Traumschiff-Arzt Horst Naumann genießt sein neues Leben

Anne Horstmeier
Wenige Tage vor seinem 90. Geburtstag: „Neu-Duisburger“ Horst Naumann im Haus in Neumühl.
Wenige Tage vor seinem 90. Geburtstag: „Neu-Duisburger“ Horst Naumann im Haus in Neumühl.
Foto: FUNKE Foto Services
Der Schauspieler, der als Arzt in der „Schwarzwaldklinik“ und auf dem „Traumschiff“ Millionen Fernsehzuschauer begeistert hat, feiert 90. Geburtstag.

Duisburg. Die Schwarz-Weiß-Fotos neben der Eingangstür des Hauses in Neumühl erinnern an ein langes Schauspielerleben. Zum Beispiel an die Rolle des Claus Graf Stauffenberg, die Horst Naumann 1968 gespielt hat. Der Film erzählte das Leben des Hitler-Attentäters von der Jugend bis zur Hinrichtung in einer Mischung aus Dokumentation und Spielszenen.

„Ein Mann von adeliger Gesinnung“, sagt Naumann über Stauffenberg. Er hat ihn gespielt, als die „Schwarzwaldklinik“ und das „Traumschiff“ noch lange nicht in Sicht waren, er aber schon auf viele große Rollen zurückblicken konnte: Charakterrollen und Heiteres in Filmen, TV-Produktionen oder auf der Bühne. Ein Foto zeigt Naumann in einer Produktion der Münchener Komödie mit Harald Juhnke. Ein anderes erinnert an eine ganz frühe Bühnenrolle: „Othello“ 1946 in Güstrow.

Seit fünf Jahren Duisburger

Seit fünf Jahren lebt er in Duisburg, am 17. November feiert er seinen 90. Geburtstag bei bester Gesundheit. „Ich habe keinen Anlass zu maulen, es geht mir gut, nur die Ohren...“, sagt der Mann, dem zwei Ärzte-Rollen zu größter Popularität verhalfen: Er war ab 1985 in 73 Folgen der freundliche Dr. Horst Römer in der „Schwarzwaldklinik“; sieben Millionen Zuschauer waren dabei, als er Weihnachten 2010 nach 25 Jahren als Dr. Schröder von Bord des „Traumschiffs“ ging.

Und noch einmal im Hafen der Ehe landete – mit der 34 Jahre jüngeren Martina Linn, Chefin des Kleinkunsttheaters „Die Säule“, fand Naumann neues Glück. Und Aufgaben, denn die Lust auf seinen Beruf, den er in seiner Heimat Dresden erlernte, hält an. „Ich kann mir nicht vorstellen, nichts mehr zu tun.“

Der vierte Loriot-Abend

Beim Besuch in Neumühl liegt ein Textbuch auf dem Tisch. Horst Naumann bereitet sich auf den vierten Loriot-Abend vor, der am 3. Dezember Premiere hat. Unvergessene Sketche wie „Liebe im Büro“, „Spaghetti“ oder „Eheberatung“ spielt er dann mit Anna Moik-Stötzer und Nadja Heimann. „Ich mag seinen versteckt-bissigen Humor“, sagt Naumann über Loriot. Gefragt ist er aber auch als Regisseur der „Best Ager“. Mit dem Amateur-Ensemble „50 plus“ arbeitet er einmal pro Woche in der „Säule“.

50 Jahre war Horst Naumann mit seiner Kollegin Christa von Arvedi verheiratet, die 2003 starb. Mit Martina Linn hat ein ganz anderes Leben begonnen. „Leben ist jetzt“, sagt er. „Ich bin sehr glücklich. Martina ist mein allerbester guter Geist, ich bin dankbar.“

Der Altersunterschied spielt für die 55-Jährige keine Rolle. „Mein erster Mann war auch 16 Jahre älter als ich. Ich bin so gepolt.“ Wichtig sei für sie, mit jemanden zusammen zu sein, „der sich gefunden hat und mit diesem Beruf zu tun hat“, sagt Martina Linn-Naumann, die auch eine Schauspielausbildung gemacht hat. „Außerdem kenne ich Horst schon seit meiner Kindheit: als Erzähler in ,Hanni und Nanni.“

Abschied ist schwergefallen

„Ich vermisse München schon“, so Naumann über die Stadt, in der er ab 1959 gelebt hat, nachdem er aus Ostdeutschland geflüchtet war. „Aber man kann das Theater ja nicht im Stich lassen,“ sagt er mit Blick auf die „Säule“. Der Abschied vom „Traumschiff“ hänge ihm bis heute nach, räumt Naumann ein.

„Die Crew ging immer entspannt an die Arbeit.“ Freundschaften sind entstanden, und Naumann erinnert sich an „viele schöne Erlebnisse“. Ein Grund, sich auf die Geburtstagsfeier in München zu freuen, ist es, viele liebe Kollegen wieder zu sehen. Vor allem „Kapitän“ Siegfried Rauch und „Chefhostess“ Heide Keller. „Unser Dreigestirn war prima.“