Verliebt ins „pottschöne“ Duisburg

Peter Gärtner hat für Arbeitskollegen eine Stadttour durch Duisburg organisiert und dabei seine Heimatstadt ganz neu entdeckt. Er findet: Duisburg und das Ruhrgebiet sind doch eigentlich „pottschön“.
Peter Gärtner hat für Arbeitskollegen eine Stadttour durch Duisburg organisiert und dabei seine Heimatstadt ganz neu entdeckt. Er findet: Duisburg und das Ruhrgebiet sind doch eigentlich „pottschön“.
Foto: WAZ FotoPool
Peter Gärtner hat bei der Vorbereitung einer Stadt-Tour für Arbeitskollegen ganz neue Seiten seiner Heimat kennengelernt und sich in seine Geburtsstadt verliebt. Mit einer Internetseite will er ein neues Ruhr-Gefühl entwickeln, denn die Bewohner des Ruhrgebiets können stolz sein auf ihre Heimat.

Duisburg.. Mit den Wortneuschöpfungen ist das ja so eine Sache. Sie tauchen auf, vielleicht schaffen sie es in den Sprachgebrauch der Jugend, aber sie verschwinden auch wieder. Ganz selten setzt sich etwas fest und schafft es sogar bis in den Duden. Peter Gärtner träumt davon, das nächste „googeln“ gefunden zu haben. Und das auf einer wunderbaren Reise durch seine eigene Heimatstadt.

Gärtner ist Duisburger. Schon immer. Aber nie mit großem Enthusiasmus. Er war halt Duisburger. Bis zum letzten Sommer. Da baten ihn einige Arbeitskollegen um eine Rundtour durch die Stadt, denn sie kämen von außerhalb, hätten schon viel gehört, aber nie etwas gesehen von diesem Duisburg. „Ich wollte das natürlich gut machen und habe über Wochen eine Tour ausgearbeitet“, sagt der 55-Jährige. Er machte Stadtrundfahrten, las Bücher, recherchierte im Internet und lernte seine Heimat von einer ganz neuen Seite kennen. „Man kann schon sagen, ich habe mich in dieser Zeit in meine Heimatstadt verliebt.“

Der Ruhri darf stolz sein

Und bei seinen Recherchen stieß Gärtner auf ein Wort, dass ihm seitdem nicht mehr aus dem Kopf geht: pottschön. „Potthässlich kennt jeder und nutzt es als besonders abwertend. Das Gegenteil möchte ich mit pottschön erreichen.“ Aus seiner Sicht beschreibt das Wort schön, auf eine herbe und liebenswerte Art, wie sie den Städten des Ruhrgebiets zu eigen ist. Eben mit ihren beeindruckenden Industriedenkmälern zwischen grüner Natur und Städten mit ihrem ganz eigenen, besonderen Charme. Gärtner ließ ein Logo entwickeln, das zu seiner Definition von „pottschön“ passt. Das Wort „Pott“ in grau, „für die Historie des Ruhrgebiets mit seiner Kohle- und Stahlarbeiter-Tradition“. Und das Wort „schön“ in grün für das viele Grün im Ruhrgebiet und als Farbe für die Hoffnung, dass es aufwärts geht mit der Region – vor allem in den Köpfen ihrer Bewohner.

„Ich habe festgestellt, dass der Ruhrgebiets-Bewohner – der Ruhri – seine Region oft viel schlechter wahrnimmt als sie ist. Dabei muss das nicht sein. Denn hier ist es auch schön – pottschön eben. Und das darf man ruhig selbstbewusst vertreten. Immerhin haben die Bewohner des Ruhrgebiets schon mehrfach bewiesen, dass sie auch schwierigste Herausforderungen meistern und den Strukturwandel tatkräftig mitgestalten können.“ Seinen Teil zu einer Veränderung der Selbstwahrnehmung der Ruhris möchte Gärtner so beitragen. Dafür hat er sich die Marke „Pottschön“ schützen lassen und die Internetseite www.pottschön.ruhr aufgebaut und sich auch im sozialen Netzwerk Facebook eine Seite angelegt, die sich mehr und mehr Fans erfreut.

Ruhrgebiet muss sich nicht verstecken

So will er sein Wort immer bekannter machen und zeigen: Das Ruhrgebiet muss sich nicht verstecken. „Das schaffen wir aber nur als Ruhrgebiet gemeinsam und es wäre toll, wenn es das Wort in den Sprachgebrauch der Menschen dieser Region schaffen könnte.“

EURE FAVORITEN