Mit 39,6 km/h gegen Container

Kontrollierten gestern in Asterlagen, mit welchen Geschwindigkeiten die Autofahrer unterwegs waren: Ralf Raueiser,Jürgen kalde, Jörg Woytena, Norbert Decker (v.l.)
Kontrollierten gestern in Asterlagen, mit welchen Geschwindigkeiten die Autofahrer unterwegs waren: Ralf Raueiser,Jürgen kalde, Jörg Woytena, Norbert Decker (v.l.)
Foto: Funke Foto Services
Beim Blitzmarathon in Asterlagen hätten Autofahrer bei einem Computerprogramm testen können, was die eigene Reaktion bei überhöhten Geschwindigkeiten auslöst

Duisburg-Rheinhausen..  Ein Autofahrer hat überlegt, wie er seine Campingparzelle umbaut, ein anderer musste schnell Ware ausliefern, wiederum andere hatten schlicht und ergreifend keine Zeit. Diese und andere Begründungen hörten die Beamten beim Blitzmarathon im Duisburger Westen. Eigentlich sollte im Bereich der Pelleskurve an der Essenberger Straße „geblitzt“ werden. Da die Baustelle jedoch einen extremen Rückstau verursacht, waren dort Geschwindigkeitsüberschreitungen nicht zu erwarten. Also zog das Team aus Polizeihauptkommissar Norbert Decker, Polizeioberkommissar Jürgen Kalder und Polizeioberkommissar Ralf Raueiser kurzerhand zur Einfahrt in den Businesspark in Asterlagen um. Zu ihnen gehörte Polizeioberkommissar Jörg Woytena von der Verkehrsunfallprävention. Mit dabei hat er auf einem Laptop das Programm „Mechanik und Verkehr“. Wenn denn einer der eiligen Autofahrer mal die Zeit hätte, würde er ihm gerne mal präsentieren, was passiert, wenn man bei einer Geschwindigkeit von 63 Stundenkilometern aufgrund eines Hindernisses plötzlich bremsen muss. Um es vorweg zu nehmen: Der Motorraumbereich eines Autos muss komplett repariert werden.

Jörg Woytena gibt in dieses Programm die Geschwindigkeit von 50 km/h ein und mahnt zur Achtsamkeit, bei Erscheinen eines Warnzeichen soll sofort die Leertaste sozusagen als Bremspedal gedrückt werden. Der Wagen kommt vor einer Barriere zum Stehen. Die Reaktionszeit 0,48 Sekunden. Jetzt lässt der Polizeibeamte ein zweites Auto in der Geschwindigkeit von 63 km/h fahren. Am Punkt des Warnzeichens bremst es nach der vorher gemessenen Reaktionszeit und prallt frontal vor einen Container. „Der Aufprall erfolgte mit einer Geschwindigkeit von 39,6 km/h“, führte Woytena aus und überlässt der Fantasie das Ausmalen der Situation, mit einer solchen Geschwindigkeit plötzlich einen Menschen zu erfassen. Der Polizist hat schwerst und tödlich Verletzte gesehen. 30 Jahre fuhr er Streife im Duisburger Norden. Oft genug hatte er die schwere Aufgabe, Angehörige von Unfallopfern informieren müssen: „Es ist schon schlimm, ein Kind zu verlieren, nur weil jemand zehn Stundenkilometer zu schnell gefahren ist.“ Zwischen 64 und 69 Stundenkilometern fuhren gestern innerhalb von zwei Stunden 16 Autofahrer, die in Asterlagen angehalten wurden und ein Verwarnungsgeld von 25 Euro bezahlen mussten. Getoppt wurde das Ergebnis von einem 69-Jährigen, der mit 80 km/h bei erlaubten 50 unterwegs war. Seine Ausrede: „Erst vor fünf Minuten habe ich den Tempomat ausgeschaltet.“

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