwänden und Dachkonstruktionen.

Veredeln von Rohstoffen

Der Werkstoff gehört zur Familie der Polycarbonate, wird in der Compounding-Anlage im nördlichen Bereich des Chemparks hergestellt, nicht weit vom geografischen Zentrum des rund 260 Hektar großen Werksgeländes. „Compounding“ bedeutet Veredeln von Rohstoffen. Die Anlage arbeitet für Bayer Material Sciences (BMS), die außer Polycarbonaten Polyamide und Polyurethane produziert. „Makrolon hat viele Vorteile“, berichtet Diplom-Chemiker Dr. Arnulf Werner, seit einem Jahr Betriebsleiter der Anlage, seinen Gästen im Besprechungsraum beim Power-Point-Vortrag. „Dieser Kunststoff hat eine hohe Bruchfestigkeit, ist gleichzeitig leicht und transparent, formstabil und hitzebeständig. Makrolon kann aber in jede beliebige Form gebracht werden. Diese Eigenschaften machen eine Vielzahl von Anwendungen möglich.“ Hauptabsatzgebiet ist aber die Autoindustrie: „Aus Makrolon werden z.B. Seitenscheiben oder Sonnendächer gegossen, Lüfterdüsen, Spoiler, Zierleisten oder Kühlergrills gefertigt. Kleinere Anwendungen von Makrolon gibt es auch in medizintechnischen Geräten wie Spritzenkörpern, Dialyse-Kartuschen, Filterpatronen oder kleinen Infusionshähnen.

Dann macht sich die Gruppe, drei Viertel sind übrigens Männer, mit Dr. Werner auf den Weg durch den High-Tech-Dschungel der Produktionsanlage für Polycarbonate. Darum sind Büros, Lager für Ersatzteile, Werkstatt und Zentrallabor und hohe Silos für die Rohstoffe gruppiert. Herzstück ist aber die „Fabrik“, etwa 100 Meter lang, 30 Meter breit, drei Etagen hoch. Auf diesen Etagen stehen acht so genannte „Extruder“. Diese Spezialmaschinen verarbeiteten die Rohstoffe aus Silos und Gebinden, die Polycarbonate zu Granulaten

Rund 100 Mitarbeiter sind Tag und Nacht in der Anlage beschäftigt, im Wechsel von fünf Schichten. Beim Rundgang schauen sich die Besucher die modernen Produktionsstraßen aus nächster Nähe an, werfen auch einen Blick ins Technikum. Die Gäste überzeugen sich auch von der Qualität der Produkte. In der Ausstellung des Technikums nehmen sie die Exponate, alle aus Makrolon gefertigt, genauer unter die Lupe. Allgemeiner Tenor: „Interessant und informativ.“

EURE FAVORITEN

Weitere interessante Artikel