Liedermacher Helmut Meier spielte in Rheinhausen

Martin Krampitz
Helmut Meier war mit Chansons und anderen Liedern zu Gast im Kom’ma-Theater Rheinhausen.
Helmut Meier war mit Chansons und anderen Liedern zu Gast im Kom’ma-Theater Rheinhausen.
Foto: WAZ FotoPool
Rheinhauser Sänger und Textschreiber Helmut Meier unterhielt sein Publikum im Kom’ma-Theater mit allerlei Nachdenklichem, Entspannendem, Romantischem aber auch Witzigem,

Duisburg-Rheinhausen.  Helmut Meier war wieder da. Der Liedermacher mit Rheinhauser Wurzeln, der vor neun Jahren nach Schleswig-Holstein zog, präsentierte sich bei seinem Gastspiel im Kinder- und Jugendtheater Kom’ma als Reisender. Wege, Lebenswege, Begegnungen, loslaufen und ankommen, suchen und finden, verbinden und trennen - das sind die Stichworte, die sein Programm „Eisbrecher“ markieren. Es sind dieselben Leitmotive, die vor 50/60 Jahren die US-Beat-Literatur eines Jack Kerouac oder eines William S. Burroughs aufgriff, die zehn oder 20 Jahre später dann in berühmte Folk- und Rocksongs Eingang fanden. Man denke nur an „On the road again“ von Canned Heat oder „The Passenger“, also „Der Reisende“, von Iggy Pop.

Mit 59 Jahren hat Helmut Meier als Mensch und Künstler viele Wege beschritten, viele Lebenswege gekreuzt, Lebenserfahrung und Menschenkenntnis gesammelt. Ein Teil davon findet sich in seinen komplett selbst geschriebenen Lieder wieder. Im „Wartelied“ beobachtet Meier in einem Straßencafé am Münchener Hauptbahnhof die Gäste, während er auf seinen Zug wartet: Den vornehmen Ober mit dem Fleck an seinem Jackett, das heftig küssende Paar, den zeitungslesenden Mann neben ihm, das stürzende, weinende Kind vor ihm. Alles Momentaufnahmen, die er aufmerksam wahrnimmt, kommentarlos, aber doch nachdenklich vorträgt. Es folgte sein sentimental-musikalischer Appell gegen die zeitgenössische Acht- und Lieblosigkeit: „Wenn dein Himmel alle Farben verliert/Wenn dein Weg dich ins Dunkel führt/Bist du traurig und fühlst dich allein/Ruf mich, ich werde bei dir sein.“

Frustrierten Zeitgenossen, denen im Alltag mal wieder alles misslingt, empfiehlt Meier, ganz ruhig zu bleiben: „Du musst nur dran glauben, Omm!!“ Die Zuhörer verstanden die Botschaft und stimmten in das Mantra ein „Omm!“ Danach bekannte Meier, dass er an die Kraft, die Wirkung seiner Lieder glaubt: „Früher dachte ich, sie werden die Welt verändern.“ Jetzt zeigte er sich bescheidener: „Wenn euch das eine oder andere Lied gefällt, verändert sich eure Herzfrequenz, euch geht es besser, der Blutdruck sinkt, alles ist wunderbar - dann habe ich die Welt schon ein kleines Stück verändert...“ Alles im Leben ist für Meier eine Frage der Einstellung: „Mein Geld wird nicht alle“ singt er selbstironisch und fordert gleich darauf sarkastisch: „Gebt mehr Geld für arme Banken/Die an Überschuldung kranken/Gebt mehr Kohle für die Bosse/Denn sonst landen sie in der Gosse/ wenn wird denen nix mehr geben/Wovon sollen die dann leben?“ Meiers Botschaft, scheinbar ohne Zeigefinger: Locker und entspannt, humorvoll und fatalistisch sieht die Welt schon gleich ganz anders aus...

„Durch und durch ein Mann“

Romantischer wurde es, als Meier von einer Verflossenen schwärmte: „Fremd waren wir nur, wenn wir grollten.“ Um seine aktuellen Bemühungen, beim weiblichen Geschlecht erfolgreich zu landen, ging es in „Herzkasper“: „Man gibt an/Man geht ran/ Mann ist durch und durch Mann.“ Das Lied „Kasper“ war dagegen nicht nur eine wehmütige Reminiszenz an einen langhaarigen, Gitarre spielenden Einzelgänger, sondern auch an Meiers Jugendzeit im Rheinhausen der 70er Jahre, „als alle Bands in Garagen probten.“ Das ganze Programm war nostalgisch, aber ohne Blick zurück im Zorn.

Damit es nicht zu ernst wurde, heiterte Meier sein Publikum mit kurzen Nonsense-Versen aus seinem sinnfreien „Fellbacher Amüsier-Gewerbe“ auf. Kostprobe: „In einer Bar/Saß ein Barbar/Und wartete auf Barbara/Er konsumierte Alkohol/Von abends sechs bis morgens vier/Als ich ihn fand /war er Barbier.“ Zum Schluss besang Meier eine der letzten männlichen Domänen: „Baggerfahren ist lustig, Baggerfahren ist schön“.

Nicht nur für diesen bekannten Gassenhauer aus seinem umfangreichem Schaffen spendete das kleine Rheinhauser Publikum, rund 60 Gäste waren ins Kom’ma-Theater gekommen, dem Liedermeier begeistert Beifall.

Der Liedermeier:
Helmut Meier
wuchs in Rheinhausen auf. Mit zwölf Jahren bekam er seine erste Gitarre. Seitdem singt und spielt er, seit 1981 als freischaffender Künstler. Das ehemalige Mitglied der Rheinhauser Rockband „El Shalom“ und Bühnenpartner des Kabarettisten Uli Masuth hat rund 2000 Auftritte in diversen Formationen und solo als „Liedermeier“ absolviert.

Besonders bekannt wurde Meier mit seinen Kinderliedern.