Theater Duisburg: Ankommen in einer fremden Welt

In dem Tanzprojekt bringt der britische Choreograph Royston Maldoom 200 jungen Menschen aus Duisburg aus verschiedenen Ursprungsländern und Bevölkerungsgruppen zusammen.
In dem Tanzprojekt bringt der britische Choreograph Royston Maldoom 200 jungen Menschen aus Duisburg aus verschiedenen Ursprungsländern und Bevölkerungsgruppen zusammen.
Foto: Lars Heidrich
Die Endproben zum Community-Dance-Projekt „Exile“ laufen auf der großen Bühne unter der Leitung des Choreographen Royston Maldoom.

Duisburg.. Zehn Reihen mit jeweils acht Tänzern strömen herein – da wird es selbst auf der großen Bühne des Theaters eng. Und bis jeder erstmal seinen Platz gefunden hat... Zwar wird seit Juni an „Exile“ geprobt, aber am Dienstag zum ersten Mal dort, wo das Publikum am 23. und 24. September die Choreographie von Royston Maldoom sehen wird.

Und es sind keine Profis, die sich auf ihren großen Auftritt vorbereiten, es sind Schüler des Max-Planck-Gymnasiums, aus Vorbereitungsklassen des Sophie-Scholl-Berufskollegs, Bewohner des Übergangswohnheims an der Memelstraße und der Werthauser Straße, dazu Mitglieder des Jugendtanztheaters und des Tanztheaters von Ulla Weltike. Sie hat die Fäden bislang zusammen gehalten und mit einzelnen Gruppen trainiert, nun sorgt sie zum Start der Endproben dafür, dass sich alles zusammenfügt – unter den Augen des 73-jährigen Royston Maldoom, dessen Community Dance seit 1990 in Duisburg von Ulla Weltike gepflegt wird.

„Exile“ handelt von jungen Menschen, die ihre Heimat verlassen und von ihrer Ankunft in einer fremden Welt. Es ist auch deswegen ein besonderes Projekt, weil die Duisburger Philharmoniker in großer Besetzung mit auf der Bühne Platz nehmen, um die „Harmonielehre für großes Orchester“ von John Adams als zentrales Stück des Abends zu spielen. Verantwortung, Toleranz und Respekt bilden einen Schwerpunkt im Philharmoniker-Programm der gerade begonnen Saison, das ein Zeichen setzen will für ein stärkeres Miteinander.

Brust raus, Kopf hoch, Arme strecken

Das fordert Royston Maldoom auch von den Tänzern, von denen die meisten zum ersten Mal auf einer Bühne stehen. Hier machen nicht schwerelose Ballerinen und durchtrainierte Muskelmänner mit, sondern Kinder, Jugendliche und einige Erwachsene, manche speckig, manche dürr, nicht alle reine Bewegungswunder. Aber darauf kommt es beim Community Dance auch nicht an. „Man muss beim Tanzen an vieles denken, ihr müsst den richtigen Platz finden, sonst herrscht Chaos, das ist eure Verantwortung“, macht Maldoom deutlich: „Es ist eine große Übung in Zusammenarbeit.“

Unterdessen zeigt Ulla Weltike: „Brust raus, Kopf hoch, Arme strecken, Finger zusammen!“ Auch das „einfache“ Sitzen muss Energie und Präsenz ausstrahlen. Und erst die Bewegungsabläufe: drehen, rollen, laufen, Seiten wechseln. Das ist hier alles viel, viel schwieriger als lässig durch den Alltag zu schlurfen. Jeder müsse konzentriert sein, sagt Maldoom, der auch mal etwas verändert gegenüber dem Video, nach dem einstudiert worden ist. Weil andere Menschen auf der Bühne stehen. Und er hat als Choreograph das Sagen. „Wichtig ist es, Fehler selbst zu erkennen und zu korrigieren.“ Es ist einer dieser Sätze, die nicht nur für die Bühne gelten.

 
 

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