Mitsingen oder nur träumen

Matt Epp.
Matt Epp.
Der Kanadier Matt Epp kehrte erneut im Herbst in sein Wohnzimmer, das Jugendzentrum Tempel ein und brachte dieses Mal instrumentale Unterstützung mit

Duisburg-Bergheim.  Hannes Wallrich vom Tempel-Team wird vielleicht einmal wehmütig zurückblicken – deswegen, weil er die Folkmusik-Künstler, die irgendwann die großen Festivals spielen werden, an seinen heimeligen Veranstaltungsort im Jugendzentrum Tempel eingeladen hat. Neben dem Australier Tim Mc Millan zählt sicherlich auch Matt Epp aus Kanada dazu, der jetzt jährlich zum Herbst in sein „Wohnzimmer“ einkehrt – und man darf es auch nicht als „Verrat am Folk“ werten, wenn er seine Songs nicht mehr nur mit Akustikgitarre und Mundharmonika wie einst Bob Dylan präsentiert, sondern diesmal einen E-Bassisten und eine verstärkte Gretsch-Halbakustik-Gitarre mitbringt.

Matt Epps Songs haben einen unterschwelligen Hit-Charakter, sind trotzdem sehr nah am rootsigen Folk orientiert – so ist auch nicht verwunderlich, dass der Song „When you know“ des Kanadiers immerhin zwölf Wochen unter den „Top-Five“ seines Landes weilte. An gleicher Stelle also, an der auch Neil Youngs „Heart of Gold“ irgendwann am Anfang des Jahres 1972 gewesen war. Seine songwriterische Intention bekommt er oftmals aus der Natur, dann nämlich „wenn mir nach einem Nickerchen im Pickup-Car innerhalb der kanadischen Wildnis ein Bisonkopf ins Fenster schaut.“ Oder wenn er davon träumt, dass die USA Kanada nicht nur bespitzeln, nein, direkt übernehmen.

Eigentümliche Dynamik

Songs mit einer eigentümlichen Dynamik, die Matt Epp teilweise voller Inbrunst singt, wie „Use your head“, „Never have I loved like this“ oder „Met someone“, hinterlassen ihre Wirkung bei den 70 Zuhörern im Kellerraum des Tempels, die dann entweder mitsingen oder einfach nur dahin träumen. Und wenn er sich mit seinem Bassisten Joel Corture ein Gitarrensoloduell liefert und beide so mit ihren Körpern dazu wippen, dann erinnert das doch ein bisschen an Neil Young mit Crazy Horse – in jung versteht sich. Sein vielleicht bester Song ist auch in einer sehr düsteren Phase seines Lebens entstanden „They won’t find the bodies“ – und als er die Geschichte, die von Betrug und Verbrechen handelt, dazu erzählt, lacht auch keiner mehr im Publikum des Tempelkellers.

Und Matt Epp nimmt seine Fans noch mit auf einen Ausflug nach Istanbul – in perfektem Türkisch singt er den dortigen Mega-Hit „Unattunmu Benzi“ der Sängerin Sezan Aksu, den er auch schon live mit ihr vor einer jubelnden türkischen Fangemeinde gespielt hatte. Also Völkerverständigung pur, die dann irgendwann in Bob Dylans Hymne aller Folker „Blowin in the wind“ mündet, anders gesungen von Matt Epp. Als Zugaben folgen noch „This old house“ und „Leaving“, bei denen die Fangemeinde noch einmal mitsingen darf.

Letztes Konzert in diesem Jahr

Für dieses Jahr war es das letzte Konzert in der Reihe Folkfest-Spiele, aber: „Im Frühjahr werden wir an diesem Ort drei bis vier weiter Veranstaltungen folgen lassen – quasi als Warm-up für das Festival“, verspricht Hannes Wallrich als „musikalischer Leiter“ des Tempels.

 
 

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