Warum Ulrich Grillo Duisburg zu mehr Selbstbewusstsein rät

Oliver Schmeer
Ulrich Grillo, Präsident des  Bundesverband der Deutschen Industrie und Duisburger Unternehmer, steht zu Marxloh und Duisburg.
Ulrich Grillo, Präsident des Bundesverband der Deutschen Industrie und Duisburger Unternehmer, steht zu Marxloh und Duisburg.
Foto: FunkeFotoServices
"Wir sind gerne in Marxloh", erklärt der Duisburger Unternehmer und BDI-Chef Ulrich Grillo im Interview. "Das Image ist schlechter, als es bei uns wirklich ist."

Duisburg. Herr Grillo, Ihr Unternehmen liegt mitten in Marxloh, das in der letzten Zeit immer wieder als No-Go-Area bezeichnet wurde. Wie nehmen Sie die Diskussion wahr?

Ulrich Grillo: Über No-Go-Areas wird offenbar gern berichtet. Ich sehe das nicht so. Marxloh hat fast 20.000 Einwohner, zwei Drittel von ihnen haben Migrationshintergrund. Marxloh kann sogar ein gutes Beispiel dafür sein, wie Zusammenleben funktionieren kann. Wenn Sie sich die Weseler Straße ansehen: Die ist bunt.

Dieses Image als No-Go-Area ist auch bei unseren Mitarbeitern, die dort leben und sich wohl fühlen, kein Thema. Auch Marxloh hat schöne Ecken. Das Image ist schlechter, als es bei uns wirklich ist. Ich habe übrigens mit der Bundeskanzlerin Frau Dr. Merkel gesprochen, nachdem sie in Marxloh war. Auch sie war angetan.

Duisburg insgesamt hat ein Imageproblem. Frage: Zu Recht? Haben Sie Empfehlungen?

Grillo: Mein Rat: Mehr Selbstbewusstsein hilft. Ein besseres Image ist aber keine Frage von Kampagnen, sondern von guten Taten. Wir müssen diesen Standort interessant machen. Dafür haben wir den Masterplan, dafür haben wir Duisburg 2027. Wir müssen den Standort attraktiver machen. Dann wird das Image von alleine besser. Das ist eine Frage des Machens - und das können wir im Ruhrgebiet. Wir können Strukturwandel, und das müssen wir in Duisburg zeigen. Duisburg hat zudem viele schöne Ecken und Flecken. Das sollten wir nicht vergessen.

Werden Sie auf Duisburg angesprochen, nach dem Motto, ach Sie kommen aus Duisburg?

Grillo: Passiert mir eigentlich nicht. Aber ich sage gern, dass ich aus Duisburg komme. Man hört ja auch, dass ich nicht aus Bayern komme, sondern die Sprache des Ruhrgebietes spreche.

Als BDI-Präsident sind Sie stark eingebunden, wie oft sind Sie in ihrem Duisburger Unternehmen?

Grillo: Das ist völlig unterschiedlich. Es kann sein, dass ich fünf Tage am Stück in Duisburg bin oder nur zwei Tage. In meinem dritten Jahr als BDI-Präsident war ich jetzt wieder öfter in Duisburg..

Wie groß ist Ihre Verbundenheit zu Duisburg, nicht zuletzt durch die Firmengeschichte?

Grillo: Die ist sehr groß. Ich arbeite in dem Büro, in dem mein Vater 35 Jahre tätig war. Hier habe ich schon als Kind auf seinem Schoß gesessen. Wir haben im Sitzungszimmer eine Wand mit allen Grillos, die im Unternehmen seit 1842 leitend tätig waren. Da hängt auch ein Foto meines Vaters, und ich weiß: Irgendwann wird da auch mal ein Bild von mir hängen. Das ist schon emotional und macht mich auch stolz. Als Namensträger für das Unternehmen arbeiten zu dürfen, das ist etwas Besonderes. Wir sind gern in Marxloh. Wir fühlen uns als Teil von Duisburg und engagieren uns auch für die Stadt.

Gibt es Orte in der Stadt, die Ihnen besonders nahe sind?

Grillo: Logischerweise unseren Firmensitz an der Weseler Straße 1, wo wir auch vor einigen Jahren eine neue Firmenzentrale gebaut und die Unternehmervilla von Grund auf saniert haben. Das ist, finde ich, gut gelungen und für Marxloh ein schöner Eingangspunkt. Wir wollten damit demonstrieren, dass wir in Duisburg bleiben wollen, hier arbeiten wollen, in Marxloh ausbauen, Arbeitsplätze sichern und schaffen wollen.

Und über Marxloh hinaus?

Grillo: Meine Frau hat hier in der Duisburger Innenstadt ihre Arztpraxis, das schafft auch Verbundenheit. Duisburg hat insgesamt viele schöne Ecken. Und es gibt in Großenbaum den Golfverein, in dem ich Mitglied bin, auch wenn ich die vergangenen drei Jahre nur selten auf dem Platz stand. Und ich nutze gerne die A 59. Die ist wirklich genial und verbindet unser Werk direkt mit dem Düsseldorfer Flughafen.

Wie ist Ihr Kontakt zur Stadtspitze?

Grillo: Gut, Oberbürgermeister Sören Link weiß, dass wir uns für Duisburg engagieren. Und wir wissen, dass er sich für Duisburg engagiert. Wir haben beide das gleiche Interesse, die Stadt weiterzuentwickeln.

Sie wohnen in Mülheim, der Firmensitz ist in Duisburg. Sind Sie Duisburger, Mülheimer?

Grillo: Ich fühle mich beiden Städten verbunden. Und vor allem fühle ich mich als Mensch aus dem Ruhrgebiet.

Das Traditionsunternehmen Grillo

Der 56-jährige Ulrich Grillo wurde in Köln geboren und lebt in Mülheim. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder. 2001 kehrte er in den Vorstand der Grillo-Werke AG in Duisburg zurück, seit 2004 ist er Vorstandsvorsitzender der Grillo-Werke. Grilllo ist gelernter Bankkaufmann und studierte Betriebswirtschaftslehre. Vor der Rückkehr in das Familienuntenehmen war er beim Rüstungskonzern Rheinmetall.

Von 2006 bis Ende 2012 war Grillo Präsident der Wirtschaftsvereinigung Metalle. Seit 2013 ist er Präsident des Bundesverbands der deutschen Industrie. Gabriela Grillo, Aufsichtsratsvorsitzende der Grillo Werke und auch der Duisburger Bürgerstiftung, ist seine Cousine.

Die Grillo Werke wurden 1842 von Wilhelm Grillo gegründet. Hauptsitz der AG ist an der Weseler Straße inMarxloh, der Produktionsstandort Chemie und Metall ist an der Buschstraße.