Buddeln, bis der Spaten bricht...

Carl Korte
Ramona und Holger Brodmann - beim Umgraben - auf ihrer Parzelle im Kleingartenverein Stadtmitte. Foto: Hayrettin Özcan
Ramona und Holger Brodmann - beim Umgraben - auf ihrer Parzelle im Kleingartenverein Stadtmitte. Foto: Hayrettin Özcan
Foto: WAZ FotoPool
Die Redaktion startet eine Serie über die Kleingärten im Duisburger Westen.

Duisburg-West. Im Märzen der Bauer. So beginnt ein Volkslied über den Frühling, das den Reigen der Jahreszeiten und ihre Erscheinungen in der Natur beschreibt. Und wie der Bauer seine Felder ab März beackert, sind auch seine Brüder im Geiste, die Kleingärtner, in diesen Tagen wieder im Einsatz. In unserer neuen Serie über hiesige Kleingärtner und ihre grünen Oasen stellen wir heute Holger Brodmann vor, der seit vier Jahren mit seiner Familie im Rheinhauser Kleingartenverein Stadtmitte das Glück der Natur genießt.

Mit viel Zeit: „So rund 50 Stunden in der Woche sind wir drüben.“ Und mit viel Freude, aber auch mit Rückenschmerzen, zumindest in den ersten Tagen. Denn die Arbeit ist nach der sechsmonatigen Pause ungewohnt und geht in die Knochen. „Die Erde mit dem Spaten richtig umzupflügen, rund 30 Zentimeter tief, ist nicht an einem Nachmittag geschafft. Da muss man mehrmals ran, wenn man so 100 Quadratmeter zu beackern hat.“ Und es kann auch passieren, dass Schüppe oder Spaten die Belastungen nicht aushalten: „Ist mir schon passiert, dass der Spaten bricht. Das ist normaler Materialverschleiß.“

Unterstützung hat der als Kranführer tätige Brodmann von seiner Frau Ramona. Die aber wollte eigentlich nie in einen Kleingarten. „Ich musste sie überlisten und habe einfach eine Parzelle gepachtet.“ Das war vor vier Jahren. Jetzt können sich die Brodmanns gar kein Leben mehr ohne ihr grünes Paradies vorstellen. „Meiner Frau fällt immer etwas ein, was im Garten noch zu erledigen ist. Steinplatten auskratzen, Unkraut jäten. Da kommt immer etwas Neues.“

Die Unterstützung durch die Nachbarn im Kleingarten empfand Brodmann als vorbildlich. „Hier herrscht ein großer Gemeinschaftsgeist. Wer Hilfe braucht, der erhält sie auch.“ Die Vielfalt der Nationalitäten (Deutsche, Türken, Italiener, Russen) und die verschiedenen Generationen schaffen, so Brodmann, ein gutes familiäres Klima, in dem sich alle wohl fühlen.

Markierungen auf dem Kartoffelfeld

Als er selbst das erste Mal ein Kartoffelbeet pflanzen wollte, machte ein Fachmann von nebenan auf Fehler aufmerksam und fragte: „Junge, wie willst du denn im Herbst bei der Ernte die Knollen in der Erde wiederfinden, wenn du die Keimlinge ohne Markierungen setzt?“ Da klickte es bei Brodmann: „Ich habe dann vom oberen Ende der Reihe bis unten eine Schnur ein paar Zentimeter über die Erde gespannt. So habe ich eine genaue Orientierung, wo die Kartoffeln wachsen.“

Es gibt auch Mucken der Natur. Der letzte Winter schlug hart zu. Das hätten selbst erfahrene Kleingärtner noch nie erlebt. „Der Frost war so streng, dass auf den Wasseruhren in den Gärten die Gläser zersprangen.“

Im Herbst darf auch genascht werden. „In unserem Kleingarten wachsen auch Weinreben. Allerdings machen wir keinen Wein daraus, weil dazu schon eine Menge von rund 30 Kilo notwendig wäre, damit sich das lohnt. Das technische Gerät dazu ist vorhanden. Wir pflücken die Trauben und essen sie so von der Hand als Obst.“ Noch eine positive Seite der Rebenzweige und -blätter: „Wenn es im Sommer heiß wird, spenden sie kühlen Schatten!“