Warum viele Gastronomen den Duisburger Innenhafen verlassen

Fabienne Piepiora
An der Küppersmühle hat schon lange niemand mehr gesessen.
An der Küppersmühle hat schon lange niemand mehr gesessen.
Foto: WAZ FotoPool
Gleich sechs ehemals gastronomisch genutzte Flächen im Duisburger Innenhafen stehen derzeit leer. Was für die Innenstadtentwicklungsgesellschaft kein Grund zur Sorge ist, sehen die verbliebenen Gastronomen kritisch. Die Lage im Hafen ist kein Einzelfall: Auch in den Einkaufszentren gibt es Leerstand.

Duisburg. Vor dem Restaurant Küppersmühle stehen die Stühle zu Dutzenden gestapelt. An den Tafeln stehen schon lange keine Tagesgerichte mehr angeschlagen. Seit Monaten ist die Gastronomie neben der Skandalbaustelle dicht – und auf beiden Seiten des Hafenbeckens sind weitere Leerstände dazu gekommen. Darunter die Fläche, die von der Diskothek „Privé“ genutzt wurde oder das verwaiste Hafenforum. Die WAZ hat durchgezählt.

Insgesamt sechs ehemals gastronomisch genutzte Flächen sind derzeit frei. Das macht keinen guten Eindruck, wenn man am Ufer flaniert und sich spontan überlegt, in welcher Bar man etwas trinken will. Die Innenstadtentwicklungsgesellschaft (IDE) findet den Leerstand hingegen nicht so dramatisch und spricht von „normaler Fluktuation“. „Das hat nichts mit dem Standort zu tun, sondern liegt auch an den Gegebenheiten“, erklärt Rolf Fehr, Prokurist bei der Innenhafengesellschaft. Das Restaurant Küppersmühle habe geschlossen, da nebenan die Dauerbaustelle immer noch nicht beseitigt sei.

Auf der anderen Seite habe über Nacht ein Restaurant geschlossen, weil der Besitzer in finanziellen Problemen steckte. Am Innenhafen selbst liege die Abwanderung nicht. Für das Hafenforum gebe es aber schon neue Interessenten. Die Auslastung der Immobilien betrage immer noch mehr als 90 Prozent. „Zudem gebe es hervorragende Konzepte wie das Vapiano, das von den Besuchern gut angenommen wird“, so Fehr. Vor allem tagsüber gebe es Probleme, Kundschaft zwischen Mittags- und Abendgeschäft anzulocken.

Alteingesessene Gastronomen sehen viele Probleme

Stefan Cammann, Koch und Betreiber der Faktorei, gehört inzwischen zu den alteingesessenen Gastronomen am Innenhafen. Sein Restaurant wird als eines der wenigen vom Inhaber selbst geführt. Cammann hat sich längst vom Konzept der Ganztagsgastronomie verabschiedet und öffnet erst abends. Er bewertet die Situation am Hafenbecken kritisch.

„Bei den Quadratmeterpreisen, die man am Innenhafen zahlt, muss man sehen, dass jeden Tag die Bude brennt. Andererseits sind die Kunden sehr preissensibel.“ Im Innenhafen gebe es verschiedene Probleme, zum Beispiel, dass sich die Suche nach einem Parkplatz nicht gerade einfach gestaltet. „Die Leute wollen am liebsten bis zum Tisch vorfahren.“ Das Parkhaus sei für die meisten keine Alternative.

Wird der Standort am Innenhafen vernachlässigt?

