Vorsitzender der Jungen Union Duisburg Jörg Brotzki war Wahlnomade

Svenja Aufderheide
Der umstrittene Vorsitzende der Jungen Union in Duisburg, Jörg Brotzki, (links)  wechselte häufig den Ortsverband. Das Foto zeigt ihn im November 2009 mit Alan Günes (Mitte, JU-Voritzender Stadtverbandsbezirk Rheinhausen), und JU-Sprecher Bartosch Lewandowski.
Der umstrittene Vorsitzende der Jungen Union in Duisburg, Jörg Brotzki, (links) wechselte häufig den Ortsverband. Das Foto zeigt ihn im November 2009 mit Alan Günes (Mitte, JU-Voritzender Stadtverbandsbezirk Rheinhausen), und JU-Sprecher Bartosch Lewandowski.
Foto: WAZ FotoPool
Nicht nur wegen der angeblichen "Sauftour" der Jungen Union (JU) 2010 ist deren Vorsitzender Jörg Brotzki umstritten: Er soll innerhalb von zwei Jahren fünf Mal den Ortverband gewechselt und dabei mehrere interne Wahlen beeinflusst haben.

Duisburg. Die Wahlnomaden beschäftigen die CDU weiter. Einer derjenigen, die gerne und häufig den Ortsverband wechselten, ist der umstrittene Vorsitzende der Jungen Union und stellvertretende Vorsitzende des Ortsverbandes Duissern, Jörg Brotzki.

Angefangen hat alles in Röttgersbach. Dort trat Brotzki, der zum damaligen Zeitpunkt in Neumühl wohnte, der CDU bei. Spätestens Ende Februar 2007 war der Politikstudent Mitglied im Ortsverband Neudorf, wo er am 26. Februar als Beisitzer in den Vorstand gewählt wurde.

Durchgefallen bei BV-Wahl

Die Sympathien der Neudorfer Christdemokraten reichten aber wohl nicht soweit, ihn am 20. August 2008 als Kandidat für die Wahl zur Bezirksvertretung Mitte aufzustellen. Brotzki fiel bei der Wahl durch. Daraufhin wechselte der Nachwuchspolitiker zum Ortsverband Zentrum, um hier zum zweiten Mal als Kandidat für die Bezirksvertretung Mitte gewählt zu werden. Doch die Rechnung ging ebenfalls nicht auf. Brotzki erhielt null Stimmen. Also auf nach Duissern.

Hier blieb Brotzki allerdings nicht lange, denn am 25. März 2009 wählt der Vorsitzende der Jungen Union im Ortsverband Huckingen Walter Becks zum Vorsitzenden. Eine legendäre Wahl, denn die Ereignisse in Huckingen nahm das Bundesschiedsgericht im Anfang 2011 zum Anlass, das Wahlnomadentum im CDU-Kreisverband Duisburg zu verurteilen und der Partei unter anderem „satzungswidriges Verhalten“ sowie „fehlerhafte Wahl“ vorzuwerfen. Dabei schrieb das Bundesschiedsgericht den Duisburger Christdemokraten ins Stammbuch, dass die „manipulationsfreie Willensbildung in einer Partei“ keine „Lappalie“ sei.

Das Huckinger Intermezzo von Jörg Brotzki währte nicht lange, denn bereits zwölf Tage später, am 25. März 2009 wurde der Christdemokrat, wieder im Ortsverband Duissern beheimatet, zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Diese Position hat Brotzki bis heute inne.

Neue Heimat Huckingen

Wie das Bundesschiedsgericht in seiner Entscheidung betonte, bestimmt der Wohnort die Zugehörigkeit zum Ortsverband. Danach hätte Brotzki in den letzten Jahren Mitglied des Ortsverbandes Neudorf sein müssen. Doch das gehört nun der Vergangenheit an. Der JU-Vorsitzende ist mittlerweile laut dem Ratsinformationssystem der Stadt in Huckingen gemeldet. Dem Heimat-Ortsverband von Walter Becks, dem Brotzki mit seiner Stimme 2009 zur Wiederwahl verhalf. Einer NRZ-Bitte um Stellungnahme kam Jörg Brotzki gestern nicht nach.