Viermal Schiller und seine Pappenheimer

„Schiller – sämtliche Werke (leicht gekürzt)“ feierte im Rheinhauser Komma-Theater Premiere. Hinreißend komisch, respektlos, und ein Muss für Deutschlehrer - und ihre Schüler.

Duisburg. „Schiller, du alte abgefuckte coole Sau!“ Dieser Satz mag manch altgedientem Deutschlehrer die Zornesröte ins Gesicht treiben. Wer denn einen solch respektlosen Quatsch verzapft habe, wird er vielleicht donnern. Seine Schüler aber werden sich fragen, was denn an dem Weimarer Klassiker cool sei. Antworten finden beide vielleicht im Rheinhauser KOMMA-Theater. Da feierte ein Schauspieler-Quartett mit „Schiller – sämtliche Werke (leicht gekürzt)“ Premiere.

Das Stück von Michael Ehnert ist offensichtlich von „Shakespeares sämtliche Werke (leicht gekürzt)“ inspiriert. Doch Ehnerts Arbeit ist kein billiger Abklatsch eines internationalen Erfolgs. Bei aller Lust an Respektlosigkeit, Parodie und Kalauern, etwa beim Spiel mit „Fiesco“ und „Fiasko“ oder dem Satz „Schiller chillt“, nimmt Ehnert Friedrich Schiller durchaus ernst. Das Darsteller-Quartett – Uwe Frisch-Niewöhner, Nils Beckmann, Till Beckmann und Hilmi Sözer – mimt abwechselnd den Dichterfürsten und reitet im Galopp durch Schillers Dramen.

Theaterstück bietet nicht nur gut gemachte Schiller-Comedy

Das gibt reichlich Anlass, schauspielertypische Eifersüchteleien zu karikieren, blitzschnell die Rollen zu wechseln oder reichlich Theaterblut zu vergießen, das hier allerdings aus rotem Glitzerkonfetti besteht. Es gibt herrlichen Blödsinn auf der Bühne zu sehen, wenn das Geheimnis der „Pappenheimer“ gelüftet wird und alle vier wie Kinder die Reiter mit Pferden spielen. Franz Mohr wird zum Quasimodo-Verschnitt und Hilmi Sözer gibt den Dogen im „Fiesco“ als Parodie auf Coppolas „Paten“. Apfelstücke formen die berühmten Hängebacken.

Doch der Abend geht weit über eine gut gemachte Schiller-Comedy hinaus. Mehr als einmal demonstrieren Sözer, Frisch-Niewöhner und die beiden Beckmanns Kraft und Rhythmus von Schillers Sprache. Sie führen vor, was Theater alles sein kann: knatternde Schmiere, große Geste, tiefster Ernst, hohles Pathos und hinreißende Komik. Wie eng solche Pole beieinander liegen, zeigt Hilmi Sözer, wenn er Frauenrollen spielt.

Ein Triumph für das Quartett

Da denkt man noch beim Einstieg in eine Szene an pure Parodie, doch dann folgt man ihm gebannt, vergisst, dass die Elisabeth aus „Maria Stuart“ oder die Luise aus „Kabale und Liebe“ nicht von einer Frau gespielt wird. Irgendwann trennt Sözer die Körpersprache vom ernsten Ton und die Szene gleitet zurück ins Komische, Travestiehafte. Seine Hitlerparodie als „Wallenstein“ baut nach ähnlichem Muster einen Bogen zwischen Bedrohung und Lächerlichkeit auf.

Auch wenn Sözer der auffälligste Akteur ist, so dominiert er den Abend keineswegs. Die starken Momente sind gleichmäßig verteilt. Der Abend ist der Triumph eines Quartetts, das das Interesse an Schiller weckt, gerade weil es respektlos mit ihm umgeht.

Das KOMMA-Theater ist seit 1994 das städtische Theater für Kinder- und Jugend-Kultur. Bespielt und verwaltet wird das Haus in der Schwarzenbergerstraße 147, Duisburg-Rheinhausen, von der Gruppe ReibeKuchenTheater.

Neben dem Schwerpunkt, Theater für Kinder und Jugendliche, will das Haus mit seiner neuen Reihe „KOMMA am Abend“ auch ein erwachsenes Publikum für sich gewinnen. Nach „Gerolimenos“ ist „Schiller – sämtliche Werke“ die zweite Produktion in dieser Reihe. Die nächsten Termine für die Schiller-Comedy sind der 10., 11. und 31. Mai. Karten für 13 Euro, ermäßigt 10 Euro, können unter Tel. 0203 - 283 8486 bestellt werden.