Virtuelle Achterbahn im Stadtfenster

Johannes Bansner
Aktionstag rund ums Selbermachen. Rayk Wieland arbeitet mit beim Repair Cafe und kann mit seinem 3D Drucker kaputte Plastikteile ersetzten, indem er sie neu ausdruckt.
Aktionstag rund ums Selbermachen. Rayk Wieland arbeitet mit beim Repair Cafe und kann mit seinem 3D Drucker kaputte Plastikteile ersetzten, indem er sie neu ausdruckt.
Foto: FUNKE Foto Services
  • Der erste Duisburger „Makerspace“ im Stadtfenster fand eine große Resonanz unter Technikfreunden
  • Vorgstellt wurden Projekte, Prototypen und Möglichkeiten der digitalen, virtuellen Welt
  • Der Tag, den Josip Sosic von der VHS mit der Stadtbibliothek organisiert hat, soll wiederholt werden

Duisburg.  Wer hätte gedacht, dass eine Achterbahnfahrt mit Looping und Schraube inklusive der schwindelerregenden Aussicht im Café des Stadtfensters möglich ist? Alles, was die Besucher für das 360 Grad-Erlebnis brauchen, ist ein Smartphone und ein sogenanntes Cardboard, das das Mobilgerät vor den Augen festhält – und schon sind die Gäste in der virtuellen Realität.

Beim ersten Duisburger „Makerspace“ vergangenen Samstag treffen zahlreiche Technik-Begeisterte und Tüftler aufeinander, um Projekte, Prototypen und Potenziale der digitalen Welt vorzustellen und zu erleben. „Produzieren statt konsumieren ist das Motto der Aktion. Außerdem ist es eine super Möglichkeit, dass sich junge Menschen damit auseinandersetzen, sich dafür begeistern und auch berufliche Perspektiven kennenlernen“, erklärt Josip Sosic von der VHS. Zusammen mit der Stadtbibliothek hat sie den „Makerspace“ ins Leben gerufen. Neben der Theorie, die Interessenten in vielfältiger Weise ausleihen können, gibt es auch speziell Kurse der VHS, die dem Umgang mit neuester Technik beibringen.

Schoki aus dem 3D-Drucker

So wie die Benutzung von 3D-Druckern. Die im Computer erarbeiteten Vorlagen können in kürzester Zeit hergestellt werden – am Samstag druckt die Maschine vorwiegend Armbänder für die Gäste. Die Spezialisten von der Hochschule Rhein-Waal haben einen klitzekleinen Teil ihres modernen Equipments mitgebracht. „Wir arbeiten hauptsächlich mit 3D-Drucken und 2D-Schneidern, also Lasercuttern“, berichtet Projektleiter Marc Kohlen, der auch als VHS-Dozent arbeitet. Im Fertigungslabor der Hochschule stehen auch Schokoladen- und Marzipandrucker parat, „aber dafür nehmen wir selbstverständlich richtige Kakaomasse und nicht den Kunststoff, der für die Armbänder verwendet wird“, stellt Kohlen augenzwinkernd klar. Fasziniert vor dem Drucker steht auch Ahmed Alobaid. Der Architekt ist begeistert von den Möglichkeiten: „Es gibt sogar schon Häuser und Hotels, die komplett aus 3D-Druckern stammen. Jedes benötigte Einzelteil wurde gedruckt. Das ist einfach faszinierend – das ist die Zukunft“, meint der junge Mann.

Roboter aus Hamborn

Hinter Alobaid gabeln Roboter Schokoriegel vom Boden auf. Die Roboter-AG der Sekundarschule Hamborn hat zum „Makerspace“ mehrere ihrer selbstgebauten und programmierten Exemplare mitgebracht. „Mit Lego-Mindstorms kann man entweder nach Anleitung Roboter bauen oder auch selber Konstruktionen entwerfen“, erklärt die Siebtklässlerin Vanessa Schöffel. Ihre Schule hat schon zweimal beim landesweiten Programmier-Wettbewerb „Robo-Cup“ den ersten Preis geholt. „Ich will auf jeden Fall was mit Technik später machen, vielleicht entwickele ich mal einen Roboter, der mir beim Hausputz hilft“, lacht Vanessa. Die beweglichen Maschinen lassen sich per Smartphone steuern und haben einen Akku integriert.

„Wir werden auf jeden Fall den ,Makerspace’ wiederholen. Die Resonanz ist riesig und Aussteller und Besucher sind gleichermaßen engagiert und begeistert“, stellt Josip Sosic erfreut fest.