Konzert mit Cembalo und Gitarre in Duisburg-Rheinhausen

Detlev Bork spielte zusammen mit Ludger Morck in Christus König.
Detlev Bork spielte zusammen mit Ludger Morck in Christus König.
Foto: NRZ
Das Duo Cembalo und Gitarre gibt es in den Konzertsälen eher selten zu hören. 150 Zuhörer bekamen diese musikalischen Rarität in Christus König geboten von Ludger Morck und Detlev Bork.

Duisburg-Rheinhausen.  Wie gut Cembalo und Gitarre zueinander passen, diese beiden Zupfinstrumente miteinander klingen, sich virtuos und harmonisch umspielen und ergänzen - das war die Entdeckung des Abends. Denn die Kombination von Cembalo und Gitarre gibt es in den Konzertsälen eher selten zu hören. So eine musikalischen Rarität bekamen die rund 150 Zuhörer der Freitagsmusik in der Pfarrkirche Christus König geboten. Und sie wussten die ungewohnten Klänge, die es so nur bei der beliebten Konzertreihe in Bergheim zu hören gibt, zu schätzen: Ludger Morck (Cembalo und Orgel) und Detlev Bork (Konzertgitarre) erhielten nicht nur viel Zwischenapplaus sondern auch einen donnernden Beifall nach dem letzten Akkord.

Das hat nicht nur mit dem perfekten Zusammenspiel der beiden Instrumentalisten zu tun, die sich schon „seit dem letzten Jahrtausend“ kennen. Es hat auch etwas mit ihrem vielseitigen Repertoire, der Auswahl ihrer Stücke zu tun, die den Bogen vom 18. bis ins 21 Jahrhundert spannten. Die musikalische Zeitreise begann im Barock, mit der Sonata D-Dur von Tommaso Giordani (etwa 1730-1806). Der Italiener stammte aus einer Musikerfamilie aus Neapel. Vom Süden reiste der Komponist mit einer Operntruppe nach Norden über Graz, Frankfurt, Amsterdam nach London. Dort und in Dublin feierte er mit seinen Werken viele Erfolge. Sein reichhaltiges Oevre mit mehr als 20 Opern, hunderten Kanzonetten, Liedern und Kantaten, dazu Kammermusik Werken für Orchester und Klavier wurden teils zu Lebzeiten veröffentlicht. Wer die Sonata D-Dur mit dem „Larghetto“ und dem „Allegro“ hörte, erkennt, warum man Giordani einen Vertreter des „gepflegten, galanten Stils“ nennt.

Wesentlich moderner, aber auch komplexer kam „With Britten in mind - a centenary overture des englischen Gitarristen und Komponisten Vincent Lindsey-Clark daher (1956- ), das Detlev Bork auf seinen Gitarrensaiten zum Klingen brachte. 2013 jährte sich zum 100. Mal der Geburtstag des berühmten britischen Komponisten Benjamin Britten. Detlev Bork hatte die Idee, Britten zu seinem Jahrhundert ein Konzert zu widmen, Vier Komponisten, darunter Lindsey-Clark, schrieben Bork dann Stücke für dieses Konzertprogramm, das am 29. Oktober 2013 uraufgeführt wurde. Dann wieder ein Zeitsprung zurück in die Klassik, Carl Maria von Weber (1786-1826) legte sein „Divertimento assai facile per la Chitarre ed il Pianoforte opus 38“ - wie der italienische Titel schon sagt, als Stück für Gitarre und Klavier an, zumal das Cembalo zur Entstehungszeit 1816/17 als nicht mehr modern galt. Stattdessen präsentierten Morck und Bork eine reizvolle Version für kleine Orgel und Gitarre. ein gefälliges, schönes Musikstück mit „Andante con moto“, einem Walzer, „Andante con variazioni“ und „Polacca“. Die unterschiedlichen Instrumente veränderten etwas die Stimmung und Wirkung an bestimmten Stellen, so wie immer bei Transkriptionen. Und wieder ein Sprung nach vorn in der Musikgeschichte. Detlev Bork brachte solo auf seinen Saiten mit andalusischem Flamenco-Flair die „Arroyos de la Alhambra -Recuerdos de mi jardin“ des spanischen Gitarristen Angel Barrios (1882-1964) zum Klingen. Darin beschreibt Barrios musikalisch die „Bäche der Alhambra“ und eine „Erinnerung an meinen Garten“. Naturbeschreibungen mit lautmalerischen Tönen waren im 19. und frühen 20. Jahrhundert beliebt.

Das große Finale
Zum großen Finale
kamen Morck und Bork noch einmal auf der Bühne zusammen, intonierten auf Cembalo und Gitarre gemeinsam die Sonata für Gitarre und Cembalo, komponiert vom mexikanischen Tonsetzer Manuel M. Ponce (1882-1948). Das Stück ist in seiner Tonsprache interessant, spannend und vielfältig. Durch die Klänge von Gitarre und vor allem Cembalo inspiriert, denkt der Zuhörer an Musik aus dem Barock, wird aber durch Melodie- und Stimmführung und variable Harmonisierung ins 20. Jahrhundert zurück geholt.
Da gibt es auch
Anklänge an Folklore, wobei das Leitmotiv an die Melodie von Simon and Garfunkels „Scarborough Fair“ erinnert. Als Zugabe spielte das Duo ein Werk des Komponisten Luigi Rodolfo Boccherini (1743-1805). Stehender Applaus.

 
 

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