Vom Rhein nach Mülheim in 18 Minuten

Martin Ahlers
radschnellweg
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Foto: wnm
Als „Premiumradweg“ soll der Radschnellweg Ruhr (RS1) eine 100 Kilometer lange Verbindung zwischen Duisburg und Hamm schaffen. Ausgangspunkt ist die Hochfelder Eisenbahnbrücke.

Duisburg. Mit dem gut 100 Kilometer langen Radschnellweg Ruhr (RS1) soll eine schnelle Verbindung durch das Ruhrgebiet zwischen Duisburg und Hamm entstehen. Startpunkt ist die Eisenbahnbrücke zwischen Hochfeld und Rheinhausen. Von dort aus soll der „Premiumradweg“ entlang der sogenannten „Rheinischen Bahn“ über 6,1 Kilometer Hochfeld, Neudorf und den Stadtwald Richtung Mülheim kreuzen. Eine Machbarkeitsstudie, die nun dem Rat, Ausschüssen und Bezirksvertretungen zur Entscheidung vorliegt, prognostiziert Baukosten in Höhe von 32,4 Millionen Euro für den Duisburger Abschnitt. Die Gesamtkosten sollen sich auf rund 184 Millionen Euro belaufen.

Durch den Radweg, so hoffen die Planer, soll das Zweirad nicht nur zu einer attraktiven Alternative für die Fortbewegung zwischen den Anrainerstädten, sondern auch innerhalb der Duisburger Stadtgrenzen werden. Bei Tempo 20, so rechnen sie vor, beträgt die Fahrtzeit vom Rhein bis zur Mülheimer Stadtgrenze gerade 18 Minuten. Weil auf der Bahntrasse teilweise noch Zugverkehr läuft, müssen nicht nur 4,6 Kilometer Radweg neu gebaut, sondern weitere 2,3 Kilometer auf den Regelquerschnitt von vier Metern ausgebaut werden. Um die Zufahrt und die Anbindung an das bestehende städtische Radwegenetz zu gewährleisten, entstehen sechs Brücken neu, zwei weitere müssen instand gesetzt werden. Außerdem sind sieben neue Rampen und zwei weitere Unterführungen vorgesehen für die barrierefreie Ost-West-Verbindung.

RS1 als wesentlicher Baustein im Alltagsverkehr

Die historischen Brückentürme neben der Eisenbahn am Westufer des Rheins sehen die Planer als „symbolträchtige Landmarke“ am Kilometer Null des RS1. Er könne „mit Licht nach außen sichtbar gestaltet werden“. Auf der Nordseite der Brücke selbst soll neben dem schon vorhandenen schmalen Fußweg ein weiterer Steg für den Radverkehr angeflanscht werden, am Rheinpark auf der Hochfelder Seite eine Service-Station entstehen, so die Autoren der Studie. Westlich der Rheinbrücke sollen außerdem bestehende Radwege sowohl in Richtung Moers/Kamp Lintfort, als auch in Richtung Krefeld optimiert werden.

Einstimmig für das Projekt ausgesprochen hat sich am vergangenen Donnerstag bereits der Planungsausschuss des Regionalverbands Ruhr (RVR) – unter seiner Regie treiben die beteiligten Kommunen in einem gemeinsamen Arbeitskreis die Planung voran. „Der RS1 kann ein wesentlicher Baustein im Alltagsverkehr werden und relevante Umsteigepotenziale auch vom Pkw mobilisieren“, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung der Fraktionen im RVR-Verbandsparlament.

Machbarkeitsstudie: Nutzen übersteigt die Kosten 

Die Machbarkeitsstudie, erstellt von vier Planungsbüros und finanziert von Bundesverkehrsministerium, attestiert der Strecke „großes Nachfragepotenzial“: Nicht zuletzt durch die rasante steigende Zahl von E-Bikes und Pedelecs werde „die Fahrradnutzung auf mittleren Entfernungen von fünf bis 15 Kilometern deutlich ansteigen“. In ihrer Kosten-Nutzen-Analyse prognostizieren die Autoren der Studie von einer Steigerung des Fahrrad-Verkehrsanteils von derzeit zehn auf 14 bis 20 Prozent aus. In jedem Fall, so betonen sie, übersteige der Nutzen bei weitem die Kosten: weil weniger Schadstoffe entstehen, die Verkehrssicherheit verbessert wird, Gesundheitskosten gespart und weniger Ressourcen verbraucht werden.

Für die Finanzierung des durchgängigen Baus des RS1 (Teilabschnitte, etwa zwischen Essen und Mülheim, sind schon fertig), soll ein gemeinsamer Arbeitskreis von Bund, Land, RVR und Städten ebenso Lösungen finden wie für die Instandhaltung. Bund und Land werden bei Finanzierung und Trägerschaft die Hauptlast tragen müssen. Die Duisburger Planer geben sich in der Vorlage für den Rat optimistisch: Das Bundesverkehrsministerium habe „eine hohes Maß an Unterstützung für die Umsetzung mehrfach öffentlich bekundet“, das Land seinerseits angekündigt, über eine Novelle des Straßen- und Wegesetzes den RS1 als „Landesradweg“ in seine Baulast zu übernehmen. Dass noch in diesem Jahrzehnt die Radler über die Duisburger Radschnellweg-Trasse nach Mülheim flitzen, sehen derzeit allerdings nur die Autoren der Machbarkeitsstudie.