Voll Harmonie

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Es herrscht, so scheint’s, ausgesprochen freundlicher Umgang zwischen den Oberbürgermeister-Kandidaten.

Duisburg.. Der Benno von der CDU duzt den Sören von der SPD, der Sören duzt den Benno und beide duzen auch die Ingrid von den Bündnisgrünen. Und der Benno nimmt die Oberbürgermeister- Wahlplakate vom Sören und der Ingrid zum Aufhängen mit ins Altenheim. Es herrscht, so scheint’s, ausgesprochen freundlicher Umgang zwischen den Oberbürgermeister-Kandidaten. Seit Tagen eilen sie von einer Talkrunde zur nächsten, könnte jeder fast schon für den anderen in die Bresche springen. Und auf kurzes, abstimmendes Zunicken antwortet Sören Link auf eine Frage auch zuweilen stellvertretend für alle anderen.

Beispiel für neue (Streit-)Kultur

So sieht er also aus, der Oberbürgermeister-Wahlkampf, der mit der Wahl die Frage beantworten wird, wer künftig einflussreiches Stadtoberhaupt einer der größten Städte Deutschlands sein wird. Dass der Massenauflauf mit 13 Kandidaten derart harmonisch, ohne persönliche Verunglimpfungen abläuft, wer wollte das beklagen? Zumal dieser Umgang zukunftsweisend sein kann, wie sich nach der Wahl politische (Streit-)Kultur in der Stadt darstellen könnte. Allerdings bleiben die inhaltlichen Konturen der Kandidaten dabei eher unscharf. Auf die bisherige Briefwahl-Beteiligung hat sich der, sagen wir, dezente Wahlkampf nicht negativ ausgewirkt. Sie ist so hoch wie sonst bei Kommunalwahlen, geringer allerdings als bei der Sauerland-Abwahl im Februar, die die Menschen fraglos mehr bewegte, die fraglos auch mehr polarisierte.

Klare Führung gefragt

Dennoch muss klar sein: Die OB-Wahl ist kein Ringelreihen. Es geht um Duisburgs wichtigste Schaltstelle, die verwaist ist. Die Verwaltung braucht klare Führung, die Stadtgestaltung neue Akzente. Investoren und Projektentwickler klagen, dass es keinen Ansprechpartner gibt. Der oder die neue OB muss Verantwortung übernehmen. Es sei daran erinnert: Sauerland wurde abgewählt, weil er keine Verantwortung übernehmen wollte. Deshalb wird jetzt neu gewählt. Kurz nach der OB-Wahl jährt sich im Übrigen die Loveparade-Katastrophe zum zweiten Mal. Nicht zuletzt wegen des aktuellen Streits um die Gedenkstätte sind gerade dann auch klare Worte der künftigen Stadtspitze gefordert.

Neuanfang nach der Loveparade Während die Kandidaten wahlkämpfen, raucht den Ratsfraktionen wegen des Sparpakets der Kopf. Es deutet sich an: Die Opernehe bleibt besteht, auch bei die Kita-Gebühren gibt es ein Nein, ebenso bei der Sprachförderung. Schon fehlen aber 12, 13 Mio Euro Sparsumme. Wo die herkommen sollen, ist noch offen. Auch dazu müssen die OB-Kandidaten jetzt klare Positionen beziehen.

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