Unterwegs mit dem „Grunz-Mobil“

Eine große Schweinefigur macht auf die Aktion aufmerksam.
Eine große Schweinefigur macht auf die Aktion aufmerksam.
Foto: Albert Schweitzer Stiftung
Aktivisten der Albert Schweitzer Stiftung wollen auf ihrer Tour durch verschiedene Städte über Massentierhaltung informieren und ein Umdenken in Gang setzen. Am Donnerstag machten sie in Duisburg Station.

Duisburg.. In der Hand noch den Rest eines Hamburgers, schreibt die Passantin ihre E-Mail-Adresse auf die Liste. Künftig wird sie regelmäßig Informationen über vegane Ernährung und Protestmöglichkeiten gegen Massentierhaltung erhalten.

Ist das nicht ein bisschen schizophren?„Ich weiß ja, dass das falsch ist“, sagt sie und blickt verlegen auf ihr Mittagessen, „aber ich bin eben ein schwacher Charakter“.

Keine Anzeichen für Mangelernährung

Die Aktivisten der Albert Schweitzer Stiftung, die mit ihrem „Grunz-Mobil“ am König-Heinrich-Platz in der Duisburger Innenstadt stehen, freuen sich dennoch über das Interesse der Frau. Mit missionarischen Belehrungen halten sie sich allerdings zurück. „Wir wollen den Leuten einfach zeigen, dass Fleischkonsum nicht mehr zeitgemäß ist“, sagt Johannes Jung, der in seinem ganzen Leben noch nie ein Stück Fleisch gegessen haben will. Nicht wenigstens mal probiert?! „Nicht mal das“, versichert er. Auch auf andere tierische Produkte verzichtet er bereits seit zehn Jahren.

Dabei entspricht er so gar nicht dem Klischee des blassen unterernährten Veganers: Er ist Leistungssportler und lässt seinen Körper regelmäßig durchchecken. Anzeichen für Mangelernährung seien dabei noch nie aufgetaucht, sagt er. „Man muss sich eben abwechslungsreich und ausgewogen ernähren“, erklärt seine Kollegin Lisa Becker, die ihren Bundesfreiwilligendienst bei der Stiftung absolviert. Auch sie lebt vegan. Aber muss es gleich vegan sein, reicht nicht vegetarisch? Für jedes tierische Produkt müssten auch Tiere leiden, erwidert Becker schlicht.

Alltägliche Quälereien

Das Fahrzeug, mit dem die Stiftungsmitarbeiter unterwegs sind, ist auch von weitem kaum zu übersehen: Eine riesige Schweinefigur thront auf dem Dach. Mit Filmen und Broschüren wollen die Aktivisten über Massentierhaltung informieren, „das Thema ins Bewusstsein rücken“. Die Filme setzen nicht auf Ekel- oder Schockeffekte, sondern zeigen den „Alltag“ in der konventionellen Tierhaltung, im Wechsel mit Bildern von weidenden Kühen. Ein Sprecher erläutert in unaufgeregtem Tonfall die alltäglichen Quälereien, wie zum Beispiel das Enthornen der Tiere.

Viele Passanten lassen sich von Johannes Jung und seinen Kollegen in ein Gespräch verwickeln, blättern interessiert in der Broschüre mit „tierfreundlichen Rezepten“. Man könne nicht auf die Politik warten, sagt Jung, sondern müsse „die Massentierhaltung auf dem eigenen Teller abschaffen“, schließlich bestimme die Nachfrage das Angebot.

Viele Menschen sind gegen Massentierhaltung

Schätzungsweise 85 Prozent der Deutschen seien prinzipiell gegen Massentierhaltung. Doch Veränderungen erwarteten sie meist von der Politik, nicht von sich selbst. So wünscht sich auch die Passantin mit dem Hamburger, dass „die Politik das einfach verbietet.“ Immerhin verändere sich langsam etwas, sagt Jung. „Vor zehn Jahren musste ich meinem Lehrer noch erklären, was ein Veganer ist – heute gibt es vegane Kochbücher, Restaurants und selbst die Discounter haben vegane Produkte im Sortiment.“

Über ihre Arbeit machen sich die Stiftungsmitarbeiter allerdings keine falschen Illusionen: Natürlich werde nicht jeder Angesprochene sofort Vegetarier oder Veganer, aber wenn er vielleicht mal bewusst beim Einkaufen auf tierische Produkte verzichte, dann sei das schon ein Erfolg.

 
 

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