Warnung vor "medizinischer Katastrophe" in Duisburg-Marxloh

Rodika Domirten, eine Krankenschwester aus Bulgarien, kümmert sich ehrenamtlich um Menschen die zur Sprechstunde kommen.
Rodika Domirten, eine Krankenschwester aus Bulgarien, kümmert sich ehrenamtlich um Menschen die zur Sprechstunde kommen.
Foto: Foto: Jakob Studnar / FUNKE Foto Services
Sprechstunde für Menschen ohne Krankenversicherung: Klienten sind vor allem Zuwanderer. "Wir haben unsere Belastungsgrenze überschritten."

Duisburg.. In einem Brandbrief an den Leiter des Duisburger Gesundheitsamtes warnt Pater Oliver, der im Stadtteil Marxloh eine kostenlose Gesundheitssprechstunde für Menschen ohne Krankenversicherung eingerichtet hat, vor „einer menschlichen und medizinischen Katastrophe“.

Jeden Donnerstag bietet das ehrenamtliche Team aus Ärzten, Krankenschwestern, Übersetzern und Helfern um den Pater an der Kirche St. Peter die Sprechstunde an. Klienten sind vor allem Zuwanderer aus Rumänien und Bulgarien ohne gültige Krankenversicherung und „Menschen ohne Papiere“ – es soll 10 000 von ihnen in Duisburg geben. Vergangene Woche hätten gar mehr als 80 Bedürftige medizinische Hilfe gesucht, so der Pater: Schon in den Vorwochen waren es rund 70 Menschen.

„Da sich immer mehr auch schwerer erkrankte Menschen hier vorstellen ... wird die Behandlung immer komplexer und schwieriger.“ So versuche das Team gerade, für ein offensichtlich herzkrankes kleines Kind weitere Hilfe zu bekommen.

„Wir können diesem Ansturm nicht mehr sinnvoll begegnen“

Nach diesem kräftezehrenden Tag, an dem drei Ärzte, fünf Pflegekräfte, drei Dolmetscher und neun ehrenamtliche Helfer über viele Stunden bis in den späten Abend hinein im Einsatz waren, verfasste Pater Oliver seinen Brandbrief an Gesundheitsamtsleiter Dr. Dieter Weber. Inzwischen kreist das Schreiben aber auch bei allen im Rat vertretenen Parteien.

„Wir haben unsere Belastungsgrenze nicht nur erreicht“, so Pater Oliver, „sie ist überschritten“. Medizinische Mindeststandards seien unter diesen Bedingungen kaum aufrecht zu halten: „Die Situation wird immer dramatischer, und wir können diesem Ansturm nicht mehr sinnvoll begegnen. Es muss eine kurzfristige Lösung gefunden werden, die aus meiner Sicht nur an einem Krankenhaus angedockt werden kann.“

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