Ein Kampf gegen Rüpelradler

Von Petra Schmidt
Herbert Fürmann ist Vorstandssprecher des ADFC-Kreisverbandes Duisburg.
Herbert Fürmann ist Vorstandssprecher des ADFC-Kreisverbandes Duisburg.
Foto: NRZ
Für Herbert Fürmann vom ADFC sind Erhöhungen der Bußgelder weitgehend okay. Kontrollieren und Bestrafen sollte jedoch mit Augenmaß geschehen

Duisburg-Rheinhausen.  Verwarngeld 15 statt zehn Euro, Verstoß gegen das Rechtsfahrgebot 15 bis 40 Euro, Nichtbenutzung eines markierten Radfahrweges 15 bis 30 Euro, Benutzung in falscher Richtung 20 bis 30 Euro, Fahren ohne Licht 20 bis 35 Euro. Für die Rüpel unter den Radfahrern wird es ab April dieses Jahres teuer. Denn der neue vom Bundesverkehrministerium erarbeitete Bußgeldkatalog beinhaltet die Erhöhungen der Strafzahlungen um fünf bis zehn Euro.

„Die Erhöhung der Bußgelder ist weitgehend in Ordnung“, sagt Herbert Fürmann, Vorstandssprecher des ADFC-Kreisverbandes Duisburg, fügt aber hinzu: „Bestrafen und kontrollieren ist gut, aber bitte mit Augenmaß.“ Gleichwohl räumt Fürmann ein: „Die Radfahrer sind keine besseren Menschen als Fußgänger und Autofahrer. Die Erhöhung der Bußgelder ist ein Kampf gegen die Rüpelradler. Es geht hier nicht um den Otto-Normal-Radler.“

Herbert Fürmann hat oft genug beobachtet, dass allein Verbote manchen Radler von seiner Fahrweise nicht abhalten und nennt da als Beispiel Fußgängerzone, in denen das Radfahren nicht erlaubt ist. Andererseits habe der Radler manches Mal auch Situationen, in denen er sich berechtigt fragen kann, darf ich nun fahren oder nicht. Ein solches Beispiel ist für Fürmann die Unterführung am Hauptbahnhof in Duisburg-Mitte in dem Bereich, wo auch die Busse halten: „Hier gibt es für Radler nichts, nur für Fußgänger.“

Radwege instandhalten

Der ADFC-Vorstandssprecher kritisiert die oftmals fehlende vernünftige Verkehrsplanung und Instandhaltung der Radwege. Ein Beispiel ist für ihn die Friedrich-Ebert-Straße ab Beethovenstraße in Richtung Stüning-Kreuzung in Rheinhausen: „Dort verläuft ein uralter Radweg. Durch Bäume und Wurzelausbrüche hat er teilweise eine befahrbare Breite von 20 Zentimetern. Dort darf kein Radler gezwungen werden, auf den Weg zu fahren. Andererseits hat mancher wegen den Lkw Angst, auf der Straße zu fahren und weicht auf den Gehweg aus. Was er nicht darf.“ Fürmann warnt: „Das ist gefährlich, weil ein aus einer Seitenstraße kommender Autofahrer nicht mit dem Radfahrer rechnet, der zwangsläufig schneller ist als ein Fußgänger und deshalb nicht rechtzeitig gesehen werden kann.“

Ein weiterer Gefahrenpunkt: in der Dunkelheit ohne Beleuchtung zu fahren. „Bis vor ein paar Jahren verkauften speziell Discounter Fahrräder ohne Beleuchtungsanlage. Zum Glück ist heute der Dynamo Standard“, weiß Fürmann. Defekte Kabel würden nur ungern repariert. Und: „Beim Auto gibt man Geld aus ohne Ende. Beim Fahrrad sind aber hochwertige Anlagen mit doppelten Kabeln oder Scheinwerfern der Spitzenklasse für 60 Euro schon zu viel“, erklärt der Zweirad-Fachmann. Gefährlich sei auch das Fahren auf der linken Seite, es sei denn, es sind freigegebene Einbahnstraßen. In Hochemmerich gibt es ziemlich viele davon. „Wenn auf diesen Straße höchstens Tempo 30 gilt und genügend Ausweichmöglichkeiten für beide Verkehrsteilnehmer vorhanden sind, ist das auch kein Problem. Es sind keine Unfälle bekannt, auch an Einmündungen nicht“, sagt Fürmann, der sich allgemein darüber freut, dass das Radfahren zu einem Trend geworden ist. „Das hat aber nichts mit dem Radrennsport“, räumt er ein.

Mit dem Rad zum Bäcker

Wenngleich die letzte stadtweite Verkehrszählung in Duisburg rund 15 Jahre zurück liegt, ist die übereinstimmende Meinung vieler, dass sich die Zahl der Radler erhöht hat. Fürmann hat als eine Erklärung: „Das Auto hat speziell bei jungen Leuten sein Statussymbol im Gegensatz zum Smartphone verloren. Das Auto ist heute nur noch ein Verkehrsmittel. Außerdem ist Benzin teuer. Also fährt mancher lieber mit dem Rad zum Bäcker und zum verabredeten Treffpunkt mit Freunden.“