Erste Roma müssen ausziehen

Oliver Kühn
„Ich möchte das Viertel von der bisherigen Art der Vermietung befreien“, sagt Branko Barisic. Auch dieses Hochhaus soll bald geräumt werden.
„Ich möchte das Viertel von der bisherigen Art der Vermietung befreien“, sagt Branko Barisic. Auch dieses Hochhaus soll bald geräumt werden.
Foto: Stephan Eickershoff / WAZ FotoPool
Hauseigentümer Branko Barisic räumt besetzte Wohnungen an der Beguinenstraße. Weitere sollen folgen. Auch das sogenannte „Problemhaus“ In den Peschen soll bald leerstehen.

Duisburg-Rheinhausen. Seit Monaten kursiert das Gerücht in Bergheim. Wirklich daran geglaubt hatte inzwischen schon fast niemand mehr. Branko Barisic macht Nägel mit Köpfen. Ihm gehören das von Roma bewohnte Hochhaus In den Peschen 3-5 sowie benachbarte Immobilien an der Beguinenstraße. Er ließ jetzt ein von Roma besetztes Haus (Beguinenstraße 1) räumen, die übrigen Häuser sollen bald folgen.

„Ich möchte das Viertel von der bisherigen Art der Vermietung befreien“, sagt er. „In der Beguinen-straße gab es keine Mieter. Die Wohnungen waren besetzt.“ Die Wohnungen genutzt, ohne einen Cent dafür zu bezahlen.

Auch die Beguinenstraße 3 sei unberechtigt bewohnt. Dort fliegen die Roma aber nicht sofort raus. „Das hat moralische Gründe“, sagt der Geschäftsmann und zeigt Herz. „Da leben viele Familien mit Kindern, und bald ist ja Weihnachten.“ Geduldet würden sie bis Februar, aber dann sollen auch sie ausziehen.

„Problemhaus“ ist Eigentümer schon lange ein Dorn im Auge

Ebenso Hunderte Roma, die derzeit in dem Peschen-Hochhaus leben. Auch sie müssen sich dann eine neue Bleibe suchen, denn sämtliche Mietverträge laufen zum 31. Dezember aus. „Den meisten ist ja völlig wurscht, wo sie wohnen. Sie wollen die Vorteile unseres Sozialstaates genießen. Dazu müssen sie nicht in Bergheim leben.“

Die Situation rund um das sogenannte „Problemhaus“ ist Eigentümer und Rotlichtgröße Barisic schon lange ein Dorn im Auge: „Ständig beschweren sich die Nachbarn, und in der Öffentlichkeit bin ich einen Leidensweg gegangen.“

Dass man ihm dauernd unterstelle, notleidende Roma aus Profitgier abzuzocken, sei ein Grund gewesen, dass er jetzt durchgriff. „Ich nehme lieber einige Monate Leerstand in Kauf.“ Doch auch finanzielle Gründe gibt es: Etwa 800.000 Euro sollen ihn die Probleme rund um seine Bergheimer Immobilien bereits gekosten haben.

Verein „Zof“ unterstützte die Aktion

Die Räumungsaktion hat der Integrationsverein „Zukunftsorientierte Förderung“ (Zof) begleitet und im Vorfeld die Bewohner mit Dolmetschern darüber informiert: „Die Aktion war die beste Lösung. Die Betroffenen waren alles Leute, die über Nacht gekommen sind und die Türen aufgebrochen haben.“

Integrationswillige Familien hätten noch über zwei Monate Zeit, sich auf ihren Umzug einzustellen. Dass dann auch das Hochhaus geräumt werden kann, bezweifelt Aksen noch. Er vertraut aber darauf, dass es für Härtefälle humane Lösungen gibt. So sei es jetzt auch bei der ersten Räumung gewesen: Eine Familie mit neun Kindern sei zunächst ins benachbarte Hochhaus umgezogen.

Derzeit laufen Gespräche mit der Stadt, ob sich Ersatzwohnungen für die Roma finden lassen. Barisic: „Wenn die Stadt oder Gebag 80 freie Wohnungen haben, ist in Bergheim schon in wenigen Tagen Ruhe.“ So einfach wird es aber bestimmt nicht. Pfarrer Heiner Augustin vom Runden Tisch „Offenes Rheinhausen“ begrüßt indes die Lösung, mahnt aber: „Es ist wichtig, dass alle eine menschenwürdige Unterkunft bekommen und dass die Kinder, die hier zur Schule gehen, in Rheinhausen bleiben.“