Unter Kuppeln und Kirchtürmen

Am Samstag, 24. März, besuchten tausende Besucher die "Nacht der offenen Gotteshäuser in Duisburg. Im Bild: die Moschee an der Warbruckstraße in Marxloh Foto: Stephan Eickershoff/WAZFotoPool
Am Samstag, 24. März, besuchten tausende Besucher die "Nacht der offenen Gotteshäuser in Duisburg. Im Bild: die Moschee an der Warbruckstraße in Marxloh Foto: Stephan Eickershoff/WAZFotoPool
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42 Gemeinden beteiligten sich bei der Nacht der offenen Gotteshäuser. Tausende Besucher erlebten Moschee, Synagoge und Kirche in ganz besonderer Atmosphäre.

Duisburg. Feierlicher hätte der Start in die „Sommerzeit“ kaum verlaufen können: Bereits zum zweiten Mal luden Moscheen, Kirchen und Synagogen am Samstag zur „Nacht der offenen Gotteshäuser“ ein. Rund 42 Gemeinden aus Duisburg und Moers lockten mit einem vielfältigen Programm aus Spiritualität, Kunst und Kultur. Tausende Besucher nutzten die Chance, um die Gotteshäuser in einer besonderen Atmosphäre zu erleben und kennen zu lernen. Dabei bestimmte nicht nur die ganz persönliche Glaubenserfahrung den Reiz dieser Nacht – sondern vielmehr das Gefühl, Teil eines großen Ganzen zu sein.

Es liegt etwas in der Luft, als sich die Sonne am Abend über Marxloh neigt. Erste neugierige Besucher versammeln sich im Foyer der Merkez-Moschee. Für viele ist sie die erste Station ihrer nächtlichen Reise durch die Gotteshäuser. „Ich war 2010 schon bei der Premiere dabei, konnte aber nicht am Programm der islamischen Begegnungsstätte teilnehmen. Deshalb bin ich heute hier“, freut sich Ingeborg Sagen, die zum ersten Mal in ihrem Leben eine Moschee besucht. „Diese Nacht bietet die Möglichkeit, unbefangen mit unterschiedlichen Religionsgemeinschaften in Kontakt zu treten“, so die Rentnerin.

Gemeinsam beten

Um 20 Uhr eröffnet Hüseyin Cetin, Pressesprecher der Moschee, den Abend mit dem offiziellen Gebet. Der Gedanke, dass in diesem Augenblick tausende Menschen an verschiedenen Orten dieselben Verse sprechen, bewegt auch Studentin Kathrin Bern. „Dass ist schon ein schönes Gefühl.“

Beinahe majestätisch klingen die arabischen Gesänge des Vorbeters, die kurz darauf die Hallen der Moschee erfüllen. Halb zufällig und halb gewollt sind die Besucher in das Spätabendgebet der Gläubigen geraten. Gebannt lauscht das Publikum den Koransuren und staunt über die Kondition der Betenden. „Das Hinknien, Aufstehen und Vorbeugen ist fast wie Sport“, bemerkt Bern.

Gegen 20.45 Uhr brechen einige Gäste zu einem Marsch der besonderen Art auf. Unter dem Motto „Menschenwege – Gotteswege“ pilgern sie zur evangelischen Kreuzeskirche. Während einer Rast in der katholischen Gemeinde St. Peter lesen sie anregende Texte über religiöse Ausdrucksformen.

„Was wir alleine nicht schaffen, das schaffen wir dann zusammen“

Etwa zehn Kilometer weiter südlich begeistert zur selben Zeit das spirituelle Konzert „Seelenklänge“ des Gospelchors „Listen!“ zahlreiche Besucher in der Salvatorkirche. Wie ein Leitspruch für die ganze Nacht erklingen dort die Zeilen „Was wir alleine nicht schaffen, das schaffen wir dann zusammen“ aus dem gleichnamigen Lied von Xavier Naidoo. Das rhythmische Klatschen und der tosende Applaus des Publikums verleihen den rot ausgestrahlten Gemäuern an diesem Abend eine besondere Atmosphäre.

Deutlich leisere Töne bekommen Besucher anschließend von den Mitarbeitern der ökumenischen Telefonseelsorge zu hören. In Form von Gesprächen, Klängen und Geschichten berichten die „Stimmen der Nacht“ von ihrer Arbeit. „Schon für diese Eindrücke hat sich der Abend gelohnt“, findet Rolf Sausemann, der mehrere Veranstaltungen gemeinsam mit seiner Frau zu Fuß besucht.

Begegnung mit der jüdischen Gemeinde

Zur gleichen Zeit lädt Michael Rubinstein, Geschäftsführer der Jüdischen Gemeinde, in der Synagoge im Innenhafen zu einem Vortrag über die Entwicklung jüdischen Lebens in NRW. Während die Gäste in der Moschee vor Betreten des Gebetshauses ihre Schuhe ausziehen mussten, wird jedem Mann hier nun eine Kippa gereicht – die traditionelle Kopfbedeckung der Juden. „Die Menschen denken, das Jüdische Zentrum sei eine Art Hochsicherheitstrakt und trauen sich nur selten zu uns. An einem Abend wie heute ist die Hemmschwelle geringer“, beobachtet Rubinstein sichtlich erfreut. „Ich habe schon so viele fremde Gesichter gesehen und das ist natürlich ein großer Erfolg.“

Ob es auch eine dritte „Nacht der offenen Gotteshäuser“ geben wird? „Wir planen, dieses Ereignis im Zwei-Jahres-Rhythmus zu wiederholen“, verrät Rubinstein.

 
 

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