CDU-Politiker zeigte Zivilcourage und kassierte Prügel von Jugendlichen

Detlef Helmdach von der CDU Rheinhausen musste für seine Zivilcourage Prügel von Jugendlichen einstecken. Er hatte sie angesprochen, weil sie einen Bus beschmierten. Foto: Volker Herold
Detlef Helmdach von der CDU Rheinhausen musste für seine Zivilcourage Prügel von Jugendlichen einstecken. Er hatte sie angesprochen, weil sie einen Bus beschmierten. Foto: Volker Herold
Foto: NRZ
CDU-Bezirksvertreter Detlef Helmdach ging gegen fünf jugendliche Schmierfinken im Linienbus vor — und landete am Ende im Krankenhaus. Die Jugendlichen verprügelten ihn, als er aus dem Bus stieg. Trotzdem plädiert Helmdach für mehr Zivilcourage.

Duisburg-Rheinhausen. Detlef Helmdach ist ein besonnener Typ. Seit 2004 sitzt er für die CDU in der Bezirksvertretung Rheinhausen. Und wenn es dort verbal mal wieder heiß her geht, dann ist er einer der wenigen, die nicht gleich auf Konfrontationskurs schalten. Wer ihn in diesen Tagen das erste Mal trifft, sollte sich vom ersten Eindruck nicht beirren lassen. Über seiner rechten Augenbraue verläuft ein blutkrustiger Riss, den man beim Boxen als einen ordentlichen „Cut“ bezeichnet würde. Die Schwellung am Auge ist zwar inzwischen zurückgegangen, das Veilchen aber immer noch deutlich zu sehen. Was dem Lokalpolitiker in diesen Tagen oft einen dummen Spruch einbringt, dahinter steckt eine höchst unerfreuliche Geschichte.

Helmdach hatte Zivilcourage gezeigt. Am Sonntag hatte er mit seiner Frau und den beiden Kindern den Karnevalszug in Uerdingen besucht. Auf der Rückfahrt mit dem Bus der Linie 927 der Krefelder Verkehrsbetriebe haben wenige Sitzplätze vor ihm fünf Jugendliche munter mit dicken Filzstiften die Scheiben, Wände und Sitze beschmiert. Der Bus war voll, vorwiegend mit jüngeren Leuten, reagiert hat niemand.

Wegschauen oder Eingreifen?

Helmdach hatte die Wahl. Sitzenbleiben und ebenfalls weggucken, oder aber den Mund aufmachen. Wenn ein Einzelner, freiwillig und ohne Rücksicht auf sich selbst, für andere und gegen Unrecht eintritt, dann nennt man das Zivilcourage. Helmdach überlegte nicht lange. Er stand auf, sprach die Bande an. „Macht ihr das zu Hause auch? Das muss nicht sein. Das kostet jede Menge Geld, das wieder wegzumachen“, sagte er.

„Halt die Schnauze. Was geht dich das an?“, blökten die Jugendlichen zurück. Helmdach ging zum Busfahrer, wies ihn auf die Schmierfinken hin. Der Busfahrer nahm die Mitteilung zur Kenntnis, unternahm weiter aber nichts. Die Bande hatte die Schmiererei inzwischen eingestellt.

Einer der ersten Schläge traf Helmdach an der Schläfe

Als der CDU-Bezirksvertreter mit Frau, Kindern und einem befreundeten Paar mit ihren beiden Kindern an der Haltestelle in der Eisenbahnsiedlung aus dem Bus stieg, hielt er den Fall für erledigt. Doch plötzlich sprangen die fünf Jugendlichen aus dem Bus und griffen Helmdach von hinten an. Einer der ersten Schläge traf Helmdach an der Schläfe, alles ging sehr schnell. Er steckte weitere Fausthiebe ein, konnte sich kaum wehren. Als sein Kollege und die Frauen ihm zu Hilfe eilten, bekamen auch sie etwas ab. Einer der Jugendlichen sprang der Frau in den Rücken, sie klagt über Nackenschmerzen. Ihre Goldkette riss, sie fand sie auch später nicht wieder.

Helmdach, dem das Blut übers Gesicht lief, wurde mit einem Krankenwagen ins Johanniter gebracht. Der Riss wurde mit drei Stichen genäht, zudem trug er eine Kopf- und Mittelhandprellung davon.

Drei der Täter sind 16 bis 17 Jahre alt

Die gerufene Polizei war schnell vor Ort. Sie verfolgte die Bande, konnte drei der Täter kurz darauf stellen. Sie sind 16 und 17 Jahre alt, und räumten ein, mit der Tat im Zusammenhang zu stehen. Sie wohnen in Friemersheim und wurden in die Obhut ihrer Eltern übergeben. Gegen sie läuft eine Strafanzeige wegen schwerer Körperverletzung.

Es ist einer der Fälle, nach denen einige zweifeln könnten, ob sie das nächste Mal in einer ähnlichen Situation den Mund aufmachen würden. Für Helmdach stellt sich diese Frage nicht. „Um einfach so zu tun, als ginge mich das alles nichts an, bin ich viel zu sehr Bürger. Ich weiß, was die Schäden durch Vandalismus und Schmierereien kosten“, sagt er. „Wenn alle weggucken, wo würde das hinführen?“

 
 

EURE FAVORITEN