Jeder Euro ist präventiv angelegt

Martin Krampitz
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Duisburg. 60 Jahre offene Kinder- und Jugendarbeit in Duisburg. 60 Jahre Friede, Freude, Eierkuchen? Das würde auch Jugendamtsleiter Thomas Krützberg so nicht unterschreiben.

Trotzdem kann sich die Bilanz der guten Taten sehen lassen. 1952 wurde in Marxloh das Jugendheim der Offenen Tür an der Marienstraße, wenig später das Jugendzentrum Mühle in Friemersheim eröffnet. Seitdem wurden Hunderttausende Kinder und Jugendliche in Duisburg in ihrer Freizeit von Hunderten Pädagogen betreut. Heute bieten 39 Jugendzentren - 22 freie und 17 städtische - jährlich rund 8500 Kids in dieser Stadt Spiel und Spaß, Betreuung und Bildung. Krützberg besuchte am Freitag das Haus der Jugend in Rheinhausen, 1962 eröffnet. Dort feierten die Kids das 60-jährige Jubiläum mit einem bunten Karnevalsfest.

Wichtige Arbeit fürs soziale Gleichgewicht

Seitdem die ersten Jugendzentren in Duisburg in Zeiten des Wirtschaftswunders ihre Pforten öffneten, hat sich in der Kinder- und Jugendarbeit viel getan: „Ich finde, was in den Häusern der offenen Kinder- und Jugendarbeit läuft, hat sich deutlich gewandelt. Früher wurde vorwiegend gekickert, gebastelt, Tischtennis oder Fußball gespielt.“ Das gehört auch heute noch zum Programm in Jugendzentren. Aber freie und städtische Jugendtreffs sind heutzutage nicht mehr reine „Bespaßungsinstitutionen“, sondern auch Einrichtungen mit sozialpädagogischer Betreuung, stellt Krützberg fest: „Hier finden die Kids Ansprechpartner für ihre gesamte Problempalette.“ In allen Jugendzentren werden Beratungsstunden des Allgemeinen Sozialen Dienstes angeboten. „Kinder und Jugendliche finden hier einen vertrauen und geschützten Raum. Das tut ihnen gut.“

Die Mitarbeiter des Jugendamtes leisteten mit diesem Angebot eine „enorm wichtige Arbeit für das soziale Gleichgewicht.“ Hintergrund: „Heute bekommen viele Kinder und Jugendliche aus sozialen Problemlagen keine Hilfe mehr, auch nicht aus ihren Elternhäusern.“ Diese Lücke schließe vielfach die offene Kinder- und Jugendarbeit. „In diesen Einrichtungen können sich Kinder und Jugendliche integrieren und austauschen, über die eigene soziale Schicht hinaus. Hier kann gespielt werden, unabhängig von Herkunft, sozialem Hintergrund oder Altersklasse.“

Keine der 39 Einrichtungen wird geschlossen

In diesem Sinn ist für Krützberg jeder Euro in der offenen Kinder- und Jugendarbeit präventiv angelegt: „Jeder Euro hilft, soziale Notlagen aufzufangen.“ Dafür fließen in Duisburg jährlich elf Millionen Euro Zuschüsse an freie und städtische Träger. „Die Kinder- und Jugendarbeit hat in Duisburg einen hohen Stellenwert“, betont der Leiter des Jugendamts. „Im Gegensatz zu allen anderen Kommunen im Ruhrgebiet mussten wir in Duisburg keine Einrichtung schließen“, sagt Krützberg nicht ohne Stolz. „Wir haben sogar einige Einrichtungen neu aufgemacht, wie die Jugendtreffs „Café Einstein“ in Neumühl oder die „Hafenkids“ in Ruhrort“.

Man müsse aber auch kritisch feststellen: „Auch in der Kinder- und Jugendarbeit muss gespart werden.“ Das Jugendamt müsse dem Rat der Stadt ein Sparkonzept vorlegen. „Wie das aussieht, wissen wir heute noch nicht.“ Es soll in den nächsten Jahren zwar definitiv keine der 39 Einrichtungen geschlossen werden, betont Krützberg. Doch seit zweieinhalb Jahren stimmen sich freie und städtische Jugendzentren in regelmäßigen Konferenzen über ihr Angebot ab - einerseits, um doppelte oder dreifache Angebote zu vermeiden, andererseits aber auch um sich zu vernetzen, auszutauschen, abzustimmen und voneinander zu lernen.