Minnie Marks spielte im Jugendzentrum Tempel in Bergheim

Stephan Sadowski
Minnie Marks bei ihrem Auftritt im Jugendzentrum Tempel.
Minnie Marks bei ihrem Auftritt im Jugendzentrum Tempel.
Foto: Tanja Pickartz
120 Gäste kommen zum Konzert der australischen Rockröhre ins Jugendzentrum Tempel. Marks hatte fürs Publikum Überraschendes vorbereitet.

Duisburg-Bergheim.  Selbst mit Hut ist Minnie Marks kaum größer als die barocke Stehlampe neben der gemütlichen Couch auf der Kellerbühne im Tempel. Die 22-jährige australische Sängerin überstrahlt aber die Leuchtkraft der Lampe mit ihrer bluesigen Rockröhre und ihrem versierten Gitarrenspiel bei weitem. Mit ihrer schier unendlichen stimmlichen Bandbreite suggeriert die pausbackige Minnie Marks kindliche Emotionen bis hin zu schwerstem Alkoholkonsum – dann wenn sie ihre rotzige Facette aus sich herauskitzelt und dabei klingt wie Janis Joplin auf Entzug. Das Publikum im proppenvollen Keller des Jugendzentrums hat sie sofort im Griff, direkt bei dem melodischen Folk-Blues „Golden Food and Amber Fuels“ wippen 120 Zuhörer begeistert mit. Die meisten wissen aber was auf sie zukommt, denn bereits zweimal war Minnie Marks Gast beim Folkfestival und rockte vor 4000 Leuten die Hauptbühne.

Neue Songs wie das treibende „Little People“ schlagen gut ein, so gut, dass kurz darauf der aufgestellte Verstärker den Geist aufgibt. Tontechniker Tom Straub löst das Problem und fixt unmittelbar ein Mikro an dem kleineren Ersatzgerät, um den vollen Sound zu garantieren. „Ich verwende kaum Effekte, keine Loops, alles ist Live, lediglich Hall zieh ich mir drauf“, sagt die australische Musikerin. Und sie schafft damit einen sphärischen Gitarrenklang, versierte Melodieverläufe vertrackte Bassrhythmik, die sie mit dem Daumen im Kontrapunkt zupft: Ein gutes Beispiel für ihr außergewöhnliches Gitarrenspiel liefert sie im Song „Liar, Liar Pants on Fire“. Und bei jedem Songanfang wuselt sie auf der Gitarre herum. Es ist so, als ob sie Fragmente ihres Gitarrenhelden Jimi Hendrix zitiert, verdreht dabei aber völlig die Harmonien, variiert die Anschlagtechnik so, dass sie nahtlos von da in ihre Songs übergehen kann. Seit Minnie Marks zehn Jahre alt ist, spielt sie Gitarre, erste eigene Kompositionen macht sie seitdem sie zwölfeinhalb ist. Mit dabei wird schon eine eigene Bearbeitung des AC/DC-Klassiker „You Shook Me All Night Long“ gewesen sein. „Mal sehen wie es heute klingt, das Stück spiele ich mit am längsten“, verrät sie. Jedenfalls die Fans erkennen es irgendwann und singen den Refrain lauthals mit. Anja Broker kannte die Musikerin noch nicht: „Super, die Atmosphäre hier, und was die Sängerin macht, unglaublich.“

Dialog mit dem Publikum

Den Dialog mit dem Publikum lässt Minnie Marks nicht abreißen. „Cheers“, prostet sie ihm mit ständig gefüllten Bierbecher zu, wohl auch um das Timbre ihrer Stimme zu ölen. Nach Stücken wie „Jack in the Box“ und „Who Loves Ya Baby?“ geht’s auf die Zielgerade mit einem fetzigen „Voodoo and Honey“, als sie die Zuhörer nochmal, wie mit Zuckerbrot und Peitsche, zum Tanzen drängt. Zum Schluss gibt es eine eigene Bearbeitung von Jimi Hendrix’„And the Wind Cries Mary“, bei der die Gäste genau hinhören, bis sie das Original erkennen. Hannes Wallrich vom Organisationsteam sagt: „Wir sind schon in der Planung für unsere Folk-Festspiele im nächsten Jahr.“