Von der friedlichen Philosophie angezogen

Carolin Paas
Bei der Buddhistischen Laienvereinigung Soka Gakkai. Christoph Wojtyczka
Bei der Buddhistischen Laienvereinigung Soka Gakkai. Christoph Wojtyczka
Foto: Christoph Wojtyczka / WAZ FotoPo

Duisburg. Als in den sechziger Jahren mehrere japanische Gastarbeiter ins Ruhrgebiet kamen, dachte wohl niemand von ihnen daran, dass sie 50 Jahre später als die Pioniere einer buddhistischen Glaubensgemeinschaft gefeiert würden.

Genau dies geschah am Samstag in der Alten Feuerwache Hochfeld, wo eben jenen Japanern im Rahmen einer kleinen Feierstunde für ihr Engagement zur Verbreitung ihres buddhistischen Glaubens gedankt wurde.

Neben einem Kurzfilm und zahlreichen musikalischen Darbietungen der Vereinsmitglieder bestand die Feier aus einem Interview mit vier der damaligen Gastarbeiter, die von ihren persönlichen Erfahrungen mit den Deutschen berichteten. „Ich habe den Menschen nur von meinen Erlebnissen mit dem Buddhismus erzählt und sie wollten sich meinem Glauben anschließen. Diese Offenheit hat mich sehr beeindruckt“, so Etsuko Yuasa, die 1965 als Krankenschwester nach Duisburg kam. Auch Tokuzo Oga, der als Bergarbeiter im Ruhrgebiet arbeitete, berichtet, dass es trotz der hohen Sprachbarriere möglich war, den Deutschen seinen Glauben nahe zu bringen. Heute besteht in Duisburg eine Gemeinde der Soka Gakkai International, einem Verein praktizierender Buddhisten mit zahlreichen Schwesterorganisationen auf der ganzen Welt, dem allein in Deutschland über 5000 Mitglieder angehören.

Friedliche Philosophie

„In unserem Verein geht es darum, dass jeder dabei sein kann, der will“, so Bärbel Zibold, Kamerafrau aus Duisburg und seit mehreren Jahren praktizierende Buddhistin.

Yoshi Matsuno, der sich seit seiner Übersiedlung nach Deutschland ehrenamtlich in der Soka Gakkai engagiert, hielt nach der Ehrung der Pioniere einen Kurzvortrag über das Leben mit dem Nichiren-Buddhismus, einer Abwandlung des ursprünglichen Buddhismus nach den Lehren des Mönchs und Gelehrten Nichiren. Laut Matsuno liege das Augenmerk jenes Glaubens auf dem Frieden mit sich selbst, weshalb er Menschen aller Nationalitäten und Kulturen helfen könne.

Katja Pieck, die sich im Rahmen der Veranstaltung von Matsuno in die Gemeinschaft aufnehmen ließ, hat sich von dieser Einstellung bereits überzeugen lassen. „Obwohl ich nie wirklich gläubig war, hat mich die friedliche Philosophie der Buddhisten davon überzeugt, dass dieser Weg der richtige für mich ist.“

Erfolgreiche Jubiläumsveranstaltung

Auch Theresa Momsen, seit 1986 Mitglied, ist von der positiven Wirkung des Buddhismus überzeugt und berichtet, dass der Glaube ihr bei der Überwindung vieler ihrer Probleme geholfen habe.

Gegen Ende der Veranstaltung dankten die japanischen Ehrengäste ihrerseits den zahlreich erschienenen Anwesenden aus dem ganzen Ruhrgebiet. „Dass unsere Überzeugungen in einem fremden Land so gut ankommen, hat damals keiner von uns für möglich gehalten“, so Goro Hiyama, ebenfalls ehemaliger Bergarbeiter. Und daran, dass die Zahl der Vereinsmitglieder im Laufe der Zeit noch steigen wird, glauben die Gründer nach der erfolgreichen Jubiläumsveranstaltung fest.