Kinderarmut erschreckend hoch

Arme Kinder haben oft schlechtere Chancen auf einen guten Bildungsabschluss. Sie sind stärker in ihrer körperlichen, gesundheitlichen Entwicklung eingeschränkt, wohnen in schlechteren Wohnverhältnissen und sind von der sozio-kulturellen Teilhabe weitgehend ausgeschlossen. Sie weisen häufiger Defizite in ihrem Spiel- und Arbeitsverhalten sowie in ihrer Sprachkompetenz auf. Und sie sind weniger in soziale Netzwerke eingebunden als die meisten anderen Kinder hierzulande. Zu diesen Ergebnissen kommen der Deutsche Kinderschutzbund und andere Experten.

In Duisburg ist die Kinderarmut überdurchschnittlich hoch, 29 Prozent der unter 15-Jährigen gelten als arm, bundesweit sind es 15 Prozent. Diese Zahlen nannte Jasmin Borgstedt, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt beim Jobcenter Duisburg, bei einer Mitgliederversammlung der SPD Rumeln-Kaldenhausen. Rund 20 interessierte Bürger kamen dazu ins Awo-Begegnungszentrum an der Kapellener Straße.

Die Referentin fokussierte sich in ihrem Vortrag auf die Rahmenbedingungen, die sozialen Eckdaten von Kinderarmut in Duisburg. Betroffen sind auch in dieser Stadt vor allem Familien und Alleinerziehende, die entweder arbeitslos sind oder in einem prekären Beschäftigungsverhältnis arbeiten, vorwiegend sind es Frauen. Diese Eltern, die als Grundsicherung Hartz IV, können ihren Kindern oft nicht das bieten, wie Eltern, die über ein gutes Einkommen verfügen. 62 Prozent der Alleinerziehenden sind langzeitarbeitslos, nur 26 Prozent haben ein Erwerbseinkommen, die meisten in Mini-Jobs. „Besonders Alleinerziehende leben in nicht ausreichenden Einkommensverhältnissen“, stellte Borgstedt fest: „Für Alleinerziehende muss sich die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung finanziell lohnen.“

Die Referentin nannte ein weiteres Hindernis für die Chancengleichheit der Alleinerziehenden und ihrer Kinder: „Bei der Betreuung von Kindern von Alleinerziehenden hinkt die Stadt Duisburg Städten wie Essen oder Krefeld stark hinterher.“ Als Beispiel nannte sie den Nachholbedarf bei der U3-Betreuung: „In Duisburg liegt die Ganztags-Betreuungsquote bei 7,4 Prozent, NRW-weit liegt sie bei 12,7 Prozent.“ Die Betreuung in Kindergarten sei für Hartz-IV-Bezieher zwar kostenlos, grundsätzlich seien die Gebühren in Duisburg aber überdurchschnittlich hoch: „Duisburg erhebt sehr hohe Gebühren für die Kinderbetreuung - obwohl die Zahl der Langzeitarbeitslosen hier besonders hoch ist. Die Arbeit der Alleinerziehenden muss aber durch eine auskömmliche Kinderbetreuung flankiert werden.“

Beratung und Kurse

Das Jobcenter hat festgestellt, so Borgstedt: „22 Prozent der Alleinerziehenden haben keinen Schulabschluss, 52 Prozent einen Hauptschulabschluss, immerhin 17 Prozent beenden die Schule mit der Fachoberschulreife.“ Weiteres Problem: 74 Prozent der Alleinerziehenden hätten keinen Ausbildungsabschluss. Daher unterstütze das Jobcenter Alleinerziehende mit Beratung, Kursen, Arbeitsmitteln, Fahrtkosten, Eingliederungszuschüssen und Betreuungskosten von 130 Euro pro Kind und Monat. Das Jobcenter Duisburg und die zuständigen Ämter täten alles, um den bedürftigen Menschen zu helfen, so Borgstedt. Neben der Regelleistung Hartz IV gibt es bei Bedarf einmalige Geld- und Sachleistungen, Mehrbedarfe für Personen mit besonderen finanziellen Belastungen sowie Leistungen bei Mehrbedarf für Alleinerziehende.

 
 

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