Duisburg

Türkei-Wahl: „Wenn Erdogan so weitermacht, wird er irgendwann umgebracht“: So krass äußern sich Deutschtürken in Duisburg

Türkei-Wahl: Diese vier Dinge muss man jetzt wissen

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Duisburg. Am Sonntag finden in der Türkei zeitgleich die Präsidentschafts- und auch die Parlamentswahlen statt. Dabei geht es auch um das politische Schicksal des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan.

Bei den Präsidentschaftswahlen gibt es eine 50+1-Regel, wie Gülay Kızılocak erklärt. Sie ist Türkei-Koordinatorin des Zentrums für Türkeistudien und Integrationsforschung an der Uni Duisburg/Essen.

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Kızılocak erklärt: Wenn kein Kandidat bei den Präsidentschaftswahlen mehr als 50 Prozent erreiche, so gebe es eine Stichwahl. Dabei könnten demnach die Auslandstürken zum Zünglein an der Waage werden, da viele Deutschtürken (63 Prozent) für das Referendum, also auch für Erdogan, gestimmt haben.

Deutschtürken durften bereits wählen, sodass deren Stimmen rechtzeitig ausgezählt werden können. Im Konsulatsbereich Essen, wo auch Duisburger wählen durften, lag die Wahlbeteiligung bei 67,4 Prozent - die höchste Wahlbeteiligung in ganz NRW. Zur Wahl stehen unter anderem Erdogans Partei AKP (islamisch-konservativ), CHP (kemalistisch, sozialdemokratisch), HDP (demokratisch-sozialistisch, pro Kurden), oder auch MHP (nationalistisch, rechtsextrem).

„Was er da betreibt, ist Faschismus“

Wir haben uns deshalb an der Wanheimer Straße in Duisburg-Hochfeld umgehört und wollten wissen, was Deutschtürken zur Wahl und zu Präsident Erdogan zu sagen haben. Aufgrund der Brisanz des Themas haben wir die Namen unkenntlich gemacht.

A. N.: „Ich habe die HDP gewählt. Ich denke, die HDP setzt sich für mich als Mensch ein. Aber wenn Erdogan die Wahl gewinnt, dann glaube ich, dass er sich noch mehr zum Diktator entwickelt als jetzt schon. Das wäre nicht gut für die Türkei. Was er da betreibt, ist Faschismus.“

„Er will keinen Fortschritt, sondern er will alles um 100 Jahre zurückdrehen“

M. K.: „Ich habe von der Botschaft aus gewählt. Aber nicht Erdogan. Für mich wäre der beste Fall, dass Erdogan verschwindet. Er hat da etwas verwechselt, glaube ich. Denn er will keinen Fortschritt, sondern er will alles um 100 Jahre zurückdrehen und Sultan oder Pascha werden oder was auch immer. Aber ich glaube, die Leute sehen mittlerweile, was der Mann mit der Türkei macht.“

R. Z.: „Der Mann ist ein Asozialer. Wir haben gedacht, da kommt ein Vertreter des Volkes. Aber er hat nur geklaut. Er hat Brücken gebaut, Häuser gebaut, hat sich einen Palast gebaut und jetzt baut er den Istanbul-Kanal. Und jeder weiß, dass er mit dem Geld erst mal sich und seine Familie versorgt. Der Mann baut Autobahnen, die nach fünf Jahren kaputt sind, weil sie teuer angeschafft und billig gebaut werden. Er muss weg. Er MUSS weg. Wenn Erdogan so weitermacht, dann wird er irgendwann von seinem eigenen Volk umgebracht. Der Mann ist verrückt und auch viele von seinen Anhängern. Da gibt es Leute, die sagen, selbst wenn Erdogan vor meinen Augen meine Mutter f****, würde ich ihm noch meine Stimme geben. Ich habe HDP gewählt.“

„Erdogan ist ein Lügner, er ist ein Dieb und ein Korrupter“

T. Y.: „Ich bin nicht wahlberechtigt. Aber ich würde HDP wählen. Diese Partei besteht aus Türken, Kurden, Armeniern, Juden und Jesiden. Alle Religionen sind willkommen und alle Volksgruppen. Du kannst auch Atheist sein und du bist in dieser Partei genauso viel wert. Das ist bei der AKP ganz anders. Erdogan ist ein Lügner, er ist ein Dieb und ein Korrupter. Er und seine ganze Familie. Unter Erdogan hat sich die Türkei so negativ verändert, dass ungefähr ein Zehntel meiner türkischen Freunde, die im Ausland leben, sagen, sie würden noch nicht mal dort begraben werden wollen, wenn sie sterben. Wenn Europa weiter bröckelt, dann kommt das Donald Trump zugute. Deshalb würde ich an Stelle von Angela Merkel die Türkei zwar unterstützen, aber erst muss Erdogan weg.“

Hinweis der Redaktion: Unser Reporter hat in Duisburg 34 Deutschtürken nach ihrer Meinung gefragt, davon auch Anhänger des türkischen Präsidenten Erdogan. Von den 34 Befragten wollten lediglich die vier von uns wiedergegebenen Personen ihre Meinung sagen. Die Namen liegen der Redaktion vor. Nur eine Person erklärte, dass ihr Name veröffentlicht werden könne. Zum Schutz der Person und dem Schutz ihrer Familie in der Türkei haben wir jedoch von der Veröffentlichung des Namens Abstand genommen.

 
 

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