Krefelder Unternehmer will Geothermie-Kraftwerk bauen

Dieses Bohrgestänge hat schon ausgedient. In Arnsberg wurde bereits nach Erdwärme gesucht.
Dieses Bohrgestänge hat schon ausgedient. In Arnsberg wurde bereits nach Erdwärme gesucht.
Foto: NRZ
Die Proteste gegen den Bahnhof "Stuttgart 21" war Wolfgang Hoever eine Warnung: Der Unternehmer will ein Geothermie-Kraftwerk in Krefeld bauen. Doch statt sich über Proteste der Bürger hinwegzusetzen, will er sie miteinbeziehen. Das Kraftwerk soll nur entstehen, wenn die Bürger wollen.

Krefeld. Wolfgang K. Hoever hat im vergangenen Jahr ziemlich interessiert nach Stuttgart geschaut. Hat neugierig beobachtet, wie sich die Proteste um den unterirdischen Bahnhof entwickeln, wie die Bürger auf die Barrikaden gehen und wie die Politik darauf reagiert. Und eines hat Hoever gelernt: Wenn man ein Großprojekt angeht, dann muss es in Einklang mit den Bürgern geschehen. Darum ist er bemüht – im eigenen Interesse. Denn Hoever selbst hat Großes vor. Mit der Wärme und dem Strom eines Geothermie-Kraftwerks will er die Bürger in Krefeld und Umgebung versorgen. Aber nur, wenn sie es auch wollen.

Erlass zwingt zur Pause

Wolfgang K. Hoever selbst kommt aus der Gesundheitsbranche. Unter anderem betreibt er ein großes Gesundheitshaus in Krefeld. Und damit hat sein Faible für grüne Energie begonnen. Ende 2005 ist das Gesundheitszentrum in ein neues Domizil eingezogen, Hoever erstand ein denkmalgeschütztes Gebäude aus dem Jahr 1906. Hohe Decken, große Räume, mehrere Etagen – kurzum: Das Haus ist wunderschön, aber ein Energiefresser. Und weil Hoever nicht sein ganzes Geld, das er verdient, für die Strom- und Heizrechnung ausgeben will, suchte er nach einer günstigen Energieform und würde gern 5000 Meter unter der Erde fündig werden.

Hoever hat bereits viel in sein Vorhaben investiert, Geld und Zeit. Doch derzeit muss er die Hände still halten. Der Grund: Derzeit gibt es einen Erlass des NRW-Umweltministeriums, der die Erdgasgewinnung nach der sogenannten Fracking-Methode vorerst untersagt. Davon sind derzeit auch Geothermie-Bohrungen betroffen. Im September will die Landesregierung ein Gutachten zum Fracking vorlegen. Wie und ob dann die Erkenntnisse auf tiefe Geothermie-Bohrungen angewendet werden, bedarf noch der Klärung, hieß es auf Anfrage der NRZ aus dem das Umweltministerium. Hoever bleibt also nichts anderes übrig, als zu warten.

Geothermie-Kraftwerk könnte sechs Megawatt Strom und 25 Megawatt Wärme erzeugen

Ein Erlaubnisfeld hat er bereits. Es erstreckt sich über 357 Quadratkilometer zwischen Aldekerk, Moers, Viersen und Meerbusch. In diesem Feld kann er auf die Suche nach der richtigen Stelle für die Bohrung gehen. „Ideal wäre es, wenn es in der Nähe keine Wohnbebauung gibt“, sagt der Krefelder. Am liebsten würde er das Geothermie-Kraftwerk in seiner Stadt sehen. Damit könnten sechs Megawatt Strom und 25 Megawatt Wärme erzeugt werden. Das könnte für 2500 Privat-Haushalte reichen. „Und Geothermie ist komplett CO2-frei“, nennt Hoever einen Vorteil.

Allerdings birgt jede Bohrung auch ein Risiko. „Aber man muss sich fragen, was passieren kann“, sagt Hoever. „Und wenn etwas passiert: Ist das so schlimm?“ Das letzte Beben in der Krefelder Region vor einigen Monaten habe auf der Richterskala bei 4,2 gelegen, so Hoever. „Damals hat es keine Schäden gegeben.“ Zum Vergleich: In Basel, als es 2006 durch Erdwärme-Bohrungen zu mehreren Erdstößen gekommen war, wurden auf der Richterskala Erschütterungen von 3,2 gemessen. „Es gab dort einen Durchschnittsschaden von 800 Schweizer Franken“, meint Hoever. Das entspricht in etwa 650 Euro. Will heißen: Ein Schaden, der verkraftbar ist. Hoever ist zu dem Thema mit verschiedenen Versicherungen im Gespräch.

Jeder Krefelder soll seinen Beitrag leisten

Ebenso wie mit den Bürgern. Der Gesundheitsmanager hat bereits eine öffentliche Versammlung mit Experten abgehalten, um die Menschen und Politiker in der Stadt zu informieren. „Ich möchte auch weiterhin die Bürger beteiligen“, sagt der Krefelder. Er sieht bei der Energiewende jeden Einzelnen in der Pflicht. Jeder solle das beitragen, was er kann. „Es geht nicht ohne unseren Beitrag“, sagt der Unternehmer. Für ihn ist es das geplante 60-Millionen-Projekt.