Fressnapf baut Import-Lager auf Rheinhauser Logport-Areal

Bisher ragen noch nicht alle benötigten 12,10 Meter hohen Stahlstützen in den blauen Himmel über dem Logport-Gelände. In sieben Wochen sollen 298 Stützen stehen, Anfang Dezember soll das Importlager an der Europallee fertig sein.
Bisher ragen noch nicht alle benötigten 12,10 Meter hohen Stahlstützen in den blauen Himmel über dem Logport-Gelände. In sieben Wochen sollen 298 Stützen stehen, Anfang Dezember soll das Importlager an der Europallee fertig sein.
Foto: Fabian Strauch
Nach dem Aus für den Logistiker Talke zieht die Heimtierbedarfs-Kette Fressnapf mit ihrem zentralen Importlager auf das Logport-Gelände.

Duisburg-Rheinhausen. Wer an der Rheinhauser Europaallee das Krupp- und Logport-Denkmal am ehemaligen Tor 1 passiert hat, sieht auf der linken Seite schätzungsweise mehr als ein gutes Dutzend Stahlstützen. In rund sieben Wochen sollen hier exakt 298 dieser Stützen stehen. Ein Besuch auf der Baustelle des Heimtierbedarf-Riesen Fressnapf, der auf dem Logport I-Areal eine der letzten verfügbaren großen Freiflächen mit seinem zentralen Importlager belegen wird.

In einem beigefarbenen Baucontainer sitzen Logistik-Projektleiter Christian Buschmann und Bauleiter Jan Steffen Meyering vom Generalunternehmen Goldbeck. „Wir sind voll im Zeitplan“, sagen beide. Nach dem ersten Spatenstich am 2. Juni würden aktuell die 12,1 Meter hohen Betonfertigteile montiert, es folgen das Stahltragwerk, die Dachbleche, dann kommen die Fassade und schließlich der Innenausbau. Ende November, Anfang Dezember soll das Lager in Betrieb gehen.

In der insgesamt 12,20 Meter hohen Halle bringt die Fressnapf-Gruppe auf einer Fläche von 31.000 Quadratmetern – das entspricht mehr als vier Fußballfeldern - sein zentrales Importlager unter. Das heißt, hier landen aus Nordamerika oder Asien sämtliche sogenannte Non-Food-Artikel von der Hundeleine bis zum Katzenklo.

Von der Europaallee aus kommt der Tierbedarf über weitere Lager in Krefeld, Feuchtwangen und Passau in die insgesamt 1400 Läden (860 davon in Deutschland) in elf europäischen Ländern. „Wir rechnen am Standort Duisburg mit täglich etwa 50 bis 80 Lkw-Fahrten“, so Buschmann.

Der Projektleiter spricht beim Standort Rheinhausen von einem „höchsten strategischen Wert“, das Logport-Terminal sei in direkter Nähe, der Hauptsitz Krefeld lediglich eine Ausfahrt vom neuen Lager entfernt. Mit der Hafen AG habe man in stetigem Kontakt gestanden, dort habe man bereits länger vom Begehr Fressnapfs gewusst. Als das Gelände wieder frei wurde, sprich, als sich der Logistiker Talke nach massiven Bürgerprotesten von seinen Plänen für ein Gefahrstofflager verabschiedet hatte, sei man sich mit dem Verpächter Hafen AG einig geworden, erklärt Buschmann.

Gelagert und verteilt würden laut Aussage der Fressnapf-Gruppe am Standort Logport 1 neben den genannten Non-Food-Artikeln auch Futtermittel. Diese hätten mit Gefahrstoffen allerdings nichts gemein, dürften gelagert werden wie Hundehalsbänder oder Körbchen auch. Fressnapf zieht in das Lager übrigens als Mieter ein, Bauherr ist der international agierende Immobilienkonzern Goodman, der das Projekt für rund 18 Millionen Euro hoch zieht.

Marktführer beim Heimtierbedarf

Fressnapf, Jahresumsatz: 1,8 Milliarden Euro, befindet sich auf Expansionskurs, das Import-Wachstum wird für die kommenden drei Jahre mit 15 bis 20 Prozent prognostiziert.

Daher wird das für mindestens die kommenden zehn Jahre ausgelegte Lager auch erst nach und nach voll ausgelastet sein. Für den Anfang sei ein Zwei-Schicht-Betrieb geplant. Später oder zum Weihnachtsgeschäft dürfe man den Betrieb auch 24 Stunden betreiben. „Zum Start stellen wir 50 bis 100 Mitarbeiter neu ein, später sollen es einmal um die 150 Mitarbeiter sein“, berichtet Buschmann. Gesucht werden neben kaufmännischen Mitarbeitern, unter anderem einem Teamleiter, auch Kräfte für die Arbeiten im Lager. „Das können auch ungelernte Kräfte sein oder Quereinsteiger, für die entsprechende Qualifizierung sorgen wir.“

Beim Heimtierbedarf ist Fressnapf Marktführer, als Konkurrenten gelten im stationären Handel „Das Futterhaus“ und im Onlinehandel „Zoo Plus“. Dass die Branche Tag Jahr für Jahr zulegt, liegt laut Fressnapf-Sprecher Kristian Peters-Lach neben der steigenden Zahl an Haustieren insgesamt unter anderem daran, dass Haustiere längst zu Familienmitglieder geworden sind (siehe auch Info-Kasten links). „Früher hat der Hund das Haus bewacht und war draußen, heute bekommen viele Tiere Premium-Futter.“

In den Fressnapf-Büros sind Hunde übrigens ebenso wie Aquarien mit Zierfischen ausdrücklich erlaubt. Der Grund, warum Christian Buschmann aktuell kein Haustier hat: „In den Büros gibt es ja einige, da brauche ich gar kein eigenes mehr...“

Die Deutschen und ihre Haustiere

Laut Zahlen des Industrieverbandes Heimtierbedarf leben aktuell rund 12,9 Millionen Katzen in 22 Prozent der deutschen Haushalte. Zu den insgesamt 30 Millionen Heimtieren (ohne Zierfische und Terrarientiere) gehören auch 7,9 Millionen Hunde in 16 Prozent der Haushalte, 5,1 Millionen Kleintiere (in sechs Prozent) und 4,2 Millionen Ziervögel in drei Prozent der Haushalte.
In 29 Prozent
der Ein-Personen-Haushalte, so sagen es die Zahlen, lebt mindestens ein Heimtier, 38 Prozent der Zwei-Personen halten Heimtiere und 33 Prozent der Haushalte mit drei und mehr Personen. Insgesamt besitzen 43 Prozent aller Haushalte in Deutschland ein Heimtier. 58 Prozent aller Familien mit Kindern haben Heimtiere und in 19 Prozent aller Haushalte mit Tieren gibt es mindestens zwei davon.
Die Fressnapf-Gruppe
mit Sitz in Krefeld wurde 1990 von Inhaber Torsten Toeller in Erkelenz gegründet und hat laut eigener Angabe aktuell 10.000 Mitarbeiter.

 
 

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