Duisburgerin ist ein internationaler Star der Straßenmaler

Stephan Sadowski
Marion Ruthardt ist an der Malkreide ein absoluter Vollprofi. und zaubert sensationelle 3-D-Effekte auf Straßen und Plätze.
Marion Ruthardt ist an der Malkreide ein absoluter Vollprofi. und zaubert sensationelle 3-D-Effekte auf Straßen und Plätze.
Sie zaubert Kunstwerke mit Kreide. Die Bergheimerin ist gerade von einem Wettbewerb aus den USA zurück.

Rheinhausen. Sie gehört zu den ganz Großen in Geldern. Beim internationalen Straßenmalerwettbewerb in der niederrheinischen Herzogstadt tritt sie inzwischen in der Meisterklasse an - das heißt sie zählt zu den Kopisten, die Werke großer Künstler mit Kreide auf den Asphalt zaubern. Letztes Mal im September 2011 erreichte Marion Ruthardt dort den zweiten Platz – mit „Frau mit Engeln“ eines unbekannten Meisters.

Doch damit nicht genug – kurz darauf im November wurde die gebürtige Rheinhauserin zu einem Festival nach Sarasota in Florida eingeladen, um dort mit ihrem Künstlerkollegen Gregor Wosik aus Mönchengladbach ein großes 3-D-Kunstwerk aufs Pflaster zu malen. „Die vielleicht besten 100 Straßenmaler der Welt sind dort zusammengekommen, und wir waren in Super-Hotels untergebracht“, erzählt die zeltplatzerfahrene Künstlerin, „an anderen Orten sind wir froh gewesen, überhaupt eine Dusche zu bekommen.“

Die beiden Deutschen haben im Sunshine-State eine übergroße Szene aus dem Kino-Streifen „Avatar“ in 3-D skizziert, so dass die Betrachter von einem gewissen Punkt meinen konnten, in die Phantasiewelt des großen Kinos einzutauchen. „Und dabei ist es wichtig, dieses Bild genau von dem Punkt aus zu avisieren, denn von einer anderen Perspektive macht das Werk keinen Sinn mehr“, erklärt die Rheinhauser Malerin.

Jede Menge Aufträge für 3-D-Kunst

Seit etwa drei Jahren ist diese Darstellungsform ein festes Standbein im künstlerischen Schaffen von Ruthardt und Wosik. „Wir haben schon überall die 3-D-Kunst verbreitet“, sagt Marion Ruthardt, „an Aufträgen mangelt es also nicht.“ In Köln auf der Domplatte hat das Duo schon häufig gewerkelt. „Da kamen dann schon mal Angebote wie: Gegen eine warme Mahlzeit könnten Sie mir vielleicht die Kacheln im Badezimmer bemalen“, grinst Ruthardt.

Selbst in Moskau haben sie 2010 gemalt – im Rauch der von Waldbränden eingeschlossenen Metropole. „Wir haben mit Gasmasken gearbeitet, sonst hätten wir das überhaupt nicht durchgehalten“, erinnert sich Ruthardt, die damals einen großen Auftrag für eine Sportfirma erfüllte. Bezeichnend, dass sie zu diesem Zeitpunkt unter anderem Eisschollen in 3-D, die wie eine Schlucht auf den Betrachter wirkten, mit ihrem polnischen Partner kreierte: „So hatten wir wenigstens eine mentale Kühlung vom Asphalt.“

Mehr durch Zufall ist sie zur Malerei gekommen. Vor 15 Jahren jonglierte sie noch mehr, als dass sie Kunstwerke beim Festival in Geldern kreierte. „Ich habe immer frei nach Schnauze gemalt“, erinnert sich Ruthardt, „dabei alle möglichen Jobs gemacht.“ Die Liste der Aushilfstätigkeiten ist lang, reicht vom Gärtnern bis zum Taxifahren. „Seit drei Jahren habe ich aber ein geregeltes Auskommen über die Kunst“, sagt Ruthardt, die auch ihren Hund Paula öfter auf Wandgemälden verewigt hat. In ihrer Wohnung, die ihr gleichzeitig als Atelier dient, hängt ein überdimensioniertes Gemälde, das ihre Nichte mit ihrem Hund zeigt: Andjana und Paula, steht darunter, und es könnte ein Filmplakat zu einem neu herauskommenden Fantasy-Film sein.

Auftritt beim Festival im italienischen Mantua

Auch das Festival in Mantua, Italien, soll von nun an fester Bestandteil in ihrem Schaffen werden: Dort treffen sich die besten Marienmaler zu Mariä Himmelfahrt – und Marion Ruthardt ist nicht nur wegen ihres Vornamens schon ein gern gesehener Gast...