Übernahme des MSV-Stadions kostet Steuerzahler Millionen

Die MSV-Arena soll mehrheitlich in städtische Hände wandern - Rat entscheidet am Montag.
Die MSV-Arena soll mehrheitlich in städtische Hände wandern - Rat entscheidet am Montag.
Foto: imago/Schwörer Pressefoto
Die Stadt Duisburg wird mit einer halben Million Euro zum Mehrheitsgesellschafter des MSV-Stadions. Das Rettungskonzept kostet den Steuerzahler12,5 Millionen Euro. Die Hauptlast des Deals trägt jedoch das Land NRW. Ein Millionengrab wie beim Tivoli-Stadioni n Aachen will man jedoch verhindern.

Duisburg. Ob man Fan ist oder nicht - für eine Zukunft des MSV wird jeder Bürger seinen Beitrag leisten. Denn der Steuerzahler wird jetzt endgültig zum zwölften Mann beim MSV. Mit der vorliegenden Stadionlösung wird deutlich: Das Rettungskonzept kostet die öffentliche Hand unter dem Strich 12,5 Mio Euro.

Dass die Stadt mit einer halben Million Euro zum Mehrheitsgesellschafter wird, ist noch eine vergleichsweise bescheidene Summe. Denn sollten die Ratsleute am Montag zustimmen, billigen sie gleichzeitig auch den Schuldenschnitt beim Stadion. Für die Stadt bedeutet das einen weiteren Verzicht auf 1,5 Millionen Euro von einem ehemals gewährten Kredit für den Stadionbau.

Die Hauptlast allerdings trägt das Land NRW: Als Bürge steht das Land mit 80 Prozent vom restlichen Baukredit im Wort. In Düsseldorf hat man sich offenbar darauf eingerichtet, der HSH Nordbank bald 10,5 Millionen Euro zu überweisen und sich damit aus der Bürgschaft zu verabschieden.

Kämmerer warnt vor „Stadionabriss“

Es ist das zweite Mal, dass das Land für eine Stadion-Bürgschaft bluten muss: Schon das Tivoli-Stadion von Alemannia Aachen wurde für das Land zum Millionengrab, das Verlustrisiko lag in Aachen fast doppelt so hoch wie in Duisburg. Seit drei Wochen ist die insolvente Alemania sämtliche Altlasten los, Gläubiger hatten auf insgesamt 68 Millionen Euro verzichtet. Derzeit versucht sich Aachen in Liga vier wieder zu berappeln - und kann weiter in dem von Walter Hellmich gebauten und 50 Millionen Euro teurem Stadion spielen, das im Sommer 2009 eröffnet wurde.

Gerade weil die Parallelen so erstaunlich sind, waren alle Beteiligten bemüht, in Duisburg eine Wiederholung des Aacher Insolvenzfalls zu verhindern. Das Land ist deshalb bereit, die Schatulle schon im Vorfeld zu öffnen. „Sonst wäre der Verein mausetot und das Stadion wertlos“, sagt Rainer Bischoff, der Duisburger Landtagsabgeordnete und sportpolitische Sprecher der SPD-Fraktion. „So bieten wir mit der Stadt dem Verein eine lebensfähige Zukunft.“

Stürzt der MSV weiter ab, bliebe die ungenutzte Arena ohnehin an der Stadt hängen

Die Stadt folgt einer ähnlichen Argumentation: „Wenn wir das nicht machen, kommt es am Ende für uns noch schlimmer“, heißt der Standardsatz aus der Politik vor der Entscheidung am Montag. Diese Angst schürt der Kämmerer, in dem er den Ratsleuten ein Horror-Szenario in der Vorlage für die Sitzung ausmalt: Stürzt der MSV weiter ab, bliebe die ungenutzte Arena ohnehin an der Stadt hängen, die „Bewachung/Einzäunung“ und Wartung verschlinge bis zu 400.000 Euro im Jahr, sogar den „Stadionabriss“ bringt der Kämmerer als „Extremfall“ ins Spiel. Welches Ratsmitglied wird da noch widersprechen?

Der NRW-Steuerzahlerbund sieht in der Stadionübernahme dennoch ein Risiko, das sich die Stadt nicht aufbürden darf. „Das passt nicht zu einer Haushaltslage mit 3,3 Milliarden Schulden“, sagt Experte Eberhard Kanski.

Land bürgt für sieben Stadien 

„Aachen war der Sündenfall. Eine solche Entwicklung kann auch auf Duisburg zukommen.“ Selbst wenn die Stadionanteile und damit die Risiken auf die städtischen Tochterunternehmen verteilt werden: „Es ist ja ein Markenzeichen der Stadt Duisburg, viele Bereiche auszugliedern und Tochterunternehmen und Eigenbetriebe zu gründen. Aber auch diese haben Schulden und müssen ihren Beitrag zum Haushaltsausgleich leisten“, sagt Kanski.

Aber auch generell gehe die öffentliche Hand zu leichtwertig mit Bürgschaften um: „Es ist ja nur eine Bürgschaft“ sei ein Satz, den Kanski häufig höre oder lese: „Leider sieht die Realität anders aus“. Hilfen für Sportvereine und den Breitensport - wenn es um ein neues Vereinsheim oder einen Kunstrasen geht - seien völlig in Ordnung: „Aber eben nicht für den Profisport.“

Bürgschaften zu leichtfertig vergeben

Nach einem internen Bericht des NRW-Finanzministeriums hat das Land in den letzten zehn Jahren bei sieben Stadien Bürgschaften in Höhe von insgesamt 318 Mio Euro bewilligt. Bei Top-Clubs wie Schalke 04, Borussia Dortmund und Mönchengladbach, aber auch bei Bochum, Bielefeld, Aachen und Duisburg. Vor einem halben Jahr soll das Restrisiko noch bei 128 Millionen Euro gelegen haben.

„Eindeutig“ seien diese Bürgschaften zu leichtfertig vergeben worden, Politiker hätten sich dabei „Sand in die Augen streuen“ lassen, sagt Eberhard Kanski vom Steuerzahlerbund. „Bürgen kannst Du würgen“ lerne man schon in der Berufsschule, sagt Kanski. Und finanziell stehe das Land mit zwei Milliarden Euro an Neuschulden in diesem Jahr eben auch nicht gut da: „Kommt die Bürgschaft in Duisburg zum Zuge, bedeutet das die nächste Kreditaufnahme für das Land.“

Konzept steht seit einem Jahr

Als die Bürgschaft damals vergeben wurde, die das Land noch unter NRW-Finanzminister Peer Steinbrück gewährte, sei das aber unter anderen Voraussetzungen erfolgt, sagt der Landtagsabgeordnete Bischoff: „Vieles hatte damals eine Rolle gespielt. Ausschlaggebend waren aber die World Games, die im alten Wedau-Stadion nicht hätten stattfinden können.“

Für Bischoff komme es jetzt darauf an, dass der MSV den Schuldenschnitt hinbekommt. „Sonst ist die Stadion-Lösung hinfällig.“

Was ihn ärgert: Die Konzept lag in dieser Form bereits vor dem Zweitliga-Lizenzentzug vor. „Das gleiche Entgegenkommen von Land und Stadt hat es schon vor einem Jahr gegeben, der MSV wäre heute noch im Mittelfeld der Zweiten Liga.“

 
 

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