Vermummte attackierten Bürger nach Gesprächsrunde zum Roma-Haus

Wieder Aufruhr um den als "Problemhaus" bekannt gewordenen Wohnblock in Duisburg-Rheinhausen, in dem Roma-Familien leben: Nach einer Diskussionsveranstaltung um Freitag haben nach Angaben der Polizei Vermummte Bürger angegriffen und zum Teil verletzt.
Wieder Aufruhr um den als "Problemhaus" bekannt gewordenen Wohnblock in Duisburg-Rheinhausen, in dem Roma-Familien leben: Nach einer Diskussionsveranstaltung um Freitag haben nach Angaben der Polizei Vermummte Bürger angegriffen und zum Teil verletzt.
Foto: dpa
Nach einer emotionalen Diskussion zum Rheinhauser Roma-Haus attackierten Vermummte mehrere Bürger und verletzten vier mitunter schwer. Die Angreifer zählen wohl zum linksautonomen Spektrum. Mit einem Großaufgebot stürmte die Polizei das Haus In den Peschen, in dem sich Verdächtige versteckt hatten.

Duisburg. Nicht erst seit den ausländerfeindlichen Vorfällen am Roma-Haus ist die Atmosphäre im Duisburger Stadtteil Rheinhausen angespannt. Deshalb hatte der Verein „Bürger für Bürger“, der an den Bergheimer Roma-Häusern auch wertvolle Integrationsarbeit leistet, am Freitagabend zu einer Gesprächsrunde eingeladen hatte. „Wir wollten, dass die Leute einmal richtig Dampf ablassen können, damit sich die Situation entspannt“, erzählt der Vorsitzende Rolf Karling.

Aber es blieb nicht bei hitzigen Wortbeiträgen, Anfeindungen und Beschimpfungen zwischen den Nachbarn des so genannten „Problemhauses“ und Teilnehmern der Nachtwache, die die Hausbewohner seit einigen Tagen beschützen. Das Gegenteil war leider der Fall. Es kam zu einem blutigen Übergriff, später stürmte die Polizei das Roma-Haus.

Als einige Anwohner aus dem direkten Umfeld des Wohnblocks an der Straße In den Peschen offen ihre Probleme mit Teilen der Zuwanderer geschildert hatten, sei eine Gruppe von rund 15 jungen Leuten empört aufgestanden, habe diese Menschen als „Nazis“ tituliert und dann empört die Runde verlassen. „Es waren offene Worte, aber kein Rassismus“, sagt Karling hingegen,der die Veranstaltung moderierte.

Vermummte schlugen mit Stangen auf Bürger ein

Nichts habe darauf hingedeutet, dass es später zu einer körperlichen Auseinandersetzung kommen würde, erzählt Rolf Karling: „Die jungen Leute sahen ganz normal aus und erweckten nicht den Anschein, dass es Linksautonome seien, die auf Randale aus sind. Ich hätte sonst schon vorher die Polizei gerufen.“

Nach der Diskussionsrunde, so der derzeitige Ermittlungsstand der Duisburger Polizei am Samstagnachmittag, sollen dann zwischen zehn und 15 Vermummte mehrere Besucher der Runde überfallen und mit Stangen und Reizgas attackiert haben, so Polizeisprecher Ramon van der Maat. Ähnlich schildert Karling die Vorkommnisse an diesem Abend. „Ich habe panische Kinderschreie an dem Büdchen gehört und Menschen gesehen, die aufeinander eingeprügelt haben.“ Daraufhin sei er sofort dorthin geeilt.

Filmten die Täter die brutale Attacke?

Einen männlichen Besucher der Gesprächsrunde sollen die Angreifer auch noch auf dem Boden liegend "mit Wucht gegen den Kopf getreten haben“, schildert Karling den Angriff, den er als Augenzeuge miterlebt und den er zu schlichten versucht hat. Von den vier Verletzten wurden drei ambulant behandelt, eine alleinerziehende Mutter blieb aufgrund ihrer Verletzungen bis zum Samstagnachmittag stationär im Krankenhaus.

Von Rechtspopulisten, die während der Gesprächsrunde Stimmung gemacht haben und nachher auch die Linksautonomen durch die Straßen gejagt haben sollen, weiß Karling nichts. „Die Aggression ging allein von den Linksautonomen aus.“ Am Rande der Szenerie habe außerdem ein junger Mann gestanden, der alles mit einer Videokamera gefilmt habe.

Drei Festnahmen bei Stürmung des Roma-Hauses

„Zusammen mit einigen Polizisten haben sich Zeugen des Vorfalls dann im direkten Umfeld nach möglichen Tatbeteiligten umgesehen - und einige von ihnen wurden in den Reihen der Nachtwache wiedererkannt“, erklärt Polizeisprecher van der Maat später die Geschehnisse. Als die Beamten die Personalien dieser Leute, die die Polizei der Autonomen Linken zurechnet, feststellen wollten, flüchteten alle - zum Teil in das Haus, heißt es weiter.

Daraufhin zog die Polizei rund 40 Kräfte, darunter einige Diensthundeführer, an dem Bergheimer Wohnblock zusammen, und stürmte gegen 21.30 Uhr das Gebäude. Dabei sollen auch Hausbewohner, unter anderem ein Vater mit seinem Sohn, die Polizisten mit Eisenstangen angegriffen haben.

Ob die beiden die Beamten wirklich verletzen wollten oder die Einsatzkräfte in der Dunkelheit nicht als Polizisten erkannt haben, ist offen. Beide nahmen die Polizisten vorläufig fest. Während der Vater zur Personalienfeststellung mit auf die Wache musste, ließen die Polizisten den 13-Jährigen direkt wieder laufen. Den Mann erwartet nun ein Verfahren wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte.

Zwei Linksautonome in Gewahrsam genommen

Zwei 17 und 20 Jahre alte Linksautonome nahm die Polizei ebenfalls in Gewahrsam. Gegen sie wird nun wegen Landfriedensbruchs ermittelt. Auch diese Verdächtigen kamen nach Feststellung der Personalien wieder auf freien Fuß.

Von einem weiteren Notruf, den eine rumänische Frau nach einem vermeintlichen Angriff auf sich und drei Weggefährten abgesetzt haben soll, ist im Einsatztagebuch der Polizei hingegen nichts vermerkt. Davon hatten Teilnehmer der Nachtwache zunächst berichtet.

Zusammenstöße bei Pro Deutschland-Demo befürchtet

„Es tut mir leid, dass dies alles nach meiner Veranstaltung passiert ist. Vom rechten Spektrum hätte ich schon mit Störungen gerechnet, aber nicht von den Linken, die unbewaffnete Anwohner angreifen“, kann die Karling die Erlebnisse des Freitagabends in Rheinhausen noch immer nicht ganz fassen. „Wir machen aber weiter und lassen uns weder von links noch von rechts einschüchtern“, sagt der engagierte Rheinhauser.

Trotzdem denkt er mit Sorge an den kommenden Donnerstag. Dann laufen die Rechtspopulisten der Pro Deutschland-Bewegung am Roma-Haus und an der Merkerz-Moschee im Duisburger Norden auf. Nicht nur er, auch die Polizei, befürchtet Zusammenstöße zwischen beiden extremen Lagern.

 
 

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