Umstrittene Abrechnungen im Zoo Duisburg - Rechnungsprüfer ermitteln

Den Bau der neuen Tiger-Anlage hat Evonik mit zwei Millionen Euro vollständig finanziert.
Den Bau der neuen Tiger-Anlage hat Evonik mit zwei Millionen Euro vollständig finanziert.
Foto: FUNKE Foto Services
Der Aufsichtsrat des Tierparks schaltet die städtischen Rechnungsprüfer ein: Zoo-Chef Winkler kann nicht erklären, wofür 72.000 Euro verwendet wurden.

Duisburg.. Die städtischen Rechnungsprüfer ermitteln wegen umstrittener Abrechnungen im Zoo. Das bestätigte die Stadt jetzt auf Anfrage. Dabei geht es um zwei Rechnungen eines Duisburger Architekten über 72.000 Euro. Die abgerechneten Leistungen lassen sich offenbar nicht in Zusammenhang mit einem realisierten Bauprojekt bringen.

Das Thema beschäftigt seit mehreren Monaten den Zoo-Aufsichtsrat. Als sich die offenen Fragen auch in der letzten Sitzung nicht klären ließen, hatte das Aufsichtsgremium aus Ratspolitikern und Mitarbeitervertretern schließlich das Rechnungsprüfungsamt eingeschaltet, das den Fall jetzt aufklären soll.

Wer vergab den Auftrag?

Bei den Rechnungen geht es um den Bau der Afrika-Lodge, die nach der Aufgabe der Zooterrassen im Rahmen eines neuen Gastronomiekonzeptes entstand, sowie um den Bau der neuen Tigeranlage, die erst kürzlich eröffnet wurde. Allerdings war der Duisburger Architekt, der jetzt sein Geld verlangt, offenbar nicht an der Konzeption der Afrika-Lodge beteiligt. Der Auftrag ging vor rund fünf Jahren an ein Düsseldorfer Büro. Und beim neuen Tigergehege hielt nicht der Zoo, sondern Sponsor Evonik die Zügel in der Hand, der den Bau mit zwei Millionen Euro auch vollständig finanzierte. Daher fragt sich mancher Aufsichtsrat: Welche Leistungen rechnet der Duisburger Architekt überhaupt ab? Warum landet der Fall erst fünf Jahre später auf dem Tisch? Und vor allem: Wer hat den Architekten denn beauftragt, und wer war dazu berechtigt?

Die offenen Fragen könnten auch für Zoo-Direktor Achim Winkler ein Problem werden. Denn auch er, dessen Vertrag zum Jahresende ausläuft und der jetzt vor der Verlängerung steht, konnte dem Aufsichtsrat offenbar keine Antworten liefern. Im Gegenteil: Laut einer internen Niederschrift soll Winkler erklärt haben, dass der ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende, der damalige Sparkassen-Chef Hans-Werner Tomalak, den Auftrag für die Planung der Afrika-Lodge erteilt habe. Was allerdings völlig unüblich wäre, da ein Aufsichtsratsvorsitzender dazu gar nicht berechtigt ist. Eine Sitzung und mehrere Wochen später soll Winkler schließlich wieder zurückgerudert sein und erklärt haben, dass er selbst damals den Auftrag an den Architekt vergeben habe. Die Planung des neuen Tigergeheges dagegen soll angeblich die Stadt eingefordert haben. Doch auch hier tauchen für den Aufsichtsrat Fragezeichen auf, da Evonik sowohl den Bau als auch die Planung finanziert hat.

Die Summe der Rechnungen dürfte für die Prüfung weniger vordringlich sein als die unklare Auftragsvergabe und vermeintlich unnötige Kosten bei knappem Etat: Das Geld ist chronisch knapp, der Tierpark immer stärker auf die finanzielle Hilfe der Stadt angewiesen, in den vergangenen beiden Jahren wurde der Zuschuss um ein Drittel auf drei Millionen Euro erhöht.

 
 

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