Wachdienst schützt Eine-Million-Euro-Briefmarke in Duisburg

Ingo Blazejewski
Ein Ausschnitt der "Briefmarke British Guiana one Cent" (1856). Ihr Wert wird auf eine Million Euro geschätzt. Am Wochenende ist die Rarität in Duisburg zu sehen.
Ein Ausschnitt der "Briefmarke British Guiana one Cent" (1856). Ihr Wert wird auf eine Million Euro geschätzt. Am Wochenende ist die Rarität in Duisburg zu sehen.
Foto: NRZ
Bei den Duisburger Philatelietagen wird am Wochenende die "British Guiana one Cent" zu sehen sein. Der Wert der Briefmarke wird auf eine Million Euro geschätzt, deshalb haben die Briefmarkenfreunde einen Wachdienst organisiert.

Duisburg. Mit dem Superlativ wird nicht gegeizt. Von der seltensten und wertvollsten Briefmarke ist die Rede, von der Weltrarität Nummer eins, vom Höhepunkt in der Geschichte der Duisburger Briefmarkenfreunde ohnehin: Bei den Duisburger Philatelietagen am Wochenende im Steinhof in Huckingen wird die „British Guiana one Cent“ zu sehen sein, um die sich zahlreiche Legenden ranken.

Ihr Wert wird auf rund eine Million Euro geschätzt, deshalb haben die Briefmarkenfreunde auch einen Wachdienst organisiert. Der Einbruch in den Steinhof lohnt sich nicht: Nachts wird das gute Stück an einen sicheren Ort gebracht. Dass die Marke überhaupt in Duisburg ist, liegt an persönlichen Beziehungen. Klaus Kühn, Geschäftsführer der Briefmarkenfreunde, ist Auktionator in Mülheim. Und ein Kunde des Auktionshauses ist der Besitzer der Rarität. „Ein Kaufmann aus Köln“, sagt Kühn, mehr darf oder will er nicht verraten. Die „British Guiana ohne cent“ sei jedenfalls seltener als die berühmte „Blaue Mauritius“. Die sei einfach nur bekannter. „Von der gibt es aber immerhin rund 10 bis 15 Stück“, sagt Kühn.

Selbst Wikipedia kenne nicht beide Exemplare der seltenen Briefmarke

Die British Guiana aber ist so selten, dass von den zwei bekannten Exemplaren selbst das Internet-Lexikon Wikipedia nur eines kennt. Die Marke ist ein Provisorium, das 1856 eine Lokalzeitung druckte, weil die Lieferung der Londoner Druckerei nicht eintraf. Ein Exemplar ist seit dem 19. Jahrhundert bekannt, der Verbleib aber unklar. Der letzte Besitzer, ein US-Milliardär, der sie 1980 für 935.000 Dollar kaufte, soll seit 1997 wegen Mordes im Gefängnis sitzen.

1999 tauchte dann das zweite Exemplar auf, das jetzt in Duisburg zu sehen sein wird. Die Echtheit der Marke hat jede Menge Gutachter und Experten beschäftigt, auf der Internetseite des Bundes Deutscher Philatelisten gibt es einen siebenseitigen Artikel mit dem Titel „Weltrarität oder Fälschung?“. Einer der Prüfer soll beide Marken als das „Turiner Grabtuch der Philatelie“ bezeichnet haben. Für Klaus Kühn ist die Echtheit jedenfalls unstrittig. Er rechnet am Wochenende mit 500 Neugierigen, die sich die Marke anschauen wollen.