„Beste Lösungen finden“

„Dass wir mit den Entscheidungen, die getroffen werden müssen, unsere Kirche verändern, ist klar“, betonte Christoph Pistorius, Vizepräses der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR), am Ende einer zweieinhalbstündigen Diskussion in der Kirche an der Kirchstraße in Hochheide. Die Kirchenleitung hatte Presbyter, Pfarrer und alle kirchlich Interessierten eingeladen, die Vorschläge für Kürzungen auf Ebene der Landeskirche zu diskutieren. Mit 300 Besuchern war die Kirche bis auf die Empore voll besetzt.

Zwar sind, so schreibt es die Pressestelle des Kirchenkreises Moers, Gemeinden und Kirchenkreise von den Sparmaßnahmen nicht direkt betroffen, aber indirekt, denn die Landeskirche übernimmt Aufgaben für die anderen Ebenen. Zwölf Millionen Euro müssen auf landeskirchlicher Ebene eingespart werden, erklärte Präses Manfred Rekowski. Die erarbeiteten Vorschläge habe man frühzeitig und transparent diskutieren wollen, denn es gehe nicht darum die eigenen Vorschläge durchbringen zu wollen, sondern die besten Lösungen zu finden.

Die Kirchenordnung gebe vor, welche Aufgaben die Kirche habe, etwa Verkündigung, Seelsorge, Bildung. Es sei auch keine Frage, was künftig gemacht werden solle, sondern nur, in welcher Form. Hintergrund sind ein strukturelles Defizit bei den landeskirchlichen Ausgaben, hohe Kosten für Versorgung und Beihilfe und sinkende Zahlen bei der Kirchenmitgliedschaft.

Bernd Baucks, Abteilungsleiter Finanzen und Vermögen der Evangelischen Kirche im Rheinland, stellte im Anschluss die konkreten Vorschläge, die den Landessynodalen im Januar für Entscheidungen vorgelegt werden, vor. Heftig und konträr diskutiert wurden alle.

Ein Vorschlag betraf den Binnenschifferdienst und die Deutsche Seemannsmission in Duisburg. Der Zuschuss solle gekürzt werden. Diese Aufgabe sei aber überregional von Bedeutung, wurde eingewandt, die Seelsorge richte sich ja nicht nur an die Binnenschiffer von Duisburg, sei also landeskirchliche Aufgabe. Ihnen werde die Kirche genommen. Die Kirchenleitung betonte, die Zuschüsse in Höhe von 67000 Euro sollten zwar gestrichen werden, nicht aber die Pfarrstelle und die Kollekte, die immer wieder für diese Aufgabe gesammelt werde.

Stark kritisiert wurde die „Unwucht auf Seiten der Bildung“, zusammengerechnet lägen die Kürzungen in diesem Bereich bei der Hälfte des Sparziels von zwölf Millionen Euro. Eine Kirche, die an der Jugend spare, setze ihre Zukunft aufs Spiel. Auf diese Gefahren wiesen Jugendvertretende hin, die sich in großer Zahl an der Diskussion beteiligten.

Arbeitslosenfonds senken?

Diskutiert wurde auch der Vorschlag, den Arbeitslosenfonds um mehr als eine Million Euro auf 500 000 Euro einzuschmelzen. Man ziehe sich nicht vollständig aus diesem diakonischen Bereich zurück, erklärte die Kirchenleitung, aber Arbeitslosigkeit sei eine staatlich zu bewältigende Aufgabe. Dem stand die Auffassung entgegen, hier agiere die Kirche sowohl diakonisch wie auch gesellschaftlich wirkungsvoll.

Thematisiert wurde auch die Änderung in der Medienarbeit. Im Tagungszentrum FFFZ kämen protestantische und nicht-protestantische Besucher zusammen, was wertvolle Kontakte im Sinne der Mission bedeute. Im Ev. Medienverband würde in Volontärskursen Medienethik unterrichtet. Kritisiert wurde auch, dass hinsichtlich der Medienakademie nicht klar sei, was die Formulierung konkret bedeute, „sind an anderer Stelle geeignete Lösungen zu finden.“ Da Medienarbeit keine genuin landeskirchliche Aufgabe sei, sollten auch die anderen Gliedkirchen einen Beitrag dazu leisten, sagte Rekowski. „Es gibt viele Gründe, in jedem einzelnen Bereich nicht zu sparen,“ erklärte der Präses. „Aber wer a nicht will, muss b sagen.“

Zum Abschluss des Abends bat Pistorius, weiterhin Vorschläge und Kritik an die Landeskirche zu schicken. Auch wenn vielleicht keine langen Antworten zurückkämen, würden doch alle Briefe und Mails Eingang in die Beratungen finden....

 
 

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