Die Späße gezielt zugespielt

Da staunte Jutta Flaßhove, Leiterin der Bezirksbibliothek Rheinhausen, nicht schlecht: innerhalb von zwei Tagen war die erste Veranstaltung „Kabarett für ‘n Hut“ ausverkauft. Aber halt - wenn der Hut herum geht, gibt es doch keine Karten? „Wir haben nur ein bestimmtes Platzkontingent und dafür vergeben wir die Karten, die die Zuschauer im Vorfeld bestellen können. Sie sollen dann spenden, wie es ihnen gefallen hat“, erklärt Jutta Flaßhove. Und tatsächlich mehr als 150 Leute saßen in der Galerie der Bezirksbibliothek Rheinhausen, als Matthias Reuter mit seinem Programm los legte - mit dabei der politisch versierte Kabarettist Benjamin Eisenberg und der Spaß-Lyriker Marco Jonas Jahn.

Mit Baskenmütze rechtfertigt sich Marco Jonas Jahn, indem er davon erzählt, wie er seinen Sohn in dem Wendehammer kurz vor der Kita aus dem rollenden Auto springen lässt, nur damit er kein Knöllchen bekommt, weil dort „massenhaft aufgestellte absolute Halteverbotsschilder sind.“ „Das macht der Kleine immer mit einem Spagatsprung, den wir extra dafür trainiert haben“, grinst er ins Publikum. Genauso wie es hanebüchen erscheint, dass er bei der ‘HOK-Cuborg’-Versicherung anruft, weil ihm ein Stadtmarder die Benzinleitung seines Autos zerbissen hat. Er solle doch bitte bei der Marder-Versicherung anrufen, die käme für durch Nager verursachte Schäden auf. Die Pointe: „Hier Anton Marder, freier Versicherungsmakler!“, meldet sich der Agenturinhaber am anderen Ende der Leitung.

Man merkte, dass Benjamin Eisenberg und Matthias Reuter ein eingespieltes Team sind, denn beide spielen sich die Späße gezielt zu, schließlich machen sie seit sieben Jahren gemeinsam Kabarett, standen erstmals in Düsseldorf auf einer Bühne. Die beiden Ruhrpöttler haben eine witzige Sichtweise auf ihre Heimat: „Bottrop, das ist doch die Stadt, zu der sie die Altkleidersäcke hinbringen und nicht abholen, oder?“, stellten sie als rhetorische Frage. Genauso, wie sie die neuen Ortseingangsschilder verulkten: „Gut, bei Köln sollte Domstadt drunter stehen. Bei der Stadt Essen könnte man doch schreiben „ist fertig“?, frotzelten beide. Politisch wurde Benjamin Eisenberg auch: „Jetzt hat uns die NSA die ganzen Jahre wissentlich bespitzelt, die könnten doch mal beim nächsten Bahnstreik heraus spionieren, wo und wann die noch betriebenen Züge abfahren?“

Vorbild: Hanns Dieter Hüsch

Es entwickelte sich ein Format, dass vergleichbar mit der ZDF-Show „Neues aus der Anstalt“ ist – auf lokaler Ebene. Denn Reuter wirbelt mit dem gleichen zerfahrenen Charme als Gastgeber über die Bühne wie einst Urban Priol - und macht dazu auch noch Musikkabarett. „Ich hatte als ganz großes Vorbild Hanns Dieter Hüsch“, gesteht der 38-Jährige. Und so entstehen spöttische Songs, die er auf seinem E-Piano begleitet. Ganz große Klasse: Ein gespielter Witz, bei dem er in den Zug von Stuttgart nach Oberhausen an Altweiber einsteigt, und von einer älteren angetrunkenen Dame, die als Frosch verkleidet ins Abteil steigt, krächzend schwäbelnd genötigt wird: „Bütz mich, ich binne ne verzauberte Prinzessin!“. Matthias Reuter erklärt ihr darauf ganz sachlich, warum er sie nicht küssen wolle...

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