Aus für Zwei-Euro-Jobs bedroht Sozialvereine in Duisburg

Daniel Cnotka
Diskussion um die Zukunft ihrer Vereine (v.l.) Natascha Wenrich und Anja Schwertner (Stadtteilküche Bruckhausen), Brita Krönke und Thomas Terschüren (Runder Tisch Marxloh) und Rolf Karling (Bürger für Bürger). Ganz links: Werner Huwald, Betroffener, der seinen Zwei-Euro-Job verloren hat.
Diskussion um die Zukunft ihrer Vereine (v.l.) Natascha Wenrich und Anja Schwertner (Stadtteilküche Bruckhausen), Brita Krönke und Thomas Terschüren (Runder Tisch Marxloh) und Rolf Karling (Bürger für Bürger). Ganz links: Werner Huwald, Betroffener, der seinen Zwei-Euro-Job verloren hat.
Foto: Tanja Pickartz
Duisburgs Sozialvereine klagen über Kürzung bei Zwei-Euro-Stellen. Gespartes Geld würde für die Armutsflüchtlinge benötigt, viele Hartz IV-Projekte stünden vor dem Aus. Bei der Evangelischen Kirchengemeinde Bruckhausen fehlen ab 1. März zehn Zwei-Euro-Jobber für die Stadtteilküche.

Duisburg. Es war kurz nach 11 Uhr, als sich am Freitag beim Sozialverein „Bürger für Bürger“ an der Rheinhauser Brahmsstraße das Rolltor hob. Ein gutes Dutzend Bedürftiger strömte zur Lebensmittelausgabe, vorbei an einem Tisch, an dem sieben Männer und Frauen mächtig Dampf abließen. Und dass nicht nur, weil nahezu die gesamte Besetzung des Tisches rauchte. Die Macher dreier Sozialeinrichtungen aus Hamborn, Marxloh und Rheinhausen machten ihrem Ärger über das Jobcenter Duisburg Luft.

„Das Jobcenter streicht zum 1. März 1500 von 2000 Zwei-Euro-Jobs, von diesen Mitarbeitern ist der Weiterbestand vieler Einrichtungen abhängig“, sagt Rolf Karling, Geschäftsführer von „Bürger für Bürger“. 15 dieser Kräfte, „allesamt über 50-Jährige, die auch aufgrund etwa von Erkrankungen nicht mehr für den Arbeitsmarkt vermittelbar sind“, habe man seinem Verein ersatzlos gestrichen. Bei der Evangelischen Kirchengemeinde Bruckhausen fehlen ab 1. März zehn Zwei-Euro-Jobber für die Stadtteilküche, beim Runden Tisch Marxloh vier sogenannte Revierranger und beim Rheinhauser Tiergnadenhof fünf Helfer für die Versorgung der Tiere.

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Das an den Jobbern gesparte Geld, so hat es Agentur für Arbeit-Geschäftsführer Ulrich Käser Ende vergangenen Jahres in einem Interview mit dieser Zeitung gesagt, würde benötigt, um zusätzliches Personal einzustellen, das Anträge von Armutsflüchtlingen aus Rumänen und Bulgarien bearbeitet. „So spielt man zwei sozial schwache Gruppen gegeneinander aus“, beklagt sich Brita Krönke vom Runden Tisch Marxloh.

Mehr Selbstwertgefühl

„Die Betroffenen können bis zu 260 Euro im Monat dazu verdienen, was dazu beiträgt, dass ein Hartz IV-Empfänger deutlich besser am sozialen Leben in der Stadt teilhaben kann. Zudem haben sie eine Aufgabe, kommen aus der Isolation heraus und finden zu mehr Selbstwertgefühl“, erklärt Karling. Das alles falle nun bald weg.

Wie geht es jetzt weiter? Wir wissen es nicht“, sagt Anja Schwertner vom Projekt Küche aus Bruckhausen und spricht dabei für alle am Tisch sitzenden Männer und Frauen. „Wir müssen pokern und hoffen, dass einige der Jobber als Ehrenamtler bei uns bleiben“, ergänzt Karling. Ohne die Zwei-Euro-Kollegen gehe es besonders den kleinen Hilfsorganisationen an den Kragen, sind sich die Männer und Frauen in der Geschäftsstelle einig. Als Lebensmittelausgabe könne man den Helfern immerhin ein Mittagessen und Lebensmittel anbieten. Wobei man sich da bei den Sozialeinriochtungen nicht sicher ist, ob dieses nun angemeldet werden muss oder nicht. Dass für ein Mittagessen während der ehrenamtlichen Arbeit ein Hartz IV-Empfänger Leistungen gekürzt bekommt, ist das letzte, was die Vereine wollen.

Über die Gemeinnützige Gesellschaft für Beschäftigungsförderung mbH (GfB) können stadtweit 500 Zwei-Euro-Kräfte angefordert werden, Hans Zolopa vom Tiergnadenhof – an dem Treffen in Rheinhausen hatte er nicht teilgenommen – hat so ab der kommenden Woche einen Helfer bekommen. Ein Anfang, mehr nicht. Steht doch in den Sternen, ob die Zusammenarbeit klappt, schließlich verfügte Zolopa bisher über von ihm für die Arbeit ausgebildete Leute.

„Soziale Verelendung“

„Bürger für Bürger“, Runder Tisch und Projekt Küche blicken wenig hoffnungsvoll nach vorne, „wir steuern auf eine soziale Verelendung zu. Stadt und Agentur für Arbeit sind sich der Tragweite dieser Entscheidung überhaupt noch nicht bewusst.“ Dass „Bürger für Bürger“-Geschäftsführer Rolf Karling jemanden bei der GfB anfordert, schließt er aus. „Mir fehlen 15 Leute, was soll ich da mit einem. Den soll lieber jemand bekommen, der durch ihn seine Einrichtung womöglich retten kann.“