Von Frau zu Frau in der Fahrschule in Duisburg

Fahrlehrerin Andrea Bahr spricht mit ihrem Konzept speziell Frauen an – aber nicht nur.
Fahrlehrerin Andrea Bahr spricht mit ihrem Konzept speziell Frauen an – aber nicht nur.
Foto: Lars Fröhlich
Andrea Bahr hilft Frauen, ohne Angst Auto zu fahren. Mit ihrem Konzept ist sie über die Stadtgrenzen hinaus gefragt. Über ein berührendes Beispiel.

Duisburg.. Nadine Müller (Name geändert) steigt aus dem Auto und lächelt. Die Fahrstunde ist gut gelaufen. Das erste Mal auf der Autobahn, die engen Straßen in Hochfeld – kein Problem. Wenn ihr ein Fahrzeug entgegenkommt, weicht sie allerdings noch ganz automatisch aus. Dann ist die Angst kurz wieder da. Und die ist ganz und gar nicht mit der Verunsicherung zu vergleichen, die viele Fahrschüler gerade am Anfang kennen.

Die Duisburgerin ist einen weiten Weg gegangen, um wieder Vertrauen in die eigene Stärke haben zu können. Die hatte ihr ein äußerst gewalttätiger Ehemann lange auf brutale Weise genommen. Als sich Nadine Müller nun nach erfolgreicher Therapie entschließt, den Führerschein zu machen, ist es kein Zufall, dass sie sich für die Frauenfahrschule von Andrea Bahr in Huckingen entscheidet.

"Solche Männer machen dich klein"

Die 52-jährige Leiterin kümmert sich überwiegend persönlich um die Duisburgerin. „Sie könnte keinen Fahrlehrer haben. Wenn er bei einer Fahrstunde kurz die Hand heben würde, um ihr etwas zu zeigen oder einzugreifen, wäre es schon vorbei.“ Angesichts des Alptraums, den Nadine Müller erlebt hat, ist dies nur zu verständlich.

„Mein damaliger Mann hat nicht nur eine große körperliche, sondern vor allem eine psychische Macht auf mich ausgeübt und mich massiv mit dem Tod bedroht“, erzählt sie. „Solche Männer machen dich klein, wollen dich am Boden liegen sehen. Und du kannst dich dagegen einfach nicht wehren.“

Vertrauen aufbauen

Die Duisburgerin igelt sich komplett ein, bricht den Kontakt zu Freunden ab und geht nur noch zur Arbeit aus dem Haus. Vor 13 Jahren schafft sie es doch, sich von ihrem Mann zu trennen. Ein neuer liebe- und verständnisvoller Partner hilft ihr später und bis heute, neu Vertrauen aufzubauen. Die Duisburgerin ist trotzdem erst vor drei Jahren in der Lage, eine Therapie zu beginnen, die sie vor einigen Monaten beendet.

„Man glaubt gar nicht, wie oft ich mit solchen Schicksalen zu tun habe“, erzählt Andrea Bahr, die sich mit dem Konzept „Von Frau zu Frau“ einen Namen weit über die Stadtgrenzen hinaus gemacht hat. „Diesen speziellen Kurs gibt sonst nur noch in München und Hamburg.“ Aus dem gesamten Ruhrgebiet, so die 52-Jährige, teilweise sogar aus Ostdeutschland kommen die Kunden, um bei ihr den Führerschein zu machen.

Es sind vorwiegend Frauen, aber auch Männer, die sich mit ihrer Angst vorm Autofahren an sie wenden. „Dafür gibt es immer ja immer ganz individuelle Gründe. Ich höre erst einmal nur zu, beobachte und bekomme dann relativ schnell ein Gefühl, wo der Hebel anzusetzen ist.“ Nadine Müller kann das nur bestätigen. „Das sind oft nur kleine beruhigende Sätze. Du fühlst dich während der Fahrstunden unheimlich gut aufgehoben.“

Wenn die Duisburgerin weiter so große Fortschritte macht, könnte es mit dem Führerschein bis Weihnachten klappen. Es wäre ein besonderes Geschenk, das Nadine Müller aber auch gerne im neuen Jahr annimmt. Da hat sie keine Eile. Sie möchte vor allem anderen Frauen mit ähnlichem Schicksal Mut machen. Die Fahrstunden bei Andrea Bahr sind nur ein Abschnitt auf ihrem bewundernswerten Weg, aber ein wichtiger: „Ich steuere das Auto und es macht nur das, was ich will...“

EURE FAVORITEN