Der Musical-Selbstläufer

Es ist inzwischen ein Selbstläufer geworden nach der ruhmreichen Weltpremiere vor zwei Jahren. Das Musical „Der Schlüssel“ zog als Mystical an drei Terminen mehr als 2400 Zuschauer in die Rheinhausen-Halle. „Wir hatten eine etwa 95-prozentige Auslastung“, sagt Jörg Bröker vom Duisburger Musical-Verein Pro You. Die drei Veranstaltungen für das kommende Wochenende seien auch schon fast ausverkauft. „Kein Wunder, das Stück hat gute Songs, geile Kulissen und tolle Kostüme“, sagt der Mann am Merchandise-Stand.

Kulissen und Kostüme, die die etwa 100 Mitglieder von Pro You in jahrelanger Feinarbeit selbst gefertigt haben. Und das Sortiment der Souvenirs hat die Musical-Crew ebenfalls aufgestockt, neben Postern der Figuren aus dem Musical und CDs gibt es jetzt sogar Schlüsselanhänger und eine Momp-Suppe für VIPs in Dosen.

„Apfelschorle, keine Käsesuppe“

„Das ist wohl so eine Art Apfelschorle, keine Käsesuppe“, weiß Bröker. Die 27-jährige Elisa van Hoorde aus Oberhausen spielte vor zwei Jahren noch im Ensemble mit und sagt: „Das hat Spaß gemacht, wir waren alles, Küchenpersonal, Geister und Tote in einem, alles, was in den Massenszenen vorkommt. Heute ist es mal spannend, das Stück aus einer anderen Perspektive zu sehen.“

Von diesem Mitmacheffekt für Jedermann lebt das Musical. Und die Zuschauer tauchen mit der jungen Heldin Lilly Clé (Adriana Linke) aus der realen Welt vom „Schloss am Rande der Welt“ in die surreale Sphäre von Argonan ab. Als Lilly in den verbotenen dritten Flügel des Anwesens ihres Onkels über einen Schlüssel gelangt, ist es einfach genial, wie die Macher Sebastian Ivartnik und sein Partner Benjamin Hübbertz-Ivartnik eine Geisterszene, die aus „Tanz der Vampire“ entlehnt sein könnte, auf der Bühne erzeugen: Weiß geschminkte Untote schweben bei hämmernden Disco-Beats wie auf Inline-Skatern mit ihren pompösen ausladenden Kostümen der jungen Heldin entgegen - vor einem barock gebauten Treppenaufgang des Schlosses. Von nun an ist die beim Onkel unglückliche Waise Lilly mit dem Gärtner Pete (Dennis Schäfer) und der Küchenmagd Margreth (Miriam Cos) auf der Reise, um das von dem bösen Herrscher Bazriel (Benjamin Hübbertz-Ivartnik) unterdrückte Argonan von den dunklen Mächten zu befreien.

Dabei singen die jungen Darsteller mitreißende melodramatische Arien. „Ich bin der Wind“, „Kein Stern“ drücken doch ganz schön auf die Tränendrüsen der Zuschauer - Lieder, die opernhafte Arienelemente mit verquirlten Duetten mit Popmelodien und gewaltigen Chören wie in „Schatten über uns“ verbinden.

Auf der Reise begegnet Lilly wohlwollenden ziegenartigen Satyren, später den schrillen Waldhexen, den Nefren, die auf Stelzen staksen und mit echten Ästen wie Bäume behangen, versuchen die Reisegruppe aufzuhalten. Und die Zuschauer sehen den tollen Kulissenwald vor lauter Bäumen nicht, spätestens als über einen Mirrorball grüne Sterne in den Hallenraum projiziert werden.

Ein Momp als Sympathieträger

Sympathieträger sind der kleine mäuseartige Momp (rutscht drei Stunden auf Knien: Marcel Walther) und der Totenbeschwörer Chorus mit Neigung zur Travestie (Tobias Mehrwald), die wenn sie „mompische Lieder mompen“ oder mit Federboa im Skelettkostüm einen Totentanz vollführen, für Lacher sorgen. Interaktiv wird es, wenn die bösen Häscher Bazriels auf einmal mit riesigen Fledermausflügeln und neonblaufunkelnden Krallen, die Köpfe der Zuschauer streifen. Am Ende ist es Lilly, die die „Prophezeiung“ erfüllt, nachdem sie ihre verstorbene Mutter Sophie (Patricia Kepert) im Verlies Bazriels entdeckt.

Über den Fortgang des Musicals bleibt allerdings die Ungewissheit – die „Masterminds“ Sebastian Ivartnik und Benjamin Hübbertz-Ivartnik kündigten ihren Rückzug zum Ende des Jahres an. Allerdings ist das Musical, die stehenden Ovationen bewiesen es, ja längst zum Selbstläufer geworden...

 
 

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