Warum Werner Hüsken OB Adolf Sauerland in Duisburg stürzen will

Duisburg.  Am 3. oder 4. Juni wird voraussichtlich das Gesetz in Kraft treten, wonach Bürgermeister in NRW direkt abgewählt werden können. Werner Hüsken will gar nicht daran denken, was passiert, wenn die geplante Abwahl von Adolf Sauerlands scheitert.

Es hätte ein schöner Tag werden können. Die Sonne schien, Tausende junge Menschen wollten einfach nur feiern. Doch die Duisburger Loveparade endete am 24. Juli 2010 bekanntlich in einer Katastrophe. Fast ein Jahr später ist noch immer nicht abschließend geklärt, wie es zu dem Unglück kommen konnte. Fast ein Jahr später ist auch Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) noch im Amt, obwohl viele Bürger seinen Rücktritt forderten. Einer davon ist Werner Hüsken, der bereits im Sommer 10.000 Unterschriften für ein Bürgerbegehren zur Abwahl des OB sammelte. Das Vorhaben scheiterte an der erforderlichen Mehrheit des Rates. Die Hürde ist nun dank eines neuen Gesetzes, das der Landtag jüngst verabschiedet hat, genommen. Die Bürger können demnach Oberbürgermeister und Landräte direkt abwählen.

„Ein positives Signal setzen“

Das Gesetz (siehe auch: Infobox unten) wird voraussichtlich am 3. oder 4. Juni in Kraft treten, sagte ein Sprecher des Innenministeriums NRW. „Das ist die Chance, auf die wir gewartet haben“, sagt Hüsken. Mit wir meint er sich und seine Unterstützer, die sich seiner Initiative zur Abwahl Sauerlands angeschlossen haben.

Jetzt haben es die Duisburger Bürger selbst in der Hand. „Aber es gibt hohe Hürden“, sagt der gelernte Krankenpfleger, der keiner Partei angehört. Zur Einleitung des Abwahlverfahrens muss Hüsken zirka 55.000 wahlberechtigte Duisburger zur Unterschrift bewegen. Für den 59-Jährigen das kleinste Problem: „Die 10 000 Unterschriften damals haben wir innerhalb eines Monats gesammelt, jetzt haben wir vier Monate Zeit.“ Viele hätten ihre Unterstützung zugesagt. „Die Leute haben den Kugelschreiber schon in der Hand.“

Ist es so weit, dass der Antrag genehmigt und ein Abwahlverfahren eingeleitet werden kann, wird es schon schwieriger. Rund 90.000 Duisburger müssten Sauerland abwählen. Weit mehr als die rund 74.000, die ihn beim letzten Urnengang gewählt haben.

„Herr Sauerland ist nicht mehr unser Bürgermeister“

Hüsken will gar nicht daran denken, was passiert, wenn sein Vorhaben in die Hose geht. „Es wäre das Schlimmste, was Duisburg passieren kann, wenn man es nicht schafft, ein positives Signal zu setzen.“

Ein solches Signal wäre das Abdanken Sauerlands. Immer wieder betont Hüsken, dass es ihm um die Sache geht. „Es geht nicht um die Frage, wer Schuld hat, sondern darum, dass Herr Sauerland zu seiner Verantwortung steht“, sagt der stämmige Duisburger, der mit Brille, Bart und dunklen Haaren eine leichte Ähnlichkeit mit eben dem Mann aufweist, den er nicht mehr im Amt sehen will. Das nennt man wohl Ironie des Schicksals.

„So lange Sauerland Bürgermeister ist, kann es keine erfolgreiche Imagekampagne für Duisburg geben“, sagt Hüsken. Und die sei bitter nötig. „Viele schämen sich für Duisburg.“ Doch ihm geht es nicht allein ums Image der Stadt. Sauerland sei kaum mehr in Duisburg präsent. „Ein Bürgermeister sollte ein Bürgermeister für alle sein. Herr Sauerland ist nicht mehr unser Bürgermeister.“

Hüsken selbst musste am Tag der Loveparade um seinen jüngsten Sohn, der dort seinen Geburtstag feiern wollte, bangen. Ihm ist nichts passiert.

 
 

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