Internationale Spitzenklasse

Foto: hannelore zapf

Das war internationale Spitzenklasse, was sich bei der Freitagsmusik an Christus-König abspielte. Organisator Ludger Morck hatte den Ausnahmebratschisten Semjon Kalinowsky aus Lübeck eigentlich im Zusammenspiel mit der Hamborner Kantorin und Organistin Tiina Hencke für dieses Konzert „Viola und Orgel“ eingeladen. Aufgrund eines Trauerfalls musste Hencke den Termin absagen – also spielte Ludger Morck selbst die Orgelparts: „Ich hatte etwa eine Woche Zeit, mir schwierigste Literatur mal eben draufzuziehen“, schmunzelt er, „und das alles noch während der Einweihung des neuen Pfarrheims und Kindergartens in dieser Woche.“

Das Konzert sollte nicht ausfallen, denn Semjon Kalinowsky hatte viele spezielle, unbekannte Werke mitgebracht: „Es gibt ja überhaupt sehr wenige Stücke für Orgel und Viola. Das ist eigentlich unverständlich, denn die Viola nimmt den warmen Klang der Orgel wunderbar auf, und entwickelt ihn durch ihre weiche Stimme weiter“, meint Kalinowsky, der vorzugsweise mit dem Trio Arpeggione durch Europa tourt, dabei viele Stücke „aus dem Biedermeier“ interpretiert.

Feinste Betonung

Schon in der „Sonate g-moll“ von Henry Eccles kreiste sein Bogen über das Saiteninstrument, und es war wirklich so fortan, als ob Semjon Kalinowsky, mit seiner Spielart, das perpetuum mobile neu erfinden wollte – ohne Abzusetzen spielte der Ukrainer mit feinster Betonung, erzeugte eine Gegenschwingung des Instruments, die ihm wieder neuen Antrieb für die nächste zu interpretierende Passage zu geben schien. Im Präludium aus der Suite op. 166 von Joseph-Gabriel Rheinberger griffen Morck und Kalinowsky jeweils die Vorgabe des anderen brillant auf und verwoben ihr Spiel auf wunderbare Weise miteinander, teilweise in Dialogform, teilweise auf Solopfaden nebeneinander, mit einem krassen Tonartwechsel an der Orgel zum Ende hin.

Ludger Morck zeigte seine Spielfertigkeit darauf in den Variationen „Thema Variata“ Meditationen für Orgel, op. 167 des Münchner Komponisten, Kalinowsky glänzte im Solostück „Adagio“ von Johann Sebastian Bach, erschuf dabei polyphone Klangwelten, die er dann kurz wie Paganini über die vier Saiten hastend, dem großen Leipziger Kompositionsmeister zueignete - in Form eines Klanggewitters vor dem großen Gewitter außerhalb der Kirche.

Das Concerto von Antonio Vivaldi hatte einen hohen Sequenzreichtum, fröhliche und langsame Passagen wechselten ab und eine höfische Festlichkeit ergriff die etwa 60 Zuhörer: Zum Ende hin wurde der Auftritt zu einem musikalischen Feuerwerk – die in die schwüle Kirche gekommenen Musikfans lauschten allerdings zwangsweise auch dem weithin hörbaren Donnern des Hafenfest-Feuerwerks sowie dem anschließendem Gewittergrollen...

 
 

EURE FAVORITEN