Homberg, ein Leben lang

Daniel Cnotkaund Carl Korte
Viktor Waamelink und sein geliebter Rhein. Das Foto entstand Anfang des Jahres auf der Terrasse des Hotels Rheingarten
Viktor Waamelink und sein geliebter Rhein. Das Foto entstand Anfang des Jahres auf der Terrasse des Hotels Rheingarten
Foto: WAZ-Fotopool
Viktor Waamelink hat die Stadt im Grünen geliebt, alles über seine Heimat gesammelt, viel geschrieben und noch viel mehr zu erzählen gewusst.

Begegnungen mit Viktor Waamelink, dem jüngst 90-jährig verstorbenen Homberger Heimatforscher, liefen stets irgendwie ähnlich ab. Telefonische Absprache, meist ein Erinnerungsanruf von ihm, dann Treffen im Hotel Rheingarten. Ganz wichtig war der Platz am Fenster, um auf den Rhein sehen zu können. Ins Hotel-Restaurant brachte Waamelink stets sein Archiv mit, beziehungsweise lediglich einen winzigen Teil seiner Homberg-Sammlung, der selbstverständlich immer noch jeweils eine stattliche Aktenmappe füllte.

Wer mit Waamelink sprach, musste Zeit mitbringen. Und so platt es vielleicht klingen mag, nach dem Gespräch setzte eine gewisse Wehmut oder Sentimentalität ein. Der Mann erzählte spannend, wusste nahezu alle über seine Stadt und stellte eines immer wieder klar: „Nein, früher war eben nicht alles besser.“ Seine Bücher wie „Der vergessene Krieg“, zeigen, wie es im 2. Weltkrieg in Homberg und auch anderswo aussah. Verklärung der damaligen Ereignisse kommt da mit Sicherheit nicht auf.

Was noch? Familie, Sport, Karneval

Viktor Waamelink hat seine Heimatstadt nie verlassen, lediglich zum Arbeiten war er jahrzehntelang über die Brücke nach Ruhrort gefahren, um dort in leitender Funktion in einer Schiffswerft zu arbeiten. Was gab es außer der Vorliebe für Geschichte noch? Sport bis ins hohe Alter, gerne Handball und Schwimmen, die Familie, klar, und den Karneval. Etliche Jahre stand er für das jecke Tun des Kolping-Karnevals.

Nach kurzer Krankheit ist Viktor Waamelink gestorben, ein knappes halbes Jahr nach seinem 90. Geburtstag. Lediglich eine Kleinigkeit war mir in den Jahren dann doch etwas unangenehm: Im Haus Rheinblick wollte er immer die Getränke-Rechnung bezahlen, „Sie sind mein Gast.“ Einmal ist es mir dann aber doch gelungen, mich zu revanchieren.

Die Redaktion behält ihn in allerbester Erinnerung. Wo um alles in der Welt bekommen wir jetzt nur die tollen Anekdoten aus Homberg her? Viktor Waamelink hinterlässt eine riesige Lücke. Mit ihm und auch mit Franz Gerd Gehnen – der Archivar des Freundeskreises Historisches Homberg starb Anfang Juli – gehen der Stadt bedauerlicherweise die Historiker aus...

Reinhard Stratenwerth vom Freundeskreis Historisches Homberg ist ein langjähriger Wegbegleiter von Viktor Waamelink, sagt: „Er war unser einziger Ehrenvorsitzender und das erste Mitglied nach den sieben Gründungsmitgliedern. Er hielt lange Jahre immer Vorträge über seine historischen Forschungen im Kulturzentrum an der Augustastraße.“ Der mentale Eindruck auch im hohen Alter, so Reinhard Stratenwerth, sei der eines jungen Mannes gewesen. „Wenn man mit ihm telefonierte, dann klang die Stimme klar und lebhaft.“