Köstliche Zukunft im Friemersheimer Dorf

„Was die Region bietet, bringen wir auf den Teller“: Küchenchef Tim Patrick Lellau in seiner neuen Wirkungsstätte in Friemersheim. Foto: Lars Fröhlich
„Was die Region bietet, bringen wir auf den Teller“: Küchenchef Tim Patrick Lellau in seiner neuen Wirkungsstätte in Friemersheim. Foto: Lars Fröhlich
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Das Traditionsrestaurant Schumachers in Friemersheim hat einen neuen Küchenchef. Er soll bald den Betrieb übernehmen.

Rheinhausen-Friemersheim.. Es gehört zu den historischen Bauten im Friemersheimer Dorfkern und ist weit darüber hinaus bekannt: Die Restauration Schumachers. In der wechselhaften Geschichte des im Jahr 1827 erbauten Stammhauses der Rheingold-Brauerei soll nun ein weiteres Kapitel aufgeschlagen werden. Denn Karlheinz Schulz, der das Traditionslokal in der dritten Generation führt, sucht schon lange nach einem Nachfolger. Dieser ist nun gefunden: Der 31-jährige Tim Patrick Lellau soll es werden. Zunächst arbeitet er jedoch für Schulz als neuer Küchenchef. „Mit ihm streben wir die vierte Generation an“, sagt Schulz. Die Nachfolge sei nur noch eine „Frage der Formalitäten“, ansonsten stehe ihr aber nichts mehr im Wege. „Diese Lösung ist super.“

Um es vorweg zu nehmen: Große Umwälzungen müssen die Fans des beliebten Ausflugslokals nicht befürchten, denn Lellau ist vollends überzeugt von dem Konzept, dass Schulz zusammen mit Partnerin Ute Joest seit 1991 umsetzt. „Ich liebe die regionale Küche“, sagt der Koch, der in Homberg aufgewachsen ist.

„Wir bieten gutbürgerliche Küche ohne Hamburger und Pommes, die sterneträchtig ist.“ Produkte bezieht das Restaurant von kleinen speziellen Händlern aus der Region, Inhaber Schulz fährt dafür noch selbst zu den Bauern. „Wir verzichten auf Geschmacksverstärker. Wir wollen keine Massentierhaltung.“ Er setzt zum Beispiel auf alte einheimische Schweinerassen. „Ich bin außerdem gegen die Standardisierung des Geschmacks und die Industrialisierung der Lebensmittel, denn davon werden die Menschen krank.“

Weg über Sterneküche und gute Hausmannskost

In der Branche ist Lellau längst kein Unbekannter mehr, er ist seit rund zehn Jahren Küchenchef und schon weit herumgekommen, seitdem er sein Handwerk in Berliner Sterneküchen lernte: Es zog ihn mitunter nach London, ins Elsass und in den Schwarzwald. Er arbeitete im Schwarzen Adler am Kaiserstuhl und zuletzt im Willicher Kaiserhof. „Entdeckt habe ich meine Liebe zum Kochen während meiner Schulzeit als Küchenhilfe im Haus Rheinblick in Baerl.“ Diese Liebe ist bis heute geblieben und sein Weg zum Schumachers führte nicht nur über Sterneküche, sondern auch über gute Hausmannskost, seine „Bibel“ ist das Kochbuch des französischen Meisterkochs Auguste Escoffier. „Aber mein Lieblingsgericht sind Frikadellen – das sage ich meistens aber nicht zu laut“, lacht er. Seine Gäste dürfen jedoch einiges von ihm erwarten, er möchte weiterhin kreativ mit Lebensmitteln arbeiten und hat schon einige Visionen: Hausgemachter Blechkuchen an Sonntagen, leichte Küche mit hauseigenen Kräutern und Salaten. „Ich plane verschiedene Aktionen und ordentliche Überraschungen.“ Noch verrät er nichts, aber im Sommer gehört ein Smoker-Grill dazu.

Qualität hat ihren Preis

„Was die Region bietet, bringen wir auf den Teller.“ Für diese Jahreszeit heißt das: „Sobald der erste Spargel von den Feldern kommt, steht er mit auf der Karte.“ Darauf steht derzeit Kaninchenkeule, Rinder- und Zanderfilet sowie Lammrücken. Qualität hat jedoch ihren Preis, das günstigste Hauptgericht kostet 19,50 Euro. Dafür erfüllt Lellau mit seiner Küchencrew aber auch gerne Sonderwünsche, etwa für Allergiker.

Wenn er dann bald Chef und nicht bloß Küchenchef ist, plant der Familienvater seine Ehefrau Sandra ebenfalls in den Betrieb zu holen; auch sie ist gelernte Köchin und arbeitet als Feinbäckerin – die Familie Lellau verheißt dem preisgekrönten Schumachers eine köstliche Zukunft.

 
 

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