TV-Bilder zeigten früh Probleme im Eingang zum Loveparade-Gelände

Foto: WAZ FotoPool

Duisburg.. Die Teilnehmer des Runden Tisches Loveparade erheben schwere Vorwürfe gegen Lopavent. Der Veranstalter habe sein eigenes Einlasskonzept nicht eingehalten. Schon gegen 15 Uhr sei erkennbar gewesen, dass es Probleme im Eingangsbereich gab.

Im Zuge der Ermittlungsarbeiten zur Aufklärung der Loveparade-Katastrophe hat das Team der Staatsanwaltschaft Duisburg weit über 500 Stunden Videomaterial gesichtet. Lothar Evers, der zu den Organisatoren des „Runden Tisches Loveparade“ am vergangenen Samstag in Duisburg zählte, beschränkte sich in seinem Film-Mitschnitt auf einige wenige, aber entscheidende Minuten, die er den Teilnehmern präsentierte.

„Bereits gegen 15 Uhr ist auf Bildern des WDR-Fernsehens zu sehen, dass der Eingang nicht funktioniert“, sagt Evers und zeigt auf den oberen Teil der Rampe. Der ist zu diesem Zeitpunkt bereits hoffnungslos überfüllt – und zwar, weil der wichtigste Teil des Einlasskonzeptes von Veranstalter Lopavent nicht greift. Denn die Menschenmassen, die hier ankommen, laufen direkt auf den Rundkurs der Umzugswagen („Floats“) zu. Und fast alle bleiben stehen.

"Pusher" auf keinem der Bilder zu sehen

Eigentlich sollten hier rund 150 der 1300 eingeplanten Ordner im Einsatz sein und als so genannte „Pusher“ fungieren. Das heißt: An dieser heiklen, weil engen Stelle sollten die „Pusher“ dafür sorgen, dass Ankommende in Bewegung bleiben und in hintere Bereiche des Veranstaltungsgeländes weitergehen.

Doch auf keiner Video- oder Fotoaufnahme ist an diesem Tag auch nur ein einziger (!) „Pusher“ zu erkennen. Vielleicht ist dies eine direkte Auswirkung der Tatsache, dass rund 40 Prozent der Ordner nicht zum Dienst erschienen sind (wir berichteten).

In keinem der bislang vorliegenden Dokumente der Duisburger Stadtverwaltung werden dem Veranstalter eine klar definierte Mindestzahl an Ordnern vorgeschrieben. Fest steht: Hätte die Verwaltung eine zu hohe Ordnerzahl veranschlagt, wäre das Veranstalter Lopavent zu teuer geworden. Daher scheinen die geforderten Zahlen stets nur vage formuliert worden zu sein.

Verwunderung darüber, dass lokale Politik nicht auf die Barrikaden gehe

Zurück zum oberen Teil der Rampe: Diese Stelle wird durch das Nichteinhalten des Konzeptes zum Nadelöhr. Wenige Meter Platz verbleiben, um sich irgendwie durchzuschlängeln. Und diese Stelle sollen an diesem Tag Hunderttausende passieren?!? Ein Ding der Unmöglichkeit. Das Verharren der Ankommenden führt zum Rückstau und ist ein wichtiges Glied in jener Fehlerkette, die später zur Sperrung des unteren Teil der Rampe durch eine Polizeikette führt. In diesem Bereich ereigneten sich dann die Todesfälle.

Verwundert zeigte sich Evers darüber, dass die lokale Politik nicht auf die Barrikaden geht. „Jetzt ist der Rat gefragt. Wieso klopft er der Verwaltung nicht auf die Finger? Wieso gibt er sich mit Berichten zufrieden, in dem viele entscheidende Dokumente fehlen?“ Fragen, die sich sicherlich auch zahlreiche Duisburger Bürger stellen.

 
 

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