Virtuelle Gesichter testen Karriere-Einfluss

Für das Forschungsprojekt über die Wirkung von Profilbildern in Online-Karrierenetzwerken wie Xing an der Universität Duisburg-Essen entwarf die Forscherin Sabrina Sobieraj virtuelle Gesichter ohne Mimik.
Für das Forschungsprojekt über die Wirkung von Profilbildern in Online-Karrierenetzwerken wie Xing an der Universität Duisburg-Essen entwarf die Forscherin Sabrina Sobieraj virtuelle Gesichter ohne Mimik.
Foto: Sabrina Sobieraj
Für junge Arbeitssuchende und vor allem junge Akademiker gehören sie zum Alltag: Karriereportale im Internet. Eine Studie der Universität Duisburg-Essen untersucht Bewerbungsprofile in diesen Portalen und besonders die Porträtfotos in den Profilen.

Duisburg.. Für junge Arbeitssuchende und vor allem junge Akademiker gehören sie zum Alltag: Karriereportale im Internet – beispielsweise Xing. Hier präsentieren sie sich mit ihren Lebensläufen, Fähigkeiten und Interessen – und mit einem Profilfoto. Solche Bewerbungsprofile und besonders die Porträtfotos in diesen Profilen untersucht derzeit eine Studie der Universität Duisburg-Essen am Lehrstuhl Sozialpsychologie, Medien und Kommunikation.

In der Studie untersucht das Team um Prof. Dr. Nicole Krämer unter anderem, ob gleiche Informationen unterschiedlich bewertet werden, wenn sie mit einem Männer- oder einem Frauenporträt versehen sind.

Einfluss des Geschlechts von Interesse

„Uns interessiert der Einfluss des Geschlechts bei den dargestellten Personen – nicht zuletzt, weil die ungleiche Repräsentation von Frauen in Führungspositionen so heiß diskutiert wird“, so die Projektmitarbeiterinnen Sabrina Eimler und Sabrina Sobieraj. In einem Experiment wurde dazu das Geschlecht und der Attraktivitätsgrad der Online-Netzwerker verändert. Um die Gesichtsmerkmale systematisch kontrollieren zu können, verwendete die Forschergruppe virtuelle Gesichter.

„Hätten wir echte Gesichter genommen, könnten wir nicht ausschließen, dass die Profilfotos anhand des Gesichtsausdruckes bewerten werden. Mit den künstlichen Gesichtern haben aber alle einen von uns bestimmten Ausdruck“, erklärt Eimler.

Gutes Aussehen ist von Vorteil

Ein erstes Ergebnis der Studie: Die 150 Teilnehmer, die die Profile bewerten sollten, waren meistens nicht objektiv. Den dargestellten Männern sprachen sie allgemein einen größeren Freundeskreis zu und weniger Interesse an der Familie als den Frauen. Trotz des gleichen Werdegangs schrieben sie den Frauen häufiger Eigenschaften aus dem weiblichen Rollenstereotyp zu, z.B. Abhängigkeit, Empfindsamkeit, Toleranz oder Intuition. Bei den Männern waren es eher „instrumentelle“ Eigenschaften der klassischen Führungsrolle, z.B. Karriereorientierung, Hartnäckigkeit, Risikobereitschaft oder Selbstbewusstsein.

Und: Gutes Aussehen ist vorteilhaft. Attraktive Personen wurden als beliebter eingeschätzt. Allerdings wirken sich laut der Studie weder Attraktivität noch Geschlecht auf den Marktwert bei der Jobsuche aus. Es gab keine Unterschiede bei der Frage, wie gut die Einstellungschancen für eine ausgeschriebene Stelle sind. Hier zählte allein der Lebenslauf. „Doch insgesamt zeigt die Studie, dass die gleiche Profilinformation beim Betrachter unterschiedliche, mit den Geschlechterstereotypen konforme Zuschreibungen hervorruft. Das ist vor dem Hintergrund von Chancengleichheit kritisch zu sehen. Anonyme Profile könnten hier ein Lösungsansatz sein“, fasst Professorin Krämer zusammen.

EURE FAVORITEN