Ein weiterer Eindruck: Früher wurde der Standort mit mehr Liebe gehegt und gepflegt. „Momentan konzentriert sich viel auf die Innenstadt.“ Doch die Algen, die zwischendurch die Grachten zuwucherten, wachsen auch bei ihm vor der Haustür. „Als sich noch die Innenhafengesellschaft gekümmert hat, sah man hier keine Pusteblume.“

In vier Jahren läuft der Mietvertrag für die Faktorei aus. Derzeit überlegt Cammann, wie es weitergehen soll. „Wir schauen uns auch nach alternativen Standorten um.“ Dabei sei der Innenhafen durchaus ein „Hotspot“. Nur: Was wird erst einmal, wenn auch noch das Legoland schließt und nach Oberhausen abwandert? Auch darauf hat es bisher noch keine Antworten gegeben. „Das ist wie eine Laufmasche, die sich immer weiter aufribbelt“, vergleicht der Gastronom die Situation.

Er will die Lage noch weiter beobachten, ob sich wirklich neue Restaurants ansiedeln und dann entscheiden. Sicher ist nur: Wenn er wegzieht, wird Cammann mit seiner Faktorei wahrscheinlich die Stadt verlassen. Eine Alternative zum Innenhafen gibt es für ihn nicht.

Alle drei Duisburger Einkaufszentren haben Probleme, neue Mieter zu finden 

Der Innenhafen ist nur ein Standort, an dem sich Leerstände zeigen. Flaniert man durch die Duisburger Einkaufszentren, zeigt sich ein ähnliches Bild. Eine Bestandsaufnahme.

Die Königsgalerie

In der Königsgalerie hängt noch immer das Schild, das wirbt: „Hier eröffnet demnächst ihr Lieblingscafé“. Nur: Kaffeeduft hat hier noch nie jemand gerochen. Die jüngste Shopping-Immobilie ist bereits mit Leerständen gestartet und ist noch immer nicht komplett ausgelastet. Für Johan Bergethal von der Firma Coreo, die die Königsgalerie und gleichzeitig das „Forum“ betreibt, ist das eine ganz normale Situation. „Wir beurteilen die Lage positiv. Es ist normal, dass man immer Bewegung in einem Einkaufszentrum hat.“ Bergethal koordiniert deutschlandweit die Vermietungen in allen Coreo-Häusern und ist sich sicher, „dass man in der Königsgalerie im Boutiquenbereich bald weitere positive Nachrichten vermelden kann.“ Die Baustelle nebenan störe nicht. Im Gegenteil: Sie locke zusätzliche Kunden an, die nachschauen wollen, wie die Bauarbeiten am Stadtfenster fortschreiten.

Das Forum

Das Forum sei ein wichtiges Haus in der Innenstadt. Momentan steht das Ladenlokal leer, in dem das Café der Bäckerei Müller untergebracht war. Zudem stehen weitere gastronomisch genutzte Flächen leer. „Wir stehen derzeit in Verhandlungen mit einigen Interessenten“, so Bergethal. Insgesamt erfülle das Forum einen anderen Anspruch als die Königsgalerie, wo der Fokus auf Einzelhandel liege. Anders als im City-Palais, dessen Eingang sich direkt gegenüber befindet. „Dort gibt es mit dem Casino, der Mercatorhalle und dem gastronomischen Angebot einen anderen Schwerpunkt.“ Man versuche jedoch, Synergien zwischen den Häusern auszuloten.

Das City-Palais

Um die Gastronomie macht sich Jonni Zyta, Betreiber der Vinothek „City Vinum“ derzeit keine Sorgen. Früher hat er zahlreiche Videotheken betrieben, nun macht er in Wein. Der Laden brummt. Und auch auf die gastronomische Entwicklung – derzeit stehen drei ehemalige gastronomisch genutzte Ladenlokale im City-Palais leer – hat er einen Blick. „Ein Fischrestaurant würde das Angebot gut ergänzen. Wir haben ständig Interessenten bei uns sitzen.“ Früher, bevor er eröffnet hat, habe niemand an den Erfolg eines Weinlokals in Duisburg geglaubt. Denen hat er es gezeigt. Man müsse sich aber davon verabschieden, dass das City-Palais ein klassischer „Konsumtempel“ sei. Mit den Klamottengeschäften läuft es denn auch nicht so richtig, denn auch im vorderen Bereich gibt es Leerstände.