Bei 20 Terminen gespielt

Stephan Sadowski
Matt Epp
Matt Epp
Foto: Jen Squires
Matt Epp kommt immer wieder gerne in den Tempel-Keller zurück

Duisburg-Rheinhausen.  Wahrscheinlich ist Matt Epp lieber in Europa als in den USA unterwegs wegen der einfacheren Einreisebestimmungen: „Man braucht zwei Visa als Kanadier, um in den Vereinigten Staaten eine Tour zu spielen, die sind nicht billig - in Europa ist das zum Glück anders.“ Aber er kann auch auf eine breite Fanbase bauen, die sich inzwischen durch das Land zieht. Fast zwanzig Termine hat der rastlose Mittdreißiger, begleitet von seinem jüngeren Bruder, jetzt in Deutschland gespielt, bevor er in seinem „Wohnzimmer“ im Tempel-Keller bei den Folk-Festspielen diese Tour ausklingen ließ. „Bei Hannes und Heiner“, wie er sagte.

Auch wenn sein „gut aussehender Bassist“, Joel Couture, von seiner Band „Amorian Assembly“, „nicht dabei ist“, die Frauen im Publikum wussten auch so, wo sie hingucken konnten. Denn der smarte blonde Musiker hatte seine Fans, an die hundert, sofort im Griff und sagte: „Es muss unser Ziel hier sein, dass ich beim nächsten Mal nur die Gitarre spiele – und ihr alle singt die Songs, das üben wir jetzt!“, lachte er auf Englisch ins Publikum. Die Bereitschaft der Zuhörer jedenfalls war sofort vorhanden, viele summten schon von Anbeginn mit. Und so war es ein leichtes für Matt Epp, quasi ein „Best of“ seiner Songs zu spielen. Zwei Titel „North Star“ und „Ready in Time“ des neuen Albums hatte er für die Solo-Akustikgitarre vorbereitet - doch merkte man, dass da Melodielinien fehlten - verglichen mit der breit wandig produzierten Studioversion.

Umso mehr konnte der sympathische Sänger punkten, spielte er Stücke von dem Vorgänger-Album „Luma“, das er seiner eineinhalbjährigen Tochter gewidmet hatte. Diese sind selbst nur spärlich mit Flächendeckenden Keyboards und sphärischer Gitarre produziert und. passten somit besser zu diesem Songwriter-Auftritt. „Birch to Birch“, eine Metapher für die Orientierungslosigkeit in unserer Gesellschaft, „und darüber, dass Menschen einfach nicht aus der Geschichte lernen wollen“, oder eine Up-Tempo-Nummer „Put it back“ und „Promised Land“ stimmten gut ein, und dann konnte Matt Epp quer durch die Vorgänger-Alben, quasi sein Frühwerk, zitieren und der gesamte Tempel-Keller sang mit: „This old house“ wurde umgehend mit dem Chorus „...like my love for you“ vom Publikum vollendet, bei „Met someone“ schraubte .Matt Epp seinen schneidigen Falsett in ungeahnte Höhen, während die Fans die Basslinie weiter hielten. Und „Met someone“ dazu donnerten.

Witzige Arrangements gibt es auch zu hören: der Song „To Cool down“ bekommt ein paar Jazz-Akkorde verpasst, doch dadurch gewann Matt Epp auch nicht die 10000 Dollar, die bei einem kanadischen Jazz-Radio ausgeschrieben waren, wenn er da den Siegertitel eingereicht hätte - wie er in seiner Ansage schmunzelnd verlauten lässt. „Es ist witzig, dieses Jazz-Radio überhaupt zu hören“, sagt er lachend.

Dann wird es noch mal rockig bei „Anthem for the rich and broken hearted“ singt der Chor „...use your head“, bevor Matt Epp nach zwei Stunden action das Konzert mit der Zugabe „There shall be peace“ beschließt. Katrin Hanske ist oft im Tempel-Keller: „Wieder ein Konzert mit einer tollen Qualität.“ Für Matt Epp geht es jetzt wieder zurück nach Kanada. „Als nächstes fahre ich dann zum Folk-Alliance-Festival in die USA nach Kansas City“, verrät der Sänger. Doch vorher muss er sich noch zwei Visa für die Einreise besorgen....