Verletztes Ehrgefühl als Motiv für tödliche Schüsse auf Ahmet E. in Duisburg-Beeck

Sinan Sat
Der Tatort in Duisburg-Beeck am Tag danach: Dort, wo ein 35-Jähriger auf der Karl-Albert-Straße sechs Kugeln auf Ahmet E. abfeuerte, hat die Spurensicherung den Tatort markiert. Foto: Stephan Eickershoff / WAZ FotoPool
Der Tatort in Duisburg-Beeck am Tag danach: Dort, wo ein 35-Jähriger auf der Karl-Albert-Straße sechs Kugeln auf Ahmet E. abfeuerte, hat die Spurensicherung den Tatort markiert. Foto: Stephan Eickershoff / WAZ FotoPool
Foto: WAZ FotoPool
Der Mann, der den 39-jährigen Ahmet E. in Beeck mit mindestens sechs Schüssen getötet hat, stammt aus derselben Region in der Türkei wie sein Opfer. Die beiden prügelten sich im Oktober auf offener Straße. Nachbarn berichten, der Täter habe seine Frau geschlagen, die ihn verlassen habe.

Duisburg. Nach den tödlichen Schüssen auf einen 39-jährigen Mann am Montagabend in Duisburg-Beeck verdichten sich Hinweise darauf, dass ein Beziehungsstreit Auslöser dieser regelrechten Hinrichtung war.

Der 35-jährigeTäter, der nur drei Häuser neben dem Opfer Ahmet E. wohnt und aus der selben Region in der Türkei stammt, hat den 39-Jährigen mit mindestens sechs Schüssen in Kopf und Brust getötet. Nach Angaben der Polizei feuerte der Täter Munition des Kalibers neun Millimeter aus einer Waffe des Fabrikats Beretta – offenbar aus verletztem Ehrgefühl: Der Schütze soll vermutet haben, dass Ahmet E. ein Verhältnis mit seiner Frau hatte.

Das Opfer wollte gegen 20 Uhr gerade seinen Kleintransporter einparken, als der Schütze mit seinem blauen Fiat neben den weißen Lieferwagen fuhr, ausstieg und durch die Fahrertür schoss. Der getroffene Ahmet E. versuchte noch, durch die Beifahrertür zu entkommen. Am Boden liegend feuerte der 39-Jährige aber weiter auf ihn. nachdem der Täter in eine Gaststätte gegangen und um die Benachrichtigung der Polizei gebeten hatte, gab er erneut mindestens einen Schuss auf E. ab. Die Polizisten versuchten, ihn zu reanimieren. Zum Tode führten Schüsse ins rechte Auge und in den Brustkorb.

Religiöses Opfer reparierte Computer für viele im Duisburger Norden

Die Betroffenheit in der Karl-Albert-Straße ist am Tag danach allgegenwertig. Der Computerladen von Ahmet E. im Erdgeschoss seines Hauses ist geschlossen. Vor der Tür tummeln sich immer wieder Menschen, aber es ist ruhig. Kamerateams filmen den Tatort. Das Blut des Opfers klebt noch auf dem Asphalt. Ein wenig Sand ist darüber geschüttet. Die Polizei fährt Streife. Im Minutentakt klingeln schwarz gekleidete Menschen mit traurigen Mienen an der Haustür von Familie E., um ihr Beileid kundzutun und der Familie des Opfers Trost zu spenden.

„Wir können das nicht fassen. Ahmet ist tot. Nein. Er wurde uns genommen! Er wurde einfach getötet“, klagt eine Cousine des Getöteten. Ihre Stimme versagt. Die junge Frau weint, zittert am ganzen Leib und schlägt sich mit den Händen auf die Knie. „Das hätte niemals passieren dürfen“, sagt sie und wendet sich ab.

In der Teestube gegenüber unterhalten sich Mehmet Ercoskun, Murat Altaca und Necdet Engin. Sie kannten Opfer und Täter. „Jeder kannte die beiden hier“, sagen sie. „Das Opfer, also Ahmet ist im ganzen Duisburger Norden bekannt. Jeder hat bestimmt mindestens einmal seinen Computer bei ihm zur Reparatur gegeben. Er war ein sehr guter, ein sehr beliebter Mensch“, erklärt Mehmet Ercoskun und reibt sich mit den Händen durch das Gesicht. „Das Gerücht, dass Ahmet was mit der Frau des Täters gehabt haben soll, das ist völliger Blödsinn“, sagt Necdet Engin. „Sie können hier 1000 Leute fragen und keiner würde so etwas für möglich halten“, ergänzt einer der Männer.

Das Opfer sei ein streng religiöser Mann gewesen und schon mehrfach zur Hadsch gefahren. „Ein Verhältnis mit einer anderen verheirateten Frau - undenkbar“, befindet Turgay Akyazin, Inhaber der Teestube. Er hat beide Männer „gut gekannt und beide sehr geschätzt“, sagt er.

Täter und Opfer waren Familienväter

Beide sind verheiratet und haben zwei Kinder. Auseinandersetzungen hat es zwischen den beiden Männern und ihren Familien schon zuvor gegeben. Im Oktober lieferten sich die Männer eine Rauferei auf offener Straße. Daraufhin erstatte Ahmet E. Anzeige bei der Polizei. Der Täter habe ihn schon damals gedroht. „Dieser Mord geschah nicht zwischen zwei, um eine Frau rivalisierende Männer. Die Frau des Täters hatte sich von ihrem Mann getrennt. Dieser machte Ahmet E. dafür verantwortlich, weil er Frau und Kinder vor dem Täter schützte“, sagt Seniye Ergün, eine Freundin des Getöteten.

Auch bei den Unterhaltungen auf der Straße sprechen die Nachbarn von gewaltvollen Übergriffen des Täters gegenüber seiner Frau. „Sie wollte ihn verlassen. Und die Schuld daran hat er dem Opfer gegeben“, sagt ein älterer Mann.

Der Täter schweigt

Der Todesschütze schweigt und lässt sich von einem Anwalt vertreten. Die Staatsanwaltschaft hat Haftbefehl wegen Mordes, Mordmerkmal Heimtücke, beantragt.