Modisches Leben im Bunker an der Günterstraße

Die unbenutzte Etage im Bunker an der Günterstraße. Mit „renovierungsbedürftig“ knapp ausreichend beschrieben.    Foto: Tanja Pickartz / WAZ FotoPool
Die unbenutzte Etage im Bunker an der Günterstraße. Mit „renovierungsbedürftig“ knapp ausreichend beschrieben. Foto: Tanja Pickartz / WAZ FotoPool
Foto: WAZ FotoPool

Rheinhausen.. Der Schutzraum an der Rheinhauser Günterstraße konnte in Kriegszeiten 2050 Menschen beherbergen. Und heute? Der Bau hat fünf mal 200 Quadratmeter, sagen wir mal, Wohnfläche. Die Wände sind fast so dick wie ein Mittelklassewagen breit ist.

Das ist gut zu erkennen ist an der Tiefe der Mauervorsprünge rund um die Fenster. Die waren Ende der 1950er Jahre ins massive Mauerwerk gesprengt worden. Willkommen im Hochbunker an der Günterstraße in Hochemmerich. Ein Rundgang, los geht’s auf dem Dach.

Oliver Sendelbach (50), sein Vater führt das Damenmode-Geschäft im Erdgeschoss, steigt die schmalen Treppen hinauf und stemmt eine Eisentür auf. Diese mit Stahlhaken gesicherte Luftschutztür ist seit Baubeginn 1941 hier oben, ganz bestimmt. Auf dem Dach könnte man prima eine Sonnenterrasse aufbauen, Panoramablick über Rheinhausen inklusive. Hier oben erinnert nichts mehr daran, dass hier im 2. Weltkrieg Menschen – wenn auch eher nicht auf dem Dach – Schutz gesucht haben. Es regiert die Moderne: Ein Aufzug wurde nachträglich an das Gebäude gezimmert, auf dem Dach steht ein großer Handyfunkmast.Spezial

Lager in der 1. Etage

„In der ersten Etage befindet sich unser Lager“, sagt der Jurist Sendelbach. Er hütet zurzeit das Geschäft, sein Vater Norbert, der 75-Jährige führt das Unternehmen seit den 1960-er Jahren, ist gerade im Urlaub. Fotos des Lagers wollte Sendelbach Junior dann doch nicht in der Zeitung sehen, ein blick ins Treppenhaus sollte genügen. Per Zufall geht’s dann doch hinein.

„Hier ist ja offen“, wundert sich Sendelbach, der Weg führt hinein in 200 lichtdurchflutete Quadratmeter. Rudi Lisken (77), Kartoffelhändler und hiesiges Original, wähnt sich für einen Moment zurück in seiner Kindheit: „Hier waren einige Mauern und hier haben wir damals geschlafen.“

Heute ist die unbewohnte Etage renovierungsbedürftig, auf dem Boden liegt ein alter Boiler und die Sanitäranlagen müssten auch neu gemacht werden. Eine schicke Wohnung im Loft-Stil könnte daraus schon werden, was fehlt ist ein Balkon. Andererseits gibt es ja noch die Dachterrasse...

Textilfabrik mit 100 Mitarbeitern

Die Geschichte der Familie Sendelbach ist sehr eng mit der des Bunkers an der Günterstraße verbunden. Olivers Opa Otto hatte Anfang der 1950er-Jahre in dem Gebäude eine Textilfabrik gegründet und zeitweise bis zu 100 Mitarbeiter beschäftigt. „Wir haben sogar für C&A produziert“, sagt der Enkel. Im Ladenlokal waren damals ein Friseur und ein Fernsehgeschäft untergebracht. In den 1960-ern – Senior Sendelbach war inzwischen gestorben – hatte Norbert das Geschäft übernommen. Produziert wird hier schon lange kein Kleidungsstück mehr, das Bekleidungsgeschäft befindet sich samt einer Änderungsschneiderei im Erdgeschoss. Den Namen „Mademoiselle Danielle Creation“, hatte sich der Inhaber ausgedacht, Oliver Sendelbach: „Damit wollte mein Vater wohl französischen Schick zeigen.“

Norbert Sendelbach ist übrigens Mieter des Gebäudes. Auch der Atatürk-Verein, er bewohnt die zweite Etage, hat die Räumlichkeiten gemietet. „Der Bunker ist wie viele andere auch im Besitz des Bundes, dorthin überweisen wir die Miete.“

